Kinder mit Typ-1-Diabetes

Mit etwa 30.500 Betroffenen ist Typ-1-Diabetes die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. © S.Kobold/Fotolia

Leider Fakt: Mit etwa 30.500 Betroffenen ist Typ-1-Diabetes die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Jährlich kommen über 3.000 Neuerkrankungen hinzu. Da Diabetes mellitus Typ 1 bereits bei Kleinkindern ausbrechen kann, konzentrieren sich neueste Forschungen auf die Prävention und Früherkennung der Autoimmunerkrankung, bei der das Abwehrsystem die Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, die das lebenswichtige Hormon Insulin produzieren.

„Dieser Prozess beginnt überwiegend im Alter von einem bis fünf Jahren. Meist kommt die Krankheit erst zum Vorschein, wenn die Kinder mit einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden“, erläutert Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrum München. Daher und weil 80 bis 90 Prozent der Patienten keinen weiteren Diabetesfall in der Familie haben, sei es umso wichtiger, eine frühzeitige Diagnose und Prävention zu fördern. Mehrere Forschungsprojekte beschreiten derzeit diesen Weg. So bietet das Pilotprojekt Fr1da jedem Kind in Bayern zwischen zwei und fünf Jahren eine Blutanalyse an. „Monate bis Jahre vor Ausbruch kündigt sich die Autoimmunerkrankung durch nachweisbare Autoantikörper an“, betont Professor Ziegler. „So konnte bislang schon bei 102 Kindern ein Typ-1-Diabetes im Frühstadium entdeckt werden, bevor es zu einer Stoffwechselentgleisung kam.“

Die europäische Initiative GPPAD (Global Platform for the Prevention of Autoimmune Diabetes) legt ihren Fokus auf Neugeborene. Innerhalb des regulären Neugeborenen-Screenings will sie zukünftig auch das genetische Risiko für Typ-1-Diabetes untersuchen – Babys mit einem erhöhten Risiko erhalten Nachsorge. Auch die Arbeitsgruppe um Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler setzt ihr Augenmerk auf die Altersgruppe: „In diesem Lebensabschnitt entstehen die Grundlagen, die zu einer Autoimmunerkrankung führen, und das Immunsystem ist noch besonders beeinflussbar“, berichtet die Expertin. Eine orale Insulin-Impfung soll in der Pre-POINTearly Studie das Immunsystem der Kinder an das körpereigene Hormon gewöhnen. Ziel der Studie ist es deshalb, dass das kindliche Immunsystem das blutzuckersenkende Insulin nicht als Fremdkörper wahrnimmt und so ein Ausbruch der Erkrankung möglicherweise verhindert wird.