Ich bin noch von der alten Schule und rechne bzw. schätze Kohlenhydrate noch in Broteinheiten (oder auch Berechnungseinheit genannt). Auch wenn die BE u. a. auf Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) 2010 aus allen gesetzlichen Regelungen entfernt wurde.

Kohlenhydrate berechnen

Kohlenhydrate berechnen: Rechnest du noch oder schätzt du schon?

Die Kohlenhydrate messen oder schätzen?

Wenn das Essen auf dem Tisch steht, schätze ich, wie viele Kohlenhydrate, umgerechnet in BEs, darin enthalten sind. Dann wird die entsprechende Insulindosis dafür gespritzt. Auch Proteine, Fette und sogar das Gemüse mit hohem Wassergehalt (wie etwa Gurke) rechne ich in BE um und spritze dafür (verzögert). Das mag für andere Diabetiker völlig überzogen klingen, die bei sich nur unbedeutende Blutzuckererhöhungen durch den Verzehr dieser Lebensmittel feststellen können. Für mich hat es sich jedoch bewährt. Das sollte jeder Diabetiker aber für sich selbst austesten.

Bis zu einem Jahr nach meiner Diabetes-Diagnose vor gut 20 Jahren, habe ich das Essen noch ausgewogen. Mittlerweile verlasse ich mich auf mein Gespür. Man kennt die meistens Lebensmittel und deren Auswirkungen. Selten muss man noch mal im Netz oder über Apps nachprüfen, wie viele BEs oder (moderner) KEs (Kohlenhydrateinheiten) da drin stecken. Wiegen brauche ich auch nicht mehr. Mengen schätzen kann ich ;).

Kohlenhydrate in BE oder KE/KHE umrechnen?

Welche Einheit man nun als „Schätzmittel“ einsetzt, ob BE oder KE (auch KHE) gleichgültig, wenn man weiß, um wie viel mg/dl der Blutzucker bei Verzehr einer BE/KE ansteigt. So kann mit entsprechender Insulindosis das Essen abgedeckt werden. Auch ob man eine BE/KE aus 12 Gramm Kohlenhydrate oder „modern“ aus 10 Gramm Kohlenhydrate berechnet, bleibt jedem selbst überlassen. Wichtig ist, dass man aber im Kopf behält, um wie viel sich der Blutzucker durch die gegessene Menge erhöht und wie viel Insulin dafür nötig ist, damit der Blutzucker im Zielbereich bleibt. Die Bolus-Menge für das Essen variiert auch zu den jeweiligen Tageszeiten. In der Regel hat man morgens einen höheren Insulin-Faktor, der für eine BE nötig ist, als abends. Mittags ist der Insulinbedarf am niedrigsten.

Intuitiv die Kohlenhydrate gut berechnet ;)?!

Manchmal ist es besser sich auf sein Gespür zu verlassen, auf seine Erfahrungen/Routine, als etwa auf die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen. Hier wird teils großzügig gerundet. Auch ist mir aufgefallen, dass auf Verpackungen unterschiedliche, vielmehr falsche Angaben zu finden sind. Das kann schon beträchtliche Auswirkungen haben.

Schwierig wird es auch dann, wenn Diabetiker nicht weiß, was im Essen enthalten ist, etwa wenn du im Restaurant, auf Feiern, im Urlaub, am Buffet isst. So kann dem Joghurt-Dressing für den Salat ordentlich Zucker beigesetzt sein. Hier sollte man keine Hemmungen haben, beim Koch noch einmal nachzuhaken.

Fazit?!

Neu diagnostizierte Diabetes-Patienten sollten erst einmal zur Feinwaage greifen, um ein Gespür für die KH-Mengen zu bekommen. Orientierungshilfe über die Kohlenhydrat-Angaben in verschiedenen Lebensmitteln bieten zahlreiche Apps, Internetseiten oder Bücher. Die Auswahl ist riesig und Meinungen darüber sehr unterschiedlich. Am besten ist es wohl sich selbst eine Meinung zu bilden, die Genauigkeit mehrerer Tabellen miteinander zu vergleichen und auszutesten. Schon bald wird man ein gutes Gespür dafür entwickeln.

Apps wie der GoCarb-App, die beispielsweise anhand eines Fotos deines Mittagessen erkennen soll, wie viel BE in selbigem enthalten sind, stehe ich persönlich noch sehr kritisch gegenüber. Denn woher soll die App wissen, was wirklich in deinem Essen steckt, wenn du es teilweise selbst nicht einmal weißt ;).