Ob beim Setzen des Katheters, beim Spritzen mit dem Pen oder beim Stechen mit der Lanzette in die Fingerbeere: Diabetiker müssen sich mehrmals täglich piksen. Vorrangig im August und September kommen „lebendige Plagegeister“ hinzu, die sich mit einem schmerzhaften Stich wehren, wenn man nicht aufpasst oder gar hektisch um sich schlägt. Zurzeit kann es an der Kaffeetafel im Grünen recht ungemütlich werden: Angezogen vom süßen Duft der Nahrungsmittel gesellen sich ungebetene Gäste an den Tisch – Wespen.

Wespensaison

Angezogen vom süßen Duft der Nahrungsmittel gesellen sich ungebetene Gäste an den Kaffeetisch: Wespen. © Ingo Bartussek/Fotolia


Die Wespensaison beginnt im Frühjahr, die zahlreichen Arbeiterinnen tauchen jedoch erst ab Juni immer häufiger auf. Unermüdlich sind sie auf der Jagd nach Insekten, um die Königin und die Brut mit Proteinen zu versorgen. Dabei werden viele Schadinsekten vertilgt. „Die Staaten von drei Wespenarten – der Deutschen Wespe, der Gemeinen Wespe und der Hornisse – entwickeln sich bis in den Herbst hinein, ihr Populationsmaximum erreichen diese Arten daher im Spätsommer“, erläutert Johann-Christoph Kornmilch, Biologe und Spezialist für Bienen und Wespen an der Universität Greifswald. Kein Wunder, dass die Tiere jetzt immer häufiger zu beobachten sind.

Oftmals werden Wespen dieser Tage als besonders aufdringlich empfunden, was mit dem erhöhten Nahrungsbedarf der wachsenden Völker zusammenhängt. „Die Arbeiterinnen benötigen für sich selbst Kohlenhydrate als ‚Flugbenzin’“, betont Kornmilch. Für ein Volk von Hunderten oder mehreren Tausend Wespen werde es immer schwieriger, den Bedarf an Zucker nur durch das Sammeln von Nektar oder Honigtau zu decken. Aus diesem Grund werden Wespen zum Spätsommer hin immer „flexibler“ bei der Suche nach Zucker und versuchen, an ergiebige Quellen beim Menschen zu gelangen. Auch Fruchtzucker, zum Beispiel von Pflaumen und Birnen, stehen dem Wissenschaftler zufolge bei den Tieren dann hoch im Kurs. Pflaumenkuchen scheint der Himmel zu sein, er duftet für sie unwiderstehlich.

Aber das betrifft nicht alle Vertreter der Gruppe der echten Wespen: Elf Arten gibt es hierzulande, von denen sich nur zwei Spezies für unsere Süßspeisen und Getränke interessieren: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Ihre Nester beherbergen bis zu 7.000 Tiere. Eigentlich sind auch diese Arten nicht von vornherein aggressiv. Zu einem Stich kommt es nur dann, wenn sich die Tiere bedroht fühlen.

Wichtig ist es deshalb, die zu den Hautflüglern zählenden Insekten möglichst in Ruhe zu lassen und nicht nach ihnen zu schlagen. Noch besser ist es, die Tiere fern zu halten, indem das Obst im Garten frühzeitig geerntet und aufgesammelt wird. Zudem sollten alle Speisen und Getränke, die Wespen anlocken, abgedeckt werden. Wer durch den heimischen Garten gerne barfuß wandelt, kann durch eine entsprechende Pflege darauf achten, dass im Rasen kein Klee oder andere kurzstängelige Blumen gedeihen, die nicht nur Wespen, sondern auch Bienen anziehen würden.

Vor allem Stiche im Mundbereich müssen vermieden werden: Bei Anwesenheit von Wespen und Bienen ist das Trinken aus Flaschen und Dosen gefährlich, denn es ist nicht zu erkennen, ob ein Tier in der Flasche oder am Flaschenhals sitzt. Es gilt, ein Glas oder eine Tasse zu bevorzugen. Wer auf einen Strohhalm nicht verzichten mag, sollte nur extrem dünne Exemplare benutzen. Und bitte darauf achten, Finger und Mundwinkel von Kindern beim Essen sauber zu halten.

Ein Wespenstich ist zwar für normal empfindliche Menschen schmerzhaft, aber ungefährlich. Es gibt einige Hausmittel, deren Wirkung jedoch umstritten ist: Eines davon ist das Einreiben der Stichstelle mit einer halbierten rohen Zwiebel, ein anderes das Kühlen. Bei Stichen im Mundraum und in der Halsgegend muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, weil die entstehende Schwellung die Atmung behindern könnte. Wer nach einem Stich Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen verspürt, muss den Notarzt rufen. Diese Symptome weisen auf eine Insektengift-Allergie hin. Bei bekannter Insektengift-Allergie sollte in der warmen Jahreszeit stets ein Notfall-Set mitgeführt werden.

Übrigens: Wer ein Wespennest im Garten hat, muss nicht mit einer erneuten Besiedelung im nächsten Jahr rechnen. Zum Herbst hin stirbt ein Wespenvolk komplett ab. Die Jungköniginnen sind vorher vom Nest abgeflogen. Sie versuchen über den Winter zu kommen, um im nächsten Jahr ein neues Volk an anderer Stelle aufzubauen.

Was tun bei Wespennestern im Garten oder Haus?

  • Alle Wespenarten stehen unter allgemeinem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Als Insektenjäger spielen Wespen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt.
  • Die Nester der beiden „lästigen“ Arten befinden sich vorwiegend in Erdhöhlen oder aber in anderen dunklen Hohlräumen. Wer ein solches Nest am Haus oder im Garten an einer ungünstigen Stelle entdeckt, sollte einen Fachmann zu Rate ziehen. Erster Ansprechpartner können die Untere Naturschutzbehörde der Gemeinde (Umweltamt) oder die Umweltverbände in der Region (NABU oder BUND) sein.
  • Eine Umsiedlung darf man aus Gefahrengründen und auch aus gesetzlichen Gründen nicht selber vornehmen. Sollte eine Umsiedlung von Wespennestern unvermeidlich sein, bitte einen geprüften und dazu autorisierten Experten kontaktieren.
  • Alle frei hängenden Wespennester in Hecken, unter Dachtraufen oder auf hellen Dachböden gehören zu den selteneren Arten, wie zum Beispiel der Sächsischen Wespe, Mittleren Wespe oder Waldwespe. Diese Arten werden nicht lästig und schon gar nicht aggressiv, wenn man ihr Nest nicht stört. Die Mittlere Wespe steht auf Grund der häufigen Vernichtungen von Nestern schon auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Frei hängende Nester sollten in keinem Falle gestört werden.

(Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.)