Darmflora und Diabetes-Risiko

Darmflora und Diabetes-Risiko

Er ist unser größtes Körperorgan: immerhin wartet der Darm mit einer Länge von bis zu acht Metern auf und misst eine Oberfläche von circa 400 bis 500 Quadratmetern. Leider wurde das Körperorgan, das uns vor dem Einfluss von Bakterien, Viren, Pilzen, Parasiten und Toxinen schützt, lange Zeit von uns unterschätzt. Doch diese Zeiten zählen zur Vergangenheit. Einen großen Anteil daran trägt die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders, die mit ihrem informativen und zugleich unterhaltsamen Buch „Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ“ einen Bestseller landete. Wie formuliert es die Autorin in ihrer Liebeserklärung an das Körperorgan so schön?! „Unser Darm ist ein fabelhaftes Wesen voller Sensibilität, Verantwortung und Leistungsbereitschaft…“

Auch in puncto Diabetes spielt der Darm eine gewichtige Rolle. In den vergangenen drei Jahren fanden Wissenschaftler heraus, dass das Risiko, vom Typ-2-Diabetes heimgesucht zu werden, sich erheblich verringern kann, wenn die Darmflora harmonisch ist. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass eine Unausgeglichenheit der Darmflora Mitursache oder auch Auslöser für den sogenannten „Alterszucker“ sei. Auch die Entstehung von Übergewicht hänge mit der Beschaffenheit des „komplexen Ökosystems“ zusammen.

Fakt ist, dass sowohl adipöse Menschen als auch Typ-2-Diabetiker Veränderungen in ihrer Darmflora aufweisen. Demnach sind bestimmte Darmbakterien an der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes entscheidend mitbeteiligt. Bei denjenigen, die unter Übergewicht und Typ-2-Diabetes leiden, sei es schwierig, eine gesunde Darmflora wiederherzustellen, ließen noch vor wenigen Jahren ärztliche Fachkreise verlauten.

Mittlerweile werden jedoch unter den Medizinern die Stimmen immer lauter, dass die Einnahme von Pro- und Präbiotika im Zusammenspiel mit einer gesunden Ernährung und körperlicher Aktivität auch die Zusammensetzung der Darmbakterien von Typ-2-Diabetikern positiv beeinflussen könnte. Während Probiotika (Zubereitungen aus lebenden Mikroorganismen, wie etwa Milchsäurebakterien und Hefen) anscheinend die Darmgesundheit fördern, sollen Präbiotika (bestimmte Kohlenhydrate) das Wachstum von nützlichen Darmbakterien anregen.

Diejenigen „Zuckersüßen“, die kein Fan von Nahrungsergänzungsmitteln sind, können versuchen, ihre Darmflora auch mit „natürlichen“ Lebensmitteln in Einklang zu bringen. So gelten zum Beispiel Bananen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkorngetreideprodukte als wichtige Ballaststofflieferanten. Dem gegenüber entpuppen sich Artischocken, Lauch, Zwiebeln, Chicorée und Schwarzwurzeln als optimale Präbiotika-Quellen. Dieses Portfolio bringt unsere Darmflora wieder zum Lachen. Experten raten allerdings dazu, die Ernährung peu à peu umzustellen, da ansonsten unsere Verdauung überfordert wäre.

Weitere Infos zum Thema liefert Euch unser Beitrag Einblicke in die Welt der Diabetesforschung: Beeinflussen Darmbakterien den Autoimmunprozess?.