So funktioniert die „GoCARB-App“, die automatisch den Kohlenhydrat-Gehalt einer Mahlzeit berechnen kann. Foto: Stavroula Mougiakakou, ARTORG Center, Universität Bern.

So funktioniert die „GoCARB-App“, die automatisch den Kohlenhydrat-Gehalt einer Mahlzeit berechnen kann. Foto: Stavroula Mougiakakou, ARTORG Center, Universität Bern.

Das ist vielleicht eine Super-Sache: Mitarbeiter des ARTORG-Instituts der Universität Bern haben in enger Zusammenarbeit mit dem Inselspital eine App für Smartphones entwickelt, die automatisch den Kohlenhydrat-Gehalt einer Mahlzeit berechnen kann. Das Programm, das den Namen „GoCARB“ trägt, ermöglicht es Diabetikern, ihre Mahlzeiten besser zu planen und ihren Blutzucker einfacher zu kontrollieren.

Die mobile Applikation erkennt die Nahrungsmittel auf einem Teller anhand von Fotos einer Smartphone-Kamera und schätzt deren Kohlenhydratgehalt ab. Daraus errechnet die App wiederum automatisch den Insulinbedarf, der für die jeweilige Mahlzeit benötigt wird.

Hinter „GoCARB“ verbirgt sich ein vierjähriges internationales Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr.-Ing. Stavroula Mougiakakou vom ARTORG Center for Biomedical Engineering Research der Universität Bern und Prof. Dr. med. Peter Diem von der Universitätspoliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit Roche Diagnostics entwickelt und wird von der Europäischen Kommission im 7. Forschungs-Rahmenprogramm finanziert.

„Wir wollen die personalisierte Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus verbessern“, erklärt Stavroula Mougiakakou. „Es gibt zwar bereits Apps, die den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit einschätzen helfen. Aber dort müssen die Nahrungsmittel manuell erfasst werden oder die Programme bieten keine Berechnung des Essensinulins an.“

Und so funktioniert das Ganze: Der Benutzer muss lediglich ein Referenzobjekt neben die Mahlzeit legen und mit einer Smartphone-Kamera zwei Bilder aufnehmen. Die Lebensmittel werden nun vom Programm segmentiert und erkannt, während ihre Form in 3D rekonstruiert wird. Basierend auf dem 3D-Modell, den Resultaten der Segmentierung und dem Referenzobjekt, wird das Volumen der einzelnen Lebensmittel abgeschätzt. Tests an echten Mahlzeiten ergaben, dass das System sich dabei durchschnittlich um nur ± sechs bis sieben Gramm irrt.

„Wir kommen mit diesem Prototyp dem Bedürfnis von Diabetikerinnen und Diabetikern nach einer effektiveren, automatisierten und präzisen Ermittlung von Kohlenhydraten in Lebensmitteln nach – dies soll ihnen eine bessere Diabetes-Kontrolle erlauben und indirekt eine erhöhte Lebensqualität bringen“, betont Dr.-Ing. Stavroula Mougiakakou abschließend.

 

Mehr Informationen bietet das Info-Video von GoCARB (in englischer Sprache):