Jedes Quartal wird der HbA1c-Wert (der „Langzeitblutzuckerwert“) von Diabetikern beim Arzt gemessen und jedes Mal frage ich mich: warum eigentlich? Okay, er verrät mir wie hoch der Blutzucker im Schnitt in den vergangenen acht bis zwölf Wochen war, mehr aber auch nicht. Wir hatten den HbA1c-Wert bereits hier und hier thematisiert. Aber ist er wirklich so aussagekräftig?

HbA1c-Wert

Jedes Quartal wird der HbA1c-Wert (der „Langzeitblutzuckerwert“) von Diabetikern beim Arzt gemessen und jedes Mal frage ich mich: warum eigentlich?

HbA1c-Wert, das Maß aller Dinge?

Von einigen Ärzten wird er als das Maß aller Dinge angesehen, ähnlich wie der BMI. Details werden nicht berücksichtigt. Da kommt richtig Freude auf, wenn der Diabetologe einen mit großen Augen ansieht und fragt: „Was haben Sie denn da fabriziert? Ihr HbA1c-Wert ist um 1 Prozent angestiegen!“ Das ist dann spätestens der Augenblick, in dem ich meine Augen verdrehe. Denn wenn ich auf die gemessenen Blutzuckerwerte und/oder den Glukoseverlauf zurückblicke sieht das ganz anders aus. So hatte ich im aktuellen Quartal bessere Blutzuckerwerte als im letzten, denn ich hatte viel weniger Blutzuckerschwankungen, kaum Unterzuckerungen. Das verrät der HbA1c-Wert allerdings nicht. Denn er spiegelt lediglich den Durchschnittswert der Blutzuckerwerte der letzten sechs bis acht Wochen wieder.

Was verrät der Blick auf Blutzuckerwerte/Glukosekurve? Wie kann der Diabetologe weiterhelfen?

Hatte der Diabetiker nun aber viele hohe und viele niedrige Blutzuckerwerte, ergibt das im Schnitt auch einen guten HbA1c-Wert. Genau deshalb erwarte ich von meinem Diabetologen, dass er nicht nur meinen HbA1c-Wert anschaut, sondern einen Blick auf meine Blutzuckerwerte/Glukosekurven wirft. Dementsprechend nehme ich auch gerne situationsbedingte Tipps seinerseits entgegen. Etwa die Empfehlung den Spritz-Ess-Abstand vorm Mittagessen etwas zu erhöhen, damit der Blutzuckerwert, ersichtlich aus meinen Dokumentationen, nach dem Essen künftig nicht mehr zu stark ansteigt.

Immerhin: In vielen Fällen ist der HbA1c-Wert ein erster Anhaltspunkt, um feststellen zu können, dass etwas schiefläuft. Wer beispielsweise mit einem Wert von 15 zum Arzt kommt, hat ganz offensichtlich massiven Verbesserungsbedarf hinsichtlich seiner Einstellung.

HbA1c-Wert in der Diabetes-Community

Auch in der Diabetes-Community wird teils noch der HbA1c-Wert zu sehr bejubelt. Klar freut man sich über einen guten HbA1c-Wert (das ist auch völlig in Ordnung), aber kann ich das ehrlich gesagt nur reinen Gewissens tun, wenn ich auch weiß, dass er nicht durch zu viele Unterzuckerungen „erkauft“ ist. Denn auch Unterzuckerungen sind, wie wir wissen, nicht nur im Moment ein „Ärgernis“ und belastend, sondern bringen auch unschöne Folgeschäden mit sich. Leider liest man hier auch von Tipps, wie man möglichst schnell, den HbA1c-Wert absenken kann, um sich „dumme Kommentare seitens des Arztes zu ersparen“.

HbA1c-Wert ein weniger aussagekräftiges Laborergebnis

Ich betrachte den HbA1c-Wert tatsächlich nur noch als ein weniger aussagekräftiges Laborergebnis und bitte meinen Diabetologen um konkrete Tipps mit Blick auf meine gemessenen Blutzuckerwerte. Der HbA1c-Wert wird zwar als Blutzucker-Langzeitgedächtnis bezeichnet, aber so richtig gut funktioniert sein Gedächtnis dann doch nicht ;).