Gepflegte Füße sehen nicht nur schön aus. Für Menschen mit Diabetes ist die richtige Fußpflege auch ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Denn Diabetes kann die Nerven und Blutgefäße schädigen. Dadurch bleiben Verletzungen möglicherweise unbemerkt. Mit einer täglichen Fußkontrolle, der passenden Hautpflege und gut sitzenden Schuhen lässt sich die Fußgesundheit unterstützen.
Warum ist Fußgesundheit bei Diabetes so wichtig?
Zu den wesentlichen Risikofaktoren für diabetesbedingte Fußgeschwüre gehören Nervenschädigungen, Durchblutungsstörungen und bestimmte Fußfehlstellungen.
Ist das Druck- und Schmerzempfinden durch eine diabetische Neuropathie vermindert, können Verletzungen und Druckstellen unbemerkt bleiben. Wiederholte mechanische Belastungen können dann Hautschäden und Fußgeschwüre begünstigen. Durchblutungsstörungen können die Heilung zusätzlich erschweren.
Deshalb ist es wichtig, die Füße regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen. Wie häufig die Untersuchungen notwendig sind, hängt vom individuellen Risiko ab. Menschen mit erhöhtem Risiko benötigen engmaschigere Kontrollen als Menschen ohne zusätzliche Risikofaktoren.
Wichtig: Eine neue Wunde, eine Blase oder eine auffällige Veränderung am Fuß sollte zeitnah medizinisch beurteilt werden. Warte nicht erst darauf, dass Schmerzen auftreten. Bei einer Neuropathie können selbst ernsthafte Verletzungen schmerzlos bleiben.
Die tägliche Fußkontrolle: Ein Blick, der sich lohnt
Menschen mit erhöhtem Risiko für diabetesbedingte Fußgeschwüre sollten ihre Füße täglich auf Veränderungen untersuchen. Die Kontrolle sollte beide Füße einschließlich der Fußsohlen und der Zehenzwischenräume umfassen.
Achte besonders auf:
- Rötungen und Druckstellen
- Blasen, Risse und offene Hautstellen
- auffällige Hornhaut
- Veränderungen an den Nägeln
- feuchte, aufgeweichte Haut oder Anzeichen einer Pilzinfektion
Ein Spiegel kann helfen, wenn du die Fußsohlen nicht direkt sehen kannst. Bei DIASHOP gibt es beispielsweise einen Ruck Fußkontrollspiegel mit Teleskopgriff. Er kann die Sicht auf schwer einsehbare Bereiche erleichtern.
Kontrolliere auch die Innenseiten deiner Schuhe vor dem Anziehen auf Fremdkörper oder Stellen, die Druck und Reibung verursachen könnten.
Kannst du deine Füße aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit oder Sehfähigkeit nicht selbst ausreichend kontrollieren, bitte eine andere Person um Unterstützung. Entdeckst du eine mögliche Verletzung oder eine andere auffällige Veränderung, solltest du zeitnah eine qualifizierte medizinische Fachkraft kontaktieren.
Nägel richtig schneiden
Bei der Nagelpflege kommt es vor allem darauf an, Verletzungen zu vermeiden. Die IWGDF empfiehlt Menschen mit erhöhtem Risiko für Fußgeschwüre, ihre Fußnägel gerade zu schneiden.
Schneide die Nägel nicht zu kurz und schneide die Ecken nicht tief aus. Die Nagelränder lassen sich anschließend vorsichtig mit einer Feile glätten. Achte darauf, die umliegende Haut nicht zu verletzen. Bei verdickten oder eingewachsenen Nägeln sowie bei bestehenden Nervenschäden, Durchblutungsstörungen oder anderen Fußproblemen sollte die weitere Nagelpflege fachlich abgestimmt werden.
Wenn du deine Nägel nicht sicher selbst schneiden kannst, kann eine professionelle podologische Behandlung sinnvoll sein.
Hornhaut: Nicht nur ein kosmetisches Problem
Hornhaut entsteht durch Druck und Reibung. Eine ausgeprägte Hornhautschicht kann auf eine übermäßige Druckbelastung hinweisen und bei Menschen mit erhöhtem Fußrisiko mit Hautschäden und Fußgeschwüren verbunden sein.
