Wie heißt es so schön in einem der bekanntesten deutschsprachigen Volkslieder? „Das Wandern ist des Müllers Lust…“ Weit gefehlt: Nicht nur der Müller strebt hinaus ins Grüne. Wandern erfreut sich gerade in der warmen Jahreszeit besonderer Beliebtheit. So auch bei etlichen „Zuckersüßen“. Allerdings sollten Typ-1- und Typ-2-Diabetiker darauf achten, starken Blutzuckerschwankungen vorzubeugen, denn Bewegung und körperliche Anstrengung können den Blutzucker sowohl in den Keller rauschen als auch ansteigen lassen. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe legt Diabetikern deshalb an Herz, regelmäßig die Blutzuckerwerte zu kontrollieren.

Messen nicht vergessen: Wandern erfreut sich gerade in der warmen Jahreszeit besonderer Beliebtheit. © nd3000/Fotolia

Messen nicht vergessen: Wandern erfreut sich gerade in der warmen Jahreszeit besonderer Beliebtheit. © nd3000/Fotolia


Für Typ-2-Diabetiker sei der Wandersport besonders geeignet, da die Aktivität an der frischen Luft den Stoffwechsel fördere und den Blutzuckerspiegel signifikant senke. „Bewegung ist für Diabetes-Typ-2-Patienten besonders wichtig. Jeder, der sich zusätzlich zur Alltagstätigkeit regelmäßig bewegt, kann seine Blutzuckereinstellung verbessern“, erklärt Dr. Jens Kröger, der neue Vorstandsvorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Auch für Typ-1-Diabetiker sei der Wandersport empfehlenswert, da er das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindere und das körperliche sowie seelische Wohlempfinden steigere.

Diabetiker sollten beim Wandern aber ein Auge auf ihre Blutzuckerwerte haben. Während und nach dem Wandern können kurzfristig starke Blutzuckerabsenkungen auftreten. „Wenn die Warnzeichen nicht richtig interpretiert werden, können diese bis hin zu gefährlichen Unterzuckerungen führen“, erläutert Dr. Jens Kröger.

„Es ist ratsam, den Blutzucker vor jeder sportlichen Betätigung zu messen. Der gemessene Wert sollte zwischen 150 und 180 mg/dl liegen, um eine Art Sicherheitspuffer für die blutzuckersenkende Wirkung von Bewegung zu haben. Generell sollte eher mit einem erhöhten Blutzucker als mit einem zu niedrigen gestartet werden“, betont Dr. Stephan Kress, erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Wer bereits mit niedrigen Blutzuckerwerten gestartet sei, sollte nach einer halben Stunde eine Bewegungs-Broteinheit einnehmen. Alternativ könne man schon vor der Bewegung die Insulindosis reduzieren. „Dies sollten Patienten aber zuvor im Rahmen einer Diabetesschulung lernen – es erfordert Wissen und Können.“

Auch während des Wanderns empfiehlt Dr. Stephan Kress, den Blutzucker etwa alle ein bis zwei Stunden zu überprüfen. Dabei lerne der Betroffene, wie sich sein Blutzucker in dieser Situation verhält. Diese Erfahrungen würden bei zukünftigen Fußmärschen helfen. „Haben Sie eine gemütliche Wanderung gemacht, bedeuten Schwitzen oder Herzjagen meist eine Unterzuckerung. Haben Sie sich ins Zeug gelegt und körperlich stark belastet, können Herzklopfen und Schwitzen auf eine starke Belastung hindeuten.“ Bei den ersten Anzeichen einer Hypo müsse schnell reagiert werden. Dabei sollte immer der Grundsatz „Erst essen, dann messen“ gelten. Traubenzucker und langsam ins Blut gehende Kohlenhydrate, wie Vollkornbrot, dürften in keinem Wanderrucksack fehlen.

Lange Wandertouren können den Blutzucker aber auch in die Höhe treiben. Bei Diabetes Typ 1 ist dies die Folge einer nicht ausreichenden Insulinversorgung des Körpers. „Die Zellen können nach körperlicher Anstrengung nicht mehr genügend Zucker aufnehmen“, bekräftigt der DDG-Experte. Um diesen Energiemangel auszugleichen, baut der Körper Fettgewebe ab. Das Blut übersäuert und der Körper schüttet Stresshormone aus, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. „Jetzt gilt es für den Betroffenen, geschult und gekonnt eine Ketoazidose abzuwehren.“

Bei Typ-2-Diabetikern ist ein Blutzuckeranstieg meist Ausdruck einer Überanstrengung, und wird durch Stresshormone ausgelöst. „Sind die Blutzuckerwerte in einem Bereich über 250 mg/dl, sollten Menschen mit Diabetes sich nicht stark anstrengen“, unterstreicht Dr. Stephan Kress. Um Blutzuckerschwankungen beim Wandern zu vermeiden und im Notfall vorbereitet zu sein, rät diabetesDE zudem, Rücksprache mit dem Arzt zu halten sowie eine kompetente Grundausbildung im Rahmen einer strukturierten Diabetesschulung zu absolvieren.