„Erkläre mir mal… Diabetes Typ 1“ Okay, dann lass‘ uns erst mal setzen. Soll ich einen Kaffee kochen? Diabetes Typ 1 jemandem auf die Schnelle zu erklären, funktioniert einfach nicht. Dennoch kommt es im Alltag oft vor, dass ich es zumindest versuche. Daraus entstehen dann allerdings auch die wildesten Gerüchte, die mir nicht immer schmecken. Kürzlich meinte jemand zu mir: „Ich habe verstanden, du hast den Diabetes-Typ, von dem man erst hinterher zunimmt, wenn man ihn schon hat. Also den mit Insulinpumpe… Meine Freundin hat den Typ 1 nämlich auch“ OH NO!!!

Tja, da haben ihre Freundin und ich mich wohl nicht verständlich ausgedrückt oder sie hat es falsch verstanden.Diabetesmanagement wie Fahrradfahen

Diabetes Typ 1

Bei Diabetes Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nicht genügend bzw. gar kein eigenes Insulin, das als Hormon für den Stoffwechsel von enormer Bedeutung ist. Fehlt dieses Hormon, muss Insulin von außen zugeführt werden.

Womit will man aber anfangen, jemandem Diabetes Typ 1 zu erklären?

Nun kommt es natürlich oft auf die Fragen drauf an, womit man am besten anfängt zu erklären. Meistens werde ich als erstes auf meinen Sensor oder auf die Insulinpumpe angesprochen und damit beginne ich dann. Macht die Sache aber nicht einfacher ;).

Beginne ich mit meinen Erklärungen bei der Entstehung der Krankheit, bei der defekten Bauchspeicheldrüse, vielmehr bei den Beta-Zellen und den Langerhans-Inseln? Bei den zahlreichen verschieden Diabetes-Typen? Beim Blutzucker messen oder direkt beim Sensor und CGM-/FGM-Systemen, die den Glukoswert messen? Warum der Glukosewert ein anderer ist als der Blutzuckerwert? Wie man bei dem gemessenen Werten zu handeln hat? Beim täglichem Insulin, dass man weder schlucken noch inhalieren kann, sondern eben spritzen/pumpen muss und das in unterschiedlichen berechneten Dosen Tag-täglich? Wie man diese berechnet?

Was Pens und Insulinpumpen sind, wie sie funktionieren und warum ausgerechnet die Insulinpumpe die bessere Therapie für Diabetiker sein kann? Oder gar wie sie funktioniert? Was für verschiedene Modelle es gibt? Vielleicht noch in Kombination mit einem CGMS oder gar Smart Guard? Warum das alles aber noch nicht automatisch funktioniert, von alleine läuft?

Oder damit, dass man sowohl Zucker essen darf, man diesen aber berechnen muss. Wie man sich anhand der Kohlenhydrat-Angaben seinen Insulinbedarf berechnet? Warum man nicht einfach aufspringen und sofort Sport machen kann, sondern diesen planen muss?

Wie man sich fühlt, wenn man zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte hat und welche Komplikationen das mit sich bringen kann. Nicht zu vergessen, was man dagegen tun kann. Warum auch Sport den Blutzucker erhöhen kann. Im Prinzip alles Einfluss auf den Blutzucker nimmt. Wie man damit umgeht? Welche Folgen es mit sich bringen kann, wenn man sich nicht täglich um seine Blutzuckerwerte bemüht?

Oder oder oder…

Wie erkläre ich Diabetes Typ 1?

Meistens fasse ich mich kurz, weil die meisten sich keinen Tag Zeit nehmen möchten, um sich die Diabetes Typ 1-Basics anzueignen. Warum auch, wenn sie keinen Bezug dazu haben? Ich setze mich auch wenig mit anderen Krankheiten auseinander, es sei denn sie treten im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis auf.

Auf die Schnelle erkläre ich Diabetes meistens wie folgt: Meine Bauchspeicheldrüse produziert autoimmun bedingt kein Insulin mehr. Also muss ich es mir von außen zuführen, da sonst meine Blutzuckerwerte zu hoch ansteigen würden, was fatale Folgen mit sich bringen kann. Das Insulin wird über einen Katheter meiner Insulinpumpe kontinuierlich subkutan verabreicht. Um mir häufiges Blutzuckermessen im Alltag zu sparen, trage ich ein kontinuierliches Messsystem, das 24 Stunden meine Werte misst. So habe ich die Werte immer im Blick und kann entsprechend dieser Werte handeln, um sie im Zielbereich zu halten.“

Viele interessiert in erster Linie das „Warum ich Diabetes habe“, tja und das kann ich selbst nicht einmal vernünftig beantworten ;).