Ich erinnere mich an 1997 zurück. Damals wurde bei mir Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Ich habe in einem Dorf gewohnt mit etwa 250 Einwohnern. Von denen hatte niemand Diabetes Typ 1. Auch zwei, drei, vier, fünf Dörfer weiter war mir zumindest niemand bekannt. Der nächste Diabetologe saß in Gifhorn, etwa 20 Minuten Autofahrt von meinem Heimatdorf entfernt. Von einer Diabetes-Community konnte ich nur träumen. Doch heute sieht alles ganz anders aus…

Diabetes-Community

Von einer Diabetes-Community konnte ich damals nur träumen. In einer Selbsthilfegruppe suchte ich den ersten Kontakt zu anderen Typ-1-Diabetikern.

Typ-1-Diabetiker, wo seid ihr?

Über diesen Diabetologen erfuhr ich etwa 2 Jahre nach meiner Diagnose von einer Selbsthilfegruppe, bestehend aus Typ1ern, die sich regelmäßig trafen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Das war für mich ein kleiner Lichtblick. Denn zwei Jahre lang hatte ich das Gefühl, ich sei die einzige, die Diabetes Typ 1 hat. Niemand um mich herum hatte überhaupt etwas von dieser Krankheit gehört. Ich suchte jemanden, mit dem ich mich austauschen konnte, der mich besser verstand. Klar, Typ-2-Diabetiker hatte ich viele kennengelernt, aber das ist etwas anderes. Na und meine Freunde konnten mit der Krankheit nicht viel anfangen und ich hielt sie weitestgehend auch raus. In der Pubertät redet man über so etwas nicht, will am liebsten selbst den Mist verdrängen.

Ich fragte mich jedoch, wo sich die Typ1er rumtreiben? Damals gab es schon weniger Menschen mit Diabetes. Davon 5 % Typ1er, 95 % Typ 2er, hieß es. Nur ich kannte niemanden mit Diabetes Typ 1. Wo sind die denn hin? Im Internet war man damals längst nicht so aktiv wie heute, wenn man überhaupt schon welches hatte ;).

Der erste Kontakt zu anderen Typ-1-Diabetikern

Nun gut, also nahm ich mich der besagten Selbsthilfegruppe an, die mir mein Diabetologe vorschlug. Die Typ1er (etwa 5 an der Zahl), die ich dort traf, waren einige Jahre jünger oder um einiges älter. Sie waren zwar nett und ich lernte auch ein bisschen von ihnen, aber ich fühlte mich nicht wirklich wohl in dieser Gruppe. Das hatte weniger mit einer Diabetes-Community zu tun, wie man sie heute kennt. Die Chemie stimmte nicht, man hatte zu unterschiedliche Interessen. Irgendwann brach dann der Kontakt wieder ab.

Der Weg in die Diabetes-Community

Es vergingen Jahre, bis ich endlich meinen Weg in die erste Diabetes-Community fand, wie ich sie mir vorstellte und jahrelang wünschte. Für mich fing alles 2006 während meines Studiums in Hannover auf StudiVZ an, einer Social-Media-Plattform der ersten Stunde. StudiVZ/MeinVZ ist heute längst in Vergessenheit geraten (geben tut es diese Plattform wohl aber noch). Dort suchte ich jedenfalls nach Typ-1-Diabetikern, nach einer Community, die sich austauscht. Fand ich dort allerdings nicht sofort (es waren anfangs noch nicht sehr viele dort angemeldet). Ich gründete eine eigene Gruppe, „Jaaa, ich esse Zucker und jaaaa, ich habe Diabetes“, nannte ich sie. In der ersten Zeit traten nur wenige Diabetiker dieser Gruppe bei.

Plötzlich wurden es immer mehr und mehr Mitglieder. Ich war überwältigt und kam allein mit dem Lesen der Beiträge nicht mehr hinterher, geschweige denn noch zum Moderieren.

Man tauschte sich über Themen aus, wie man es heute in zahlreichen Foren, auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken tut. Hast du etwa ein akutes Problem, bekommst du innerhalb von Minuten zahlreiche Lösungsvorschläge. Das funktionierte auch damals schon wunderbar. Es wurden Treffen organisiert und wenn man auf Reise war und seine Teststreifen oder sonstiges zu Hause vergessen hatte, war und ist auch heute noch sofort Hilfe im Anflug ;).

Die Diabetes-Community heute

2010 entschied ich mich mit dem Bloggen zu beginnen. Auch damit war ich hierzulande eher die Ausnahme, lediglich einen weiteren Blog gab es noch. Das wars. In den USA sah die Sache aber etwas anders aus. Heute gibt es auch in Deutschland unzählige Diabetes-Blogs, so dass man mit dem Lesen nicht mehr hinterherkommt. Im Netz findet man, was man sucht, doppelt und dreifach und manchmal hat man das Gefühl, dass man nur noch Typ1er um sich herum hat ;). Es ist verrückt, wie sich die Community entwickelt hat, wenn man bedenkt, dass ich 1997 keinen einzigen Typ-1-Diabetiker kannte und mich heute nicht mehr vor ihnen retten kann ;).

Aber nicht nur im Netz auch im Alltag treffe ich auf viele Typ1er. So erkennt man sich am Sensor, am Pumpenschlauch oder beim Blutzuckermessen. Die Freude ist jedes Mal groß und man kommt sofort ins Gespräch :). Ich bin sehr dankbar dafür und es ist schön, so viele Gleichgesinnte um sich zu haben, die nicht nur zuhören, sondern auch verstehen und aushelfen können.