Da die medizinische Versorgung von Diabetikern mit Migrationshintergrund viel zu wünschen übrig lässt, haben Diabetes-Organisationen eine Aufklärungsoffensive gestartet. ©Dieter Schütz / pixelio.de

Da die medizinische Versorgung von Diabetikern mit Migrationshintergrund viel zu wünschen übrig lässt, haben Diabetes-Organisationen eine Aufklärungsoffensive gestartet. ©Dieter Schütz / PIXELIO

Menschen mit Migrationshintergrund erkranken prozentual wesentlich häufiger an Diabetes mellitus als die Durchschnittsbevölkerung. Doch die Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe sei schlechter als in der Gesamtbevölkerung, bemängelt diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Bereits im August setzten Diabetes-Organisationen daher ein Zeichen, indem sie eine Aufklärungsoffensive starteten, die vor allem die Früherkennung von Migranten sowie deren Integration in das deutsche Gesundheitssystem verbessern soll.

Laut Schätzungen leiden etwa 600.000 Menschen mit Migrationshintergrund an Diabetes mellitus. Ursachen für die hohen Betroffenenzahlen sind zum einen Sprachbarrieren und zum anderen kulturelle Besonderheiten, wie Ernährungsgewohnheiten sowie Geschlechterrollen und Familienstrukturen. Um dieses Problem aufzugreifen und eine bessere Integration der Migranten in das Gesundheitssystem zu fördern, hat diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe zusammen mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) das Spendenprojekt „Diabetesberatung auf Rädern“ ins Leben gerufen, das auch vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt wird.

Die Initiative, die unter Mitwirkung des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) organisiert wird, setzt ein Diabetes-Info-Mobil ein – eine mobile Diabetesberatungsstelle mit Sofort-Diagnostik. Dieses kam in den vergangenen Monaten bereits bei zahlreichen Aktionen zum Einsatz. Die Beratung findet in Regionen statt, die einen hohen Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund haben und baut etwa durch türkischsprechende Diabetesberaterinnen und türkischsprachiges Infomaterial die Hemmschwelle vor einer Untersuchung ab.

„Wenn Migrantinnen und Migranten nicht zur Früherkennung und Beratung gehen, muss diese zu ihnen kommen“, betont Martin Hadder, Vorsitzender des Landesverbandes NRW der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M). Die Aktion wird übrigens wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, um mehr Informationen über Diabetes bei Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen. „Ziel des Projektes ist es, Risikogruppen über Diabetes aufzuklären und über Gesundheitsmöglichkeiten vor Ort zu informieren“, erklärt Nicole Mattig-Fabian, Geschäftsführerin von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Somit hoffen wir auch, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in das deutsche Gesundheitssystem zu verbessern.“

Das Projekt finanziert sich überwiegend aus Spenden. Wer die Initiative unterstützen möchte, sollte einen Blick auf die Homepage von diabetesDE werfen. Weitere Informationen können zudem unter http://nrw.menschen-mit-diabetes.de/ abgerufen werden. Eine Terminübersicht über die Stationen des Info-Mobils, das auch in 2015 wieder auf Tour geht, findet sich hier.