Deshalb sollte auffällige oder stark ausgeprägte Hornhaut fachgerecht beurteilt und gegebenenfalls behandelt werden.
Verwende keine scharfen Hornhauthobel oder Klingen. Auch chemische Hornhautentferner und hornhautlösende Pflaster sind zur eigenständigen Behandlung bei erhöhtem Fußrisiko ungeeignet, weil sie die Haut schädigen können.
Bei Neuropathie, Durchblutungsstörungen oder bereits bestehenden Fußproblemen sollte die Behandlung durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte erfolgen. Podologinnen und Podologen können die Hornhaut fachgerecht behandeln und dabei mögliche Risikostellen erkennen.
Trockene Haut richtig pflegen
Trockene Haut kann rau werden und einreißen. Die IWGDF empfiehlt Menschen mit erhöhtem Risiko für Fußgeschwüre, trockene Haut regelmäßig mit einer geeigneten Feuchtigkeitspflege zu behandeln.
Bei DIASHOP sind dafür unterschiedliche Pflegeprodukte erhältlich, beispielsweise:
- Callusan hydro Cremeschaum mit 5 % Urea für trockene Haut
- Callusan extra Cremeschaum mit 10 % Urea für sehr trockene Haut
Urea, auch Harnstoff genannt, wird in Hautpflegeprodukten unter anderem eingesetzt, um Feuchtigkeit in der Haut zu binden. Welches Produkt geeignet ist, hängt vom individuellen Hautzustand ab. Aus den unterschiedlichen Konzentrationen lässt sich nicht ableiten, dass eine bestimmte Konzentration für alle Menschen mit Diabetes grundsätzlich besser geeignet ist.
Trage die Pflege auf die trockene Haut auf. Die Zehenzwischenräume solltest du aussparen, damit sich dort keine zusätzliche Feuchtigkeit staut.
Wasche deine Füße täglich mit lauwarmem Wasser und trockne sie anschließend sorgfältig ab, insbesondere zwischen den Zehen. Bei vermindertem Temperaturempfinden solltest du die Wassertemperatur nicht mit den Füßen prüfen, um mögliche Verbrühungen zu vermeiden.
Lange Fußbäder sind nicht erforderlich. Bei offenen Hautstellen, ausgeprägten Rissen oder entzündeten Bereichen sollte die weitere Pflege medizinisch abgestimmt werden.
Die genannten Cremeschäume sind Pflegeprodukte. Sie ersetzen weder die Behandlung einer Wunde noch die medizinische Versorgung eines diabetischen Fußsyndroms.
Socken und Schuhe: Auf die Passform kommt es an
Socken und Schuhe sollten die Füße vor mechanischen Verletzungen schützen. Entscheidend ist, dass sie gut sitzen und keine zusätzlichen Druckstellen verursachen.
Socken sollten möglichst faltenfrei sitzen und nicht einschneiden. Bei DIASHOP sind beispielsweise Ihle Diabetikersocken in verschiedenen Variationen erhältlich. Bei der Auswahl solltest du auf die Passform und ein angenehmes Bündchen achten.
Die Bezeichnung „Diabetikersocken“ allein ist kein Nachweis dafür, dass ein Produkt Fußgeschwüre verhindert. Auch geeignete Socken ersetzen nicht die tägliche Fußkontrolle, passendes Schuhwerk oder eine gegebenenfalls notwendige medizinische Fußversorgung.
Bei der Auswahl von Schuhen kommt es ebenfalls auf die Passform an. Sie sollten zur Form der Füße passen und genügend Platz bieten. Bei Fußfehlstellungen oder bereits bestehenden Druckstellen können spezielle Schuhe oder individuell angepasste Einlagen notwendig sein.
Menschen mit erhöhtem Risiko für Fußgeschwüre sollten außerdem nicht barfuß, nicht ausschließlich in Socken und nicht in dünnsohligen Hausschuhen gehen – weder zu Hause noch im Freien. So lassen sich die Füße besser vor mechanischer Belastung und äußeren Verletzungen schützen.
Kontrolliere die Innenseiten der Schuhe vor dem Anziehen auf Fremdkörper und raue oder beschädigte Stellen.
