Menschen, die an einer chronischen Erkrankung wie Diabetes mellitus leiden, sind besonders gefährdet, Depressionen zu entwickeln. Jeden achten Diabetiker plagen Depressionen, bei jedem fünften Patienten liegt eine erhöhte Depressivität vor. Umgekehrt weisen Stoffwechselgesunde mit einer Depression ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2 auf. Beide Erkrankungen werden jedoch häufig erst relativ spät erkannt. Dies kann den Erfolg einer Diabetestherapie gefährden. Betroffene sollten daher ihren behandelnden Arzt auf ihr Befinden ansprechen und sich behandeln lassen, empfiehlt diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Denn eine Therapie könne sowohl die Lebensqualität als auch die Prognose einer Diabeteserkrankung verbessern.

Diabetes und Depressionen

„Winterblues“: Wenn es draußen grau und trübe ist, sinkt bei vielen von uns die Stimmung. © Dark Moon Pictures/Fotolia


Vielen von uns schlagen die dunklen, trüben Wintertage aufs Gemüt. Bei „Zuckersüßen“ kann jedoch auch eine Depression der Grund für deren Niedergeschlagenheit sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn Symptome, wie Traurigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung, nicht nur ein paar Tage, sondern Wochen oder sogar Monate andauern. „In einem Erfassungszeitraum von zwölf Monaten sind zwölf Prozent der Allgemeinbevölkerung (18 bis 65 Jahre) an einer Depression erkrankt. Etwa 19 Prozent erkranken im Laufe ihres Lebens. Menschen mit Diabetes, sowohl junge mit Diabetes Typ 1 als auch ältere mit Diabetes Typ 2, leiden etwa doppelt so häufig darunter“, erläutert Dr. phil. Diplom-Psychologe Berthold Maier vom Diabetes Zentrum Mergentheim in Bad Mergentheim. Denn das Leben mit Diabetes sei für viele Betroffene eine psychische Belastung.

Eine erhöhte Depressivität wie auch klinische Depressionen seien sowohl ein körperliches als auch ein seelisches Problem, weiß der Psychologe: „Depressionen können sich auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise äußern. Neben tiefer Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit leiden Betroffene häufig auch unter Angstgefühlen sowie Schlafstörungen oder körperlichen Schmerzen.“ Um Diabetikern schlechte Blutzuckerwerte und Folgeerkrankungen zu vermeiden, sei es wichtig, sowohl eine erhöhte Depressivität als auch eine Depression früh zu erkennen und zu behandeln. Rechtzeitig festgestellt, seien Depressionen gut behandelbar: „Antidepressiva, Verhaltenstherapie oder eine Kombination aus beidem kommen dabei zum Einsatz.“ Die Verhaltenstherapie helfe Betroffenen, ihre Erkrankung besser zu akzeptieren und das Selbstmanagement der Diabetestherapie zu verbessern.

Diabetiker mit entsprechenden Symptomen sollten daher mit ihrem Arzt sprechen, ob bei ihnen eine Depression vorliegen könnte. Umgekehrt haben Menschen mit einer Depression ein deutlich erhöhtes Risiko, von einem Typ-2-Diabetes heimgesucht zu werden. Sie wiederum sollten sich ebenfalls untersuchen lassen. Eine Liste der „Fachpsychologen Diabetes“, die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) anerkannt sind, könnt Ihr unter www.diabetes-psychologie.de abrufen.

Quelle: Robert-Koch-Institut (Heft 51, Depressive Erkrankungen, 2010, https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/depression.pdf?__blob=publicationFile.