Ist es wirklich sinnvoll, Ernährung, Sport, Diabetes, Gesundheit… zu tracken? Was bringt mir das und wie viel tracken ist eigentlich noch erträglich?

  • Vorm Lauftreff: „Moment, ich habe meine Laufuhr noch nicht gestartet.“
  • Im Supermarkt: „Warte, ich scanne noch mal die Sportriegel, dann weiß ich wie viele Kalorien die beinhalten, die tracke ich nämlich.“
  • „Ich muss erst noch das Essen abfotografieren. Da gibt es doch diese App, die mir dann die Kohlenhydrate daraus automatisch berechnet.“
  • Diabetiker unter sich: „Ich synchronisiere meine Blutzuckerdaten und den Insulinverbrauch aus meiner Insulinpumpe mit meiner App.“
  • Im Bett: „Gute Nacht… Ich starte jetzt meine Schlafanalyse-App.“
  • Im Büro: „Mist, jetzt habe ich heute tatsächlich nicht meine 10.000 Schritte geschafft und viel zu viel Kuchen gegessen“

Zugegeben es nervt ab und zu, dennoch finden sich wohl viele von uns in diesen Aussagen oder Situationen wieder.

Diabetes tracken

Diabetes Tracken oder nicht tracken, das ist hier die Frage. Was bringt mir das und wie viel tracken ist eigentlich noch erträglich?

Was sollte ich tracken und was nicht?

Ich habe mir vor geraumer Zeit Gedanken darüber gemacht, was mich wirklich weiterbringt, was ich im Alltag tracken sollte und was nicht. Damit habe ich dann alles auf das „Nötigste“, vielmehr „Sinnvollste“ für mich reduziert. Denn ich konnte feststellen, dass mir das tracken teils zwar weiter hilft, wichtige Referenzwerte liefert, teils aber auch zu viel wertvolle Zeit raubt, mich sogar stresst.

Eine Frage des Typs…

Ich denke, wenn man intrinsisch motiviert ist, gerne Sport macht, benötigt es keine App, die einen auffordert, jetzt auf der Stelle seinen Hintern zu bewegen, nach dem man gerade über 20 Kilometer laufen war. Als langjähriger Läufer und nach zahlreichen Marathons habe ich bereits ein gutes Gespür für die Streckenlänge und meine Leistung. Letztendlich ist es kaum mehr als eine Befriedigung meiner Sammelsucht, wenn ich meine Läufe aufzeichne. Insbesondere dann, wenn ich kein bestimmtes Ziel damit verfolge.

Hat man jedoch kein Gespür für Streckenlänge, Geschwindigkeit, möchte den ersten (Halb-)Marathon schaffen oder seine Zeit verbessern und ist eher der extrinsisch motivierte Typ, dann dann kann es durchaus sinnvoll sein, die Läufe zu tracken.

Aber auch wenn ich abspecken möchte, kein Gespür dafür habe, ob ich wieder zu viel genascht habe und wie viele Kalorien in meiner Lieblingssalatsoße stecken, kann es weiterhelfen, sein Essen täglich zu „überwachen“.

Diabetes tracken?

In Sachen Blutzuckermanagement nutze ich bis dato keine App. Mir reicht es, wenn ich meine gespeicherten Daten in der Insulinpumpe mit meinen gemessen Blutzuckerwerten/Glukosewerten vergleiche. Dazu lege ich beide Systeme, etwa CGMS und Insulinpumpe nebeneinander und vergleiche, um zu schauen, wo Änderungen der Basalrate/Therapieanpassungen nötig sind. Mir persönlich wäre es zu aufwändig alle Daten erst noch in eine App zu übertragen.

Sinnvoll finde ich solche Apps aber dennoch! Insbesondere für Diabetiker, die einen Pen nutzen, alles übersichtlich über Jahre hinweg speichern oder/und sich durch die Apps/das Tracking Motivaton und Tipps einholen möchten. Oft kann man damit auch viele Therapiefehler aufdecken und Anpassungen vornehmen.

Fazit

Fassen wir zusammen. Diabetes Tracken kann sinnvoll sein, motivieren, erinnern, Referenzwerte und einen Überblick bieten. Tracken kann aber auch stressen, andere nerven und Zeit rauben. Wie sinnvoll das Tracken ist, ist Typ- und Ziel abhängig. Anhand deiner individuellen Ziele, die du verfolgst, solltest du entscheiden, welche Bereiche in deinem Leben sinnvoll zu tracken sind.