Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt bei schwangeren Frauen auf den Blutzuckerbelastungstest. © Jörg Brinckheger / pixelio.de

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt bei schwangeren Frauen auf den Blutzuckerbelastungstest. ©Jörg Brinckheger / PIXELIO

Aktualisiert hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Empfehlungen zum Screening und zur Diagnose von Schwangerschaftsdiabetes. Dabei favorisiert die WHO den Blutzuckerbelastungstest, zu dem auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) allen werdenden Müttern raten.

„Die Empfehlungen der WHO sind global und für die gesamte Schwangerschaft gültig“, erklärt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. „Sie sind noch zuverlässiger als die derzeit in Deutschland geltenden gesetzlichen Richtlinien und entsprechen den Empfehlungen, die die DDG seit 2011 abgibt.“

Unumstößlich ist, dass ein hoher Blutzucker im Verlauf der Schwangerschaft sowohl Mutter als auch Kind schadet. Da sich Schwangerschaftsdiabetes meist nicht bemerkbar macht, empfiehlt die DDG – wie nun auch die WHO – einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) zwischen 24 und 28 Schwangerschaftswochen.

„Die Schwangere kommt dafür nüchtern in die Praxis, also ohne Nahrungsaufnahme seit 22 Uhr des Vorabends“, erläutert Dr. med. Helmut Kleinwechter, Diabetologe aus Kiel und Koordinator der Leitlinie Gestationsdiabetes der DDG. „Nachdem zunächst über eine venöse Blutentnahme der Nüchternblutzucker gemessen wurde, trinkt die Schwangere anschließend ein Glas Wasser mit 75 Gramm Glukose, um eine und zwei Stunden später erneut den Blutzucker per Blutentnahme bestimmen zu lassen.“

Die diagnostischen Grenzwerte für den oGTT seien aus der sogenannten HAPO-Studie (Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome) abgeleitet worden, die gezeigt habe, dass mit steigenden mütterlichen Blutzuckerwerten die Rate an Komplikationen für Mutter und Kind kontinuierlich zunehme. Diese bewegen sich im nüchternen Zustand bei 92, nach einer Stunde bei 180 und nach zwei Stunden bei 153 mg/dl (5,1/10,0/8,5 mmol/L).

„Nur für den oGTT gibt es Grenzwerte, die auf so einem hohen wissenschaftlichen Niveau erhoben wurden“, betont Professor Dr. med. Ute Schäfer-Graf, Gynäkologin und Diabetologin aus Berlin sowie Diabetes-Expertin der DGGG. „Damit empfiehlt die WHO ein zuverlässigeres Vorgehen, als derzeit das gesetzlich vorgeschriebene Screening auf Gestationsdiabetes in Deutschland vorsieht“, äußert sich die DDG.

Hintergrund: Vier bis fünf Prozent aller werdenden Mütter entwickeln in Deutschland einen Schwangerschaftsdiabetes. Bei 80 Prozent führt eine Ernährungsumstellung in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung zu normalen Blutzuckerwerten. Nur eine von fünf Frauen benötigt Insulin.