Bei Recherchen für eines meiner bevorstehenden Projekte helfen mir zwei Gegenstände besonders gut: mein Handy und meine Kamera. Das Handy benötige ich, um mögliche Quellen anzurufen und mit Leuten in Verbindung zu treten, die mir tiefe Einblicke in die unterschiedlichsten Aspekte eines Themas verschaffen können. Die Kamera unterstütz mich beim „visual storytelling“, also dem Erzählen einer Geschichte oder eines Artikels per visuellem Medium, egal ob Foto oder Video.

Candlestick Park

Candlestick Park: Eines der wenigen Überbleibsel von einem Stadion, dass nur 55 Jahre bestand und in weniger als acht Monaten dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Derzeit arbeite ich an einem Beitrag über ein ehemaliges Baseball- und Football-Stadion, genannt „Candlestick Park“ (zu deutsch: Kerzenständer Park). Den Namen hat das Stadion von seinen eigenwilligen Flutlichtmasten, die bis 2014 an der San Francisco Bay wie Kerzenständer den dunklen Nachthimmel erleuchteten. Dann begann der Abriss des Spielortes, der erst 55 Jahre zuvor fertiggestellt wurde. Heute ist fast nichts mehr übrig von dem Klotz aus Stahl und Beton. Lediglich die Überreste der „candlesticks“ und ein paar alte Rohrleitungen liegen noch auf dem Grundstück herum. Der Rest wurde abgetragen, recycelt, verkauft oder von treuen Fans als Andenken mit nach Hause genommen.

Candlestick Park war seit seiner Eröffnung 1960 die Heimat der San Francisco Giants, einem Baseballteam aus der amerikanischen Profiliga. Später kamen die Footballer der San Francisco 49ers dazu, die bis Ende 2013 ihre Heimspiele in dem Stadion austrugen. Es ist im Übrigen nichts ungewöhnliches, dass Baseball- und Footballteams ein Stadion teilen. Im benachbarten Oakland beispielsweise spielen sowohl die Oakland A’s, das Baseballteam der Stadt, als auch die Oakland Raiders, das Footballteam.

Das frühere Gelände ist inzwischen von einem zwei Meter hohen, rostigen Drahtzaun umgeben. Ein einsamer Wachmann hütet das einzige offene Tor zur Großbaustelle, auf der innerhalb der nächsten 20 Jahre ein kompletter neuer Stadtteil entstehen soll. Dort wo einst bis zu 70.000 Sportfans Spiele verfolgten stampft nun ein internationaler Investor Wohnungen für über 12.000 Anwohner, diverse Hotels, ein großes Shoppingcenter, Kinos und eine neue Veranstaltungshalle aus dem Boden. „San Francisco Shipyard“ nennt sich das Ganze dann (zu deutsch: Schiffswerft) und ist mit geschätzten Baukosten in Höhe von mehr als acht Milliarden US-Dollar ein stolzes Projekt. Eines, dessen Baufortschritt ich zumindest bis zu meinem Studienende im Juni mit meiner Kamera dokumentieren werde. Vielleicht rufe ich sogar den ein oder anderen ehemaligen Spieler an und frage, ob er plant, irgendwann in eine der teuren Prunkwohnung direkt am Wasser einzuziehen. Was gibt es besseres, als dort zu leben, wo einst Homeruns und Touchdowns bejubelt wurden?

Bis bald,
Euer Felix!

 

Mehr von Felix findet Ihr hier:

Serienstart: Ab sofort plaudert Felix Petermann, Diabetiker und Leistungssportler, aus dem Nähkästchen
SERIE (2): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Diagnose Diabetes – Was nun?
SERIE (3): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Vom „Penner“ zum „Pumper“ – Umstieg auf die Insulinpumpe
SERIE (4): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Diabetes-Jugend-Camp in Bad Mergentheim
SERIE (5): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Diabetes und Fliegen
SERIE (6): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Jetzt seid Ihr gefragt?
SERIE (7): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Es geht wieder los – Stanford ruft
SERIE (8): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Rückblick auf einen Nachmittag voll „Sport mit Diabetes“
SERIE (9): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Umfrage-Ergebnis zum „Sporttreiben“
SERIE (10): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Vom „Penner“ zum „Pumper“ – Zeit für ein erstes Zwischenfazit
SERIE (11): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Studium an einer amerikanischen Elite-Uni – Nichts für schwache Nerven
SERIE (12): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Vom “Penner” zum “Pumper” – Wenn’s mal nicht läuft, leidet das Vertrauen
SERIE (13): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Blutzuckerüberwachung 2.0 – CGM und „Nightscout“
SERIE (14): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Das “Wir” gewinnt – Diabetesmanagement ist Mannschaftssport
SERIE (15): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Polarisierend – Die Präsidentschaftswahlen in Amerika
SERIE (16): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Friendsgiving – Das etwas andere „Thanksgiving“
SERIE (17): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Derby-Time in Kalifornien – Der Kampf um die „Axt“
SERIE (18): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Noch immer ein „Tabu-Thema“ – Diskriminierung gegen Menschen mit Diabetes
SERIE (19): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Die Heimat ruft – Zu Hause ist es doch am schönsten
SERIE (20): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Stanford-Update – Die Lehren des Ersten Quartals
SERIE (21): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Die guten Vorsätze für 2017 – „Bolusrechner“ und „Unterzuckerungshelfer“
SERIE (22): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Von Light-Getränken bis Wasser – Hauptsache ohne Zucker?!
SERIE (23): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Kalifornien endlich über die jahrelange Dürre hinweg
SERIE (24): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Amerika vor einem Umbruch – Donald Trump beginnt Präsidentschaft
SERIE (25): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: „Data Journalism“ und „Multimedia Storytelling“ – Wie bitte?!
SERIE (26): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Schlechtes Wetter in Kalifornien – Schlechte Werte bei mir
SERIE (28): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Jacksonville, Florida – Meine erste Journalisten-Tagung
SERIE (29): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Geschafft! Quartal eins und zwei liegen hinter mir