Dass Diabetes die Psyche belastet, steht wohl außer Frage. Hypo-Launen oder depressive Verstimmungen und Niedergeschlagenheit bei zu hohen Blutzuckerwerten sind den meisten Diabetikern bekannt. Auch Blutzuckerachterbahnfahrten setzen Diabetikern zu. Aus Blutzuckerlaunen heraus, können Grübeleien entstehen, Ängste hervorgehen oder gar starke Depressionen entstehen, wenn man sich nicht wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt…

Diabetes und Psyche

Diabetes und Psyche: Hypo-Launen oder depressive Verstimmungen bei zu hohen Blutzuckerwerten sind den meisten Diabetikern bekannt.

Wenn die Psyche ihre eigene Party feiert

Es ist einer dieser verdammten Tage, ihr kennt sie sicher auch, oder?
Da stehst du mit der falschen Seite deines Diabetes auf. Nach dem Aufwachen misst du einen Blutzuckerwert von über 200 mg/dl oder einen viel zu niedrigen Wert. Ein toller Tag in den Start… NICHT. Generell läuft den ganzen Tag alles schief und dann dauert es nicht mehr lange, bis die Grübeleien beginnen…

  • „Was habe ich heute anders gemacht“,
  • „Wie kommt es, dass der Blutzucker heute einen gänzlich anderen Weg geht, als die Tage zuvor?
  • „Reicht es nicht, wenn ich mich mit dem Diabetes auseinander setzen muss?“,
  • „Warum muss das Problem jetzt auch noch auftreten, der Diabetes reicht mir gerade hin“.

Hat man neben dem Diabetes weitere gesundheitliche Probleme, beispielsweise Zahnschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Sportverletzungen, können viele Ängste hinzu kommen, etwa ob es sich dabei um eine Folgeerkrankung des Diabetes handle. Und man fällt in ein tiefes schwarzes Loch. Aus dem es nicht immer einfach ist, wieder herauszufinden. Man gibt sich selbst die Schuld für gesundheitliche Probleme und denkt sich, dass sich die ganze Welt gegen einen verschworen hat. Fragt sich, was man denn „verbrochen“ habe, dass man alles Leid der Welt an sich zieht? Wie soll man sich da motivieren? Geschweige denn es schaffen, die Blutzuckerwerte wieder in den Griff zu bekommen? Irgendwie schafft man es aber dann doch.

Wie finde ich aus diesem schwarzen Loch wieder raus?

Mir persönlich hilft es in solchen Momenten einzugestehen, dass ich gerade maßlos übertreibe. Natürlich ziehe ich nicht alles Leid der Welt an, es ist ja scheinbar immer noch genug für andere übrig ;). Ich versuche möglichst schnell auf den Boden der Tatsachen zurückzubeamen. Das Jammern bringt einen ja doch nicht weiter. Als erstes nehme ich dann die Blutzuckerwerte in Angriff. Die Gesundheit hat Prio 1 und so lange meine Blutzuckerwerte nicht in Ordnung sind, ist auch meine Gefühlswelt nicht in Ordnung.

Sobald ich die Werte wieder unter Kontrolle habe, denke ich meistens schon wieder um. Ich freue mich über einen super Blutzuckerwert und bin sogar ein klein bisschen stolz darauf und möchte dieses Gefühl so lange wie möglich auch bewahren. Das motiviert. Dadurch rücken auch viele andere Probleme in den Hintergrund. So kann ich mich wieder auf andere Dinge konzentrierten, Dinge tun, die mir Spaß machen.

An dieser Stelle muss ich persönlich aufpassen, nicht zu euphorisch zu werden, denn das könnte mich schnell wieder in ein tiefes Loch fallen lassen. Falls ihr wie ich ebenfalls Extremisten seid, nehmt euch diesen Rat zu Herzen. Versucht euch auf den Mittelweg einzupendeln. Zu viel Euphorie mag gut tun, aber es kann auch schnell wieder ins Gegenteil umschwenken und das belastet die Psyche.

Selbstanalyse

Ich persönlich kenne mich sehr gut und ihr euch vermutlich auch. Das hat den Vorteil, dass man eigentlich auch selbst weiß, wie man sich aus solchen Situationen wieder heraus manövriert. Falls nicht, versucht mal euch in euer Über-Ich zu versetzen, euch selbst zu beobachten. Ich finde, dass es sehr hilfreich ist, um sich selbst auf den richtigen Weg zu führen.