Welche Schuhversorgung im Einzelfall geeignet ist, hängt vom individuellen Fußstatus und dem Risiko für Fußgeschwüre ab. Bei ausgeprägten Fußfehlstellungen oder bereits abgeheilten Fußgeschwüren können besondere Anforderungen an die Versorgung bestehen.
Professionelle Fußpflege: Wann ist sie sinnvoll?
Nicht alle Menschen mit Diabetes haben das gleiche Risiko für Fußkomplikationen. Deshalb sollte der Fußstatus regelmäßig ärztlich beurteilt werden. Dabei werden unter anderem die Haut, die Fußform, das Schmerz- und Druckempfinden sowie die Durchblutung untersucht.
Bei erhöhtem Risiko können regelmäßige professionelle Fußbehandlungen ein wichtiger Bestandteil der Versorgung sein. Dazu gehören je nach Bedarf die Behandlung überschüssiger Hornhaut, die Versorgung problematischer Nägel und die Beratung zur geeigneten Schuhversorgung.
Eine podologische Behandlung kann insbesondere dann wichtig sein, wenn die Fußpflege aufgrund von Nervenschäden, Durchblutungsstörungen oder körperlichen Einschränkungen nicht sicher selbst durchgeführt werden kann.
Welche Versorgung notwendig ist und ob eine ärztliche Verordnung infrage kommt, sollte mit der behandelnden Arztpraxis besprochen werden.
Wann sollte ich mit einem Fußproblem zum Arzt?
Bei Diabetes sollten neue Wunden, Blasen, Risse oder entzündliche Veränderungen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das gilt besonders bei einer verminderten Schmerzempfindlichkeit oder einer bekannten Durchblutungsstörung.
Lass auffällige Veränderungen zeitnah medizinisch beurteilen. Bei einer offenen Wunde, zunehmender Rötung, Schwellung, Überwärmung oder einer dunklen Verfärbung ist eine umgehende Abklärung erforderlich.
Ein plötzlich kalter, blasser oder bläulicher Fuß ist ein medizinischer Notfall.
Warte nicht erst auf Schmerzen: Bei einer Neuropathie können selbst ernsthafte Fußprobleme schmerzlos verlaufen.
Fazit: Fußpflege gehört zur Diabetes-Routine
Ein täglicher Blick auf die Füße, eine schonende Nagelpflege, die passende Hautpflege und gut sitzende Schuhe sind wichtige Bestandteile der Vorsorge bei Diabetes.
Hilfsmittel wie ein Fußkontrollspiegel und geeignete Pflegeprodukte können die tägliche Routine unterstützen. Entscheidend ist aber auch, das eigene Risiko zu kennen, Veränderungen frühzeitig ernst zu nehmen und bei Bedarf medizinische oder podologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Denn Fußpflege ist mehr als Kosmetik: Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge.
Redaktioneller Hinweis: Die IWGDF-Leitlinien sind die entscheidende Grundlage für die medizinischen Aussagen.
Medizinische Fachquellen
- International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF): Prevention Guideline, 2023
Zentrale Quelle für die Vorbeugung von Fußgeschwüren, tägliche Fußkontrolle, Hautpflege und geeignetes Schuhwerk. IWGDF Prevention Guideline 2023 - Bus SA et al. (2024): Guidelines on the prevention of foot ulcers in persons with diabetes (IWGDF 2023 update). Diabetes/Metabolism Research and Reviews.
Fachpublikation mit den Empfehlungen und ihrer wissenschaftlichen Begründung. Sie empfiehlt unter anderem bei gefährdeten Füßen die tägliche Kontrolle, das Eincremen trockener Haut und das gerade Schneiden der Fußnägel. Die Empfehlung ist stark, die zugrunde liegende Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Fachpublikation bei Wiley Online Library - Schaper NC et al. (2024): Practical guidelines on the prevention and management of diabetes-related foot disease (IWGDF 2023 update). Diabetes/Metabolism Research and Reviews. Praktische Empfehlungen zur Fußpflege: Füße täglich kontrollieren und waschen, sorgfältig besonders zwischen den Zehen trocknen, trockene Haut eincremen, Nägel gerade schneiden, Druckstellen vermeiden und bei Auffälligkeiten medizinischen Rat einholen.
Publikation bei PubMed