Nierenkrankheiten verkörpern bei Diabetikern nach Amputationen die zweithäufigste Komplikation. In Deutschland stellen sie die größte Gruppe der Patienten dar, die an die Dialyse müssen oder sogar eine neue Niere benötigen. Gegenwärtig sind etwa 20.000 Diabetiker davon betroffen. Denn: Noch immer werden Nierenerkrankungen bei ihnen zu spät diagnostiziert und in ihrer Bedeutung unterschätzt. Darauf macht diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe aufmerksam und gibt Tipps zur Vorbeugung und Früherkennungsuntersuchung.

Früherkennungsuntersuchung

Eure Nieren werden es Euch danken: DiabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe empfiehlt allen „Zuckersüßen“, regelmäßig Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen, auf eine gute Stoffwechseleinstellung und Ernährung zu achten sowie mit dem Rauchen aufzuhören. © sector_2010/Fotolia


Die Nieren filtern das Blut und produzieren Urin, mit dem sie Abfallprodukte aus dem Körper transportieren. Ohne funktionstüchtige Nieren sammeln sich diese Abfallprodukte im Blut an und verursachen eine Vergiftung. „Bei einer diabetischen Nephropathie kommt es durch hohen Zuckergehalt im Blut und hohen Blutdruck zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße in den Nieren“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Haak, Vorstandsmitglied von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt des Diabetes Zentrum Mergentheim. Die Leistung der Niere sinke, Blutdruck und Blutfette steigen an. Da Nierenerkrankungen lange Zeit unbemerkt verlaufen, würden Diabetiker häufig nicht regelmäßig den Weg zur Früherkennungsuntersuchung antreten.

„Die ersten Schäden zeigen sich darin, dass die Nieren nicht mehr präzise filtern und Eiweiß über den Urin verloren geht“, erklärt Professor Haak. Bereits viele Jahre, bevor schwere Schäden sichtbar werden, weisen geringe Mengen von Albumin, einem Eiweiß im Urin, darauf hin. Der Diabetologe rät: „Um dies frühzeitig zu erkennen, sollten Menschen mit Diabetes mindestens einmal im Jahr ihren Urin auf seinen Albumingehalt hin untersuchen lassen.“

Allerdings treten in den letzten Jahren bei Diabetikern verstärkt Verlaufsformen der Nephropathie auf, die primär keine sogenannte Albuminurie aufweisen, sondern nur durch eine eingeschränkte Nierenfunktion charakterisiert sind. Ursache ist oft ein unerkannter erhöhter Blutdruck. Deshalb sollte neben einem jährlichen Albumin-Screening auch eine Berechnung der „glomerulären Filtrationsrate“ (GFR) erfolgen, um eine Beeinträchtigung der Nieren zu erkennen. Auch sollte der Blutdruck regelmäßig selbst gemessen werden und bei Verdacht auf einen Bluthochdruck eine 24-Stunden-Messung erfolgen.

Nierenerkrankungen gehören bei Diabetikern zu den häufigen Komplikationen. Etwa 40 bis 50 Prozent von ihnen entwickeln bei schlechter Einstellung im Verlauf ihrer Stoffwechselerkrankung eine diabetische Nephropathie. Die meisten der Betroffenen leiden unter Typ-2-Diabetes. Durch die Nephropathie steigt auch ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Treten Nierenschäden auf, muss ein darauf spezialisierter Facharzt, der Nephrologe, frühzeitig in die Behandlung eingebunden werden: Dies verzögert den Verlauf der Nierenerkrankung bis zur Dialyse und verringert die Sterblichkeit.

Um Schädigungen der Nieren vorzubeugen, sollten alle „Zuckersüßen“ ihre Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte senken. Nach aktuellen Leitlinien legen behandelnde Ärzte das Blutdruckziel individuell fest, als allgemeiner Richtwert gilt jedoch 130/80 mmHg. Außerdem sollten Diabetiker bei ihrer Ernährung darauf achten, die von ihrem Arzt empfohlene Kochsalzzufuhr nicht zu überschreiten. Ein oft unterschätzter Faktor: Auch Rauchen fördert die Entstehung und das Fortschreiten von Nierenerkrankungen.