Meine Wahnsinns-Erfahrungen, die ich bei Camp D 2014 sammeln durfte

Hallo, Ihr lieben Süßen,

nach einer „kleinen“ Pause bin ich wieder für Euch da. Hier ist Eure Anneke, selbst Typ-1-Diabetikerin sowie Diabetesberaterin und Mitarbeiterin bei der Diabetik Express GmbH. Heute möchte ich Euch über meine Erfahrungen berichten, die ich als Betreuerin bei Camp D in Bad Segeberg sammeln durfte. Hierbei handelt es sich um ein Erlebniscamp für junge Menschen mit Diabetes, das unter dem Motto „Die Zukunft gehört mir“ vom 10. bis 13. Juli in der Karl-May-Stadt stattfand. Meiner Meinung verkörpert dies ein einzigartiges Projekt, das jungen Leuten zwischen 16 und 25 Jahren die Möglichkeit eröffnet, sich untereinander auszutauschen sowie gemeinsame Erlebnisse zu teilen.

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Die Teilnehmer von Camp D nächtigten Camp-typisch in einem Zeltlager.


Meine Kollegin Christiane und ich – wir reisten gemeinsam an – gehörten in der riesigen Zeltstadt, die rund 500 jugendliche Teilnehmer beherbergte, zu der „Quatsch-mich-an-Fraktion“. Das war in weißen Lettern auf unseren roten T-Shirts aufgedruckt, die Ärzte, Psychologen und eben wir Diabetesberaterinnen tragen durften. Nachdem wir kurz nach unserer Ankunft die Zelte aufgebaut hatten – Christiane und ich entpuppten uns dabei als blutige, aber lernfähige Anfänger – nahmen wir unsere Jungs in Empfang. Ab sofort bildeten Felix, Martin, Georg, Thomas, Robert, Patrick, Matthias, Christiane und ich eine sogenannte „Kleinfamilie“. Nach einer ausgiebigen Begrüßung nutzten wir die Zeit, uns erst einmal gegenseitig zu beschnuppern und uns gemütlich zu unterhalten. So gegen Mitternacht sind wir tief und fest eingeschlafen, wobei ich nach einem nächtlichen Toilettengang, dabei musste ich einen rund 200 Meter langen Fußweg über den feuchten Rasen zurücklegen, gegen 3 Uhr wieder hellwach war.

Am nächsten Morgen sind wir gegen 7.30 Uhr aufgestanden und haben uns mit einem leckeren Frühstück für den Tag gewappnet. Dann hieß es, Uhrzeit ziehen für den Camp D-Fackelstaffellauf, der 62 Stunden lang ohne Unterbrechung stattfinden sollte. Unsere Gruppe musste in der Nacht von 3 bis 4 Uhr laufen. Christiane und ich dachten nur: „Wie bringen wir das unseren Jungs bei?“ Auf eine Tortenplatte aus Pappe, die wir an unser Zelt anbrachten, schrieben wir: „Wecken um 2.30 Uhr zum Staffellauf…“ Pünktlich waren wir mit tollen Blutzuckerwerten am Start. Allerdings konnten Christiane und ich mit dem Tempo, das unsere Jungs vorlegten, nicht mithalten…

Nach einer kurzen Schlafphase stand der Tag ganz im Zeichen von 13 Workshops rund um das Thema „Diabetes“. Ich besuchte treffenderweise den Beitrag „Sport bei Diabetes – alles geht, wenn man weiß wie!“ von Dr. Karsten Milek sowie den Vortrag „Der Weg zur Großartigkeit“ von Hansruedi Stahel. Dort saß ein etwas kräftigeres Mädchen ganz schüchtern und mit gesenktem Kopf auf einem Stuhl, lauschte den Ausführungen Hansruedi Stahels und schrieb fleißig mit. Plötzlich vollzog sich mit dem Mädel eine Verwandlung: Sie saß ganz aufrecht – und nach Workshop-Ende strahlten ihre Augen. Meiner Meinung nach hat sie begriffen, dass auch sie „GROSSARTIG“ ist. Nach dem Abendessen hockten wir mit unseren Jungs vorm Zelt, quatschten und machten Musik. Das waren Super-Gespräche, während denen ich viel über die Gefühlswelt von Jugendlichen in puncto Diabetes gelernt habe.

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Mein T-Shirt ließ keine Zweifel aufkommen.

Am nächsten Mittag – ausgerechnet am Sporttag – schoss ich voll den Vogel ab. Ich hatte mir eine Birne im Zelt einverleibt und bin natürlich später, ohne mir die Hände gewaschen zu haben, zum Mittagessen gedackelt. Das Messergebnis: 297 mg/dl. Ohne Nachzudenken verabreichte ich mir die entsprechende Korrektur sowie stellte meine Insulinpumpe auf den verzögerten Bolus für das Essen ein. Dann sah ich einen prallgefüllten Obstkorb auf dem Tisch stehen. Ich sprintete in den Waschraum, wusch mir die Hände und kontrollierte ein zweites Mal meinen Blutzucker. Das Resultat: 92 mg/dl. Ich stoppte den Bolus, während sich unsere Jungs vor Lachen nicht mehr halten konnten. Ausgerechnet mir als Diabetesberaterin musste so ein Missgeschick passieren… Klar, dass wir beim anschließenden Bossaball, Zorbing, Beachvolleyball, Fußball, Stand-Up-Paddling und all den anderen sportlichen Aktivitäten jede Menge Spaß hatten. Damit unsere Jungs Fußball-WM schauen konnten, opferten Christiane und ich uns sogar für den Fackelstaffellauf.

Tags darauf – die Zeit der Abreise nahte – hieß es für uns wieder Zelte abbauen, aufräumen und Auto packen. Da Felix und Robert mit uns fuhren, war mein Pkw proppenvoll. Gegen 12.30 Uhr traten wir geschafft, aber überglücklich die Heimfahrt an. Eines ist klar: In drei Jahren bin ich bei Camp D wieder mit von der Partie. Versprochen!

Bis bald,
Eure Anneke

Mehr Eindrücke vom Camp D gibt es in der Galerie: