„Man muss sich nur zum Aufbruch entscheiden, dann ist der schwierigste Teil getan. Also los!“ (Tony Wheeler)

Heute möchte ich den Lesern gerne ein paar ZDF´s geben – nein, kein zweites Fernseh-Auge, sondern Zahlen – Daten – Fakten. Schließlich geht es „gleich“ los und ich habe mehrfach in meinem Kopf „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ gespielt.

Diabetes-Hilfsmittel

Für meine Reise auf dem Jakosbweg benötige ich einiges an Diabetes-Hilfsmittel.

Mein Weg ist ca. 250km lang. Gemäß Literatur sind folgende Etappen möglich:

  1. Porto – Lavra 12km
  2. Lavra – Rates 22 km
  3. Rates – Portela de Tamel 25km
  4. Portela de Tamel – Ponte de Lima 25km
  5. Ponte de Lima – Rubiais 17km
  6. Rubiais – Valenca 16km
  7. Valenca – O Porrino 20km
  8. O Porrino – Redondela 15km
  9. Redondela – Pontevedra 25km
  10. Pontevedra – Caldas de Reis 22km
  11. Caldas de Reis – Padron 18km
  12. Padron – Santiago de Compostela 24km

Ich schreibe von „circa 250km“, da zwischen den einzelnen Etappen Möglichkeiten bestehen, den Weg abzukürzen bzw. zu verlängern. Warum? Das ist der Landschaft und der Natur geschuldet oder einfach deswegen, weil es sich angenehmer bzw. der Weg gerade und ebenerdig verläuft. Ebenso sind historische Städtchen, ein Fluss, die Nähe zum Meer, Thermalquellen oder anderes der Grund. Wie ich laufen werde, dass entscheide ich kurzfristig. Selbstverständlich bleibe ich auf dem Weg und plane keine Umwege oder Abenteuer. Aber in diesem Fall gibt es eben mal etwas, was vom gewohnten Alltag heraus „nicht“ geplant werden muss. Ich habe die Adressen der Pilgerunterkünfte bei mir. Von der Jahreszeit bin ich auch gut unterwegs, da die „Pilgersaison“ wohl im Juni beginnt. Aber da lasse ich mich überraschen. Ich denke, ich werde auf dem Weg auch andere Pilger unterschiedlichster Nationalitäten treffen. Das wird sicher spannend. Ich habe keine Erfahrungen, somit lasse ich mich überraschen. Für mich selbst habe ich in diesem Zusammenhang eine Notfallkarte mit Nationalflaggen erstellt. Diese trage ich auf Brusthöhe. Auf dieser ist in drei Sprachen (deutsch, portugiesisch, englisch) aufgeführt, dass ich Diabetiker bin und wie im Notfall zu verfahren ist. Ebenso habe ich drei Rufnummern abgebildet, wo jemand in deutscher, portugiesischer und englischer Sprache erreichbar ist und weiß, was im Notfall zu tun ist. Selbstverständlich habe ich auch eine Auslandskrankenversicherung. Mit Maltodoxtrin, gezuckerten Snacks „to go“ und z.B. Obst werde ich tagsüber und nachts mich und meinen Blutzucker auf Trapp halten und überwachen. Meinen Blutzucker messe ich mit dem Freestyle-Libre, einem kontinuierlichen Blutzuckermessgerät, welcher quasi als „großer Knopf“ an meinem Oberarm befestigt ist und ich mit einem separatem Gerät den Blutzucker minutiös testen kann, ohne Blut. Sicherheitshalber habe ich auch ein klassisches Blutzuckermessgerät dabei, mit Teststreifen und Stechhilfe. Ebenso habe ich das Glucagen HypoKit dabei. Meinen Tagesbedarf an Insulin werde ich anfangs auf mindestens 50% senken. Da ich keinen gewöhnlichen Alltag habe, muss ich meine Insulinzufuhr und die Berechnung je Broteinheit anpassen. Für den Tag und für die Nacht. Ich bin, denke ich, gut ausgestattet und werde mit dem Wissen über meinen Körper und der 34-jährigen Erfahrung mit dem Diabetes den richtigen Weg gehen. Eine unbedachte Situation fällt mir nicht ein. Ich spiele kein Risiko. Ich werde weder mich, noch mein Umfeld gefährden. Ich gehe meinen Weg!

Diabetes-Hilfsmittel.

Auch Insulin darf in meinem Rucksack nicht fehlen.

