Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Diabetes. Zum einen tritt Typ-1-Diabetes häufig in jungen Jahren infolge einer Autoimmunerkrankung auf. Zum anderen entwickeln viele Kindergarten- und Schulkinder aufgrund von Gewichtsproblemen und Bewegungsmangel einen Typ-2-Diabetes.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hält in puncto Stoffwechselerkrankung eine frühe Prävention in Kindergärten und Schulen für notwendig. © Dieter Schütz / pixelio.de

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hält in puncto Stoffwechselerkrankung eine frühe Prävention in Kindergärten und Schulen für notwendig. ©Dieter Schütz / PIXELIO

Vor diesem „Trend“ warnt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die sich hierbei auf aktuelle Daten aus den USA beruft. Dort ist die Zahl von jungen Menschen, die mit Diabetes mellitus Typ 2 zu kämpfen haben, laut einer neuen Studie innerhalb von nur acht Jahren um 31 Prozent gestiegen. „Um eine solche Entwicklung in Deutschland zu verhindern, brauchen wir mehr frühe Prävention schon in Kindergarten und Schule“, erklärt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG.

Professor Dr. med. Thomas Danne, Kinderdiabetologe und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe, ergänzt: „Bewegungsmangel und Fehlernährung führen dazu, dass immer mehr Kinder fettleibig sind – und damit Gefahr laufen, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.“ Zwar sei dies in Deutschland derzeit nur selten der Fall, die Zahl der kindlichen Neuerkrankungen liege bei etwa 200 pro Jahr. „Diese könnten jedoch drastisch steigen, wenn sich die Trends in Deutschland in die gleiche Richtung entwickeln wie in den USA“, betont Danne. Hinweise darauf gebe es bereits – der Anteil der fettleibigen Kinder hätte sich hierzulande von 1985 bis 2009 verdoppelt.

Nach Ansicht der DDG-Experten sei eine frühe Prävention bereits in Kindergarten und Schule notwendig. „Wichtig wären jeden Tag eine Stunde Sport und kostenlose Wasserspender, um den Konsum zuckerhaltiger Softdrinks zu verringern“, empfiehlt DDG-Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs. „Zugleich sollten wir – wie andere Länder auch – eine Zucker-Fett-Steuer auf ungesunde Lebensmittel einführen und andere Nahrungsmittel steuerlich entlasten, um eine gesunde Ernährung für die gesamte Bevölkerung zu erleichtern.“

Auch beim Typ-1-Diabetes verzeichnet die US-Studie bei Kindern und Jugendlichen eine deutliche Zunahme um 21 Prozent. „Einen Anstieg beim kindlichen Typ-1-Diabetes bemerken wir seit längerem auch in Deutschland“, erläutert Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Diabetologe an der Universität Tübingen. „Es wird erwartet, dass die Krankheitshäufigkeit von Typ-1-Diabetes bei Kindern unter 15 Jahren bis 2020 um 70 Prozent steigen wird.“