Meine Insulinpumpe mit den vielfältigen (und zum Glück leichten) Hilfsmitteln trage ich geschützt in einer robusten und wasserfesten Plastikdose mit mir. Ebenso wie das Insulin, welches in einer Rettungsdecke (kühlende Seite) in einer kleinen, robusten Plastikdose im Rucksack sein wird. Insulin darf eine gewisse Temperatur nicht überschreiten. Andererseits werden „im“ Rucksack z.B. nie 40° C entstehen. Vorbeugend also: Insulin in die Rettungsdecke (ca. 1m²) einwickeln, ebenso wie den Insulin-Pen, für die händische Insulinzufuhr. Um die notwendige Arznei abzurunden habe ich ebenso: Ein Erste-Hilfe-Set für Wanderungen, Blasenpflaster für die Füße, Schmerzgel, Ohrenstöpsel, Aspirin und Aspirin Complex dabei. Meine Hygieneartikel habe ich XS-Format gekauft, da ich alleine nicht die Massen an Zahnpasta und Co. verbrauchen werde. Mit einer Seife zum Duschen kann ich parallel bei Bedarf Wandersachen auswaschen und an der frischen Luft trocknen lassen. Dann sind sie am nächsten Tag wieder einsatzbereit oder getrocknet, zum Verstauen im Rucksack.

Diabetes-Hilfsmittel

Nicht nur Diabetes-Hilfsmittel, sondern auch Erste Hilfe Utensilien wie Blasenpflaster für die Füße, Schmerzgel und Ohrenstöpsel müssen mit auf die Reise.

Mit meinen Wandersachen bin ich auf unterschiedlichstes Wetter eingestellt (kurz, lang, warm, dünn). Ich habe ein paar Wanderschuhe, sie sind eingelaufen und erprobt, sowie Badelatschen dabei. Nahtfreie Socken sind für Diabetiker bei Wanderungen relevant. Ebenso hatte ich präventiv am Freitag noch einen Termin bei meiner Fußpflegerin und beim Frisör ;o)).

Das war soweit der Inhalt vom Rucksack. In meinem kleinen Schreibbüchlein habe ich alle „ZDF´s“ für Flüge, Hotels, Wanderwege, Routen, Fahrzeiten für Bus und Bahn (jeweils für den Hin- und Rückweg) dabei sowie Kontaktdaten für den Notfall und Adressen. Sonnenschutz (Hut und Creme), Nähzeug, Sicherheitsnadeln, Ladegerät, Powerbank, Sonnenbrille und Wanderstöcke sind auch dabei. Dass das alles ca. 6kg wiegen soll, kann man sich fast gar nicht vorstellen. Aber ja. So ist es! Mit einer Flasche Wasser und z.B. Obst bin ich annähernd bei 8kg, welches einem gesunden Gewicht (gemäß Literatur) zum Wandern entspricht. Eine Miniaturausgabe meines Portmonees beinhaltet das Notwendigste.

Morgen geht es los.

Der Portugiese Salvador Sobral hat mit seinem Lied „Amar pelos dois“ den Eurovision-Songcontest 2017 gewonnen und den Siegerpokal erstmals nach Portugal geholt. Letztes Jahr haben die Portugiesen die Europameisterschaft gewonnen. Kommendes Jahr wird der ESC in Lissabon ausgetragen. Da ist ganz schön was los in diesem kleinen Land. Das Land mit seiner Sehnsucht, seiner Melancholie, der ehrlichen und aufrichtigen Art. Der Gastfreundschaft. Der wärmenden Sonne. Den bezaubernden und typischen Städtchen, Wäldern, Landstrichen. Dem Meer. Diesen phantastischen Puddingtörtchen „Pasteis“, dem Fisch, dem Portwein, dem Bergkäse und vielem, vielem mehr.

Mehr von Daniel findet ihr hier:

Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (1) – Den Jakobsweg als Diabetiker? Klar – warum nicht.
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (2): Die Vorbereitungen sind in vollem Gange
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (4): Tag 1: Beginn in Porto, 24.05.2017

Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (5): Tag 2: Beginn Vila do Conde, 25.05.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (6): Tag 3: Barcelos / Beginn Ponte de Lima, 26.05.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (7): Tag 4: Beginn Rubiães, 27.05 2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (8): Tag 5: Beginn Valença, 28.05.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (9): Tag 6: Beginn Redondela, 29.05.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (10): Tag 7: Beginn Pontevedra, 30.05.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (11): Tag 8: Beginn Caldas de Reis, 31.05.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (12):Tag 9: Beginn Padrón, 01.06.2017, ca 06:30 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (13):Tag 10: Beginn Finesterre, 02.06.2017, ca. 07:30 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (14):Tag 11: Beginn Santiago de Compostela, 03.06.2017, ca. 07:00 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (15):Tag 12: Afife, 04.06.2017
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (16):Tag 13: Afife, 05.06.2017, 09:00 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (17):Tag 14: Afife, 06.06.2017, 09:00 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (18):Tag 15: Afife, 07.06.2017, 09:00 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (19):Tag 16: Porto, 08.06.2017, 03:00 Uhr
Daniel Schulze pilgert auf dem Jakobsweg (20):Tag 17: Augsburg (Ende / Fim)