Das perfekte Ich… getrieben von Selbstvermessung und Selbstoptimierung

Selbstvermessung und Selbstoptimierung

Das perfekte Ich… Schöner, fitter, besser, effektiver… Höher, schneller, weiter, ein bisschen geht noch… Vergleichen, messen, analysieren, Schritte zählen, Schlaf überwachen und Firmenmails rund um die Uhr beantworten… Na, wer findet sich hier wieder? Im Wahn von Selbstvermessung und Selbstoptimierung?

Das perfekte Ich oder doch nur Illusion?

Die geschönte Bilderflut auf Instagram, die glücklichen, strahlenden Gesichter und perfekten, gesunden Körper auf Facebook.  Jeder präsentiert sich in den Sozialen Netzwerken von seiner Schokoladenseite. Der Tagesablauf wird in einer Story festgehalten. Das zeigt, wie fit, wie aktiv wir sind, was wir alles geleistet und  Tolles erlebt haben. Hier noch ein Filter, da noch etwas retuschiert: Das perfekte Ich eben, oder vielleicht doch nur die perfekte Illusion? Ich nehme mich von diesem Trend nicht aus, achte allerdings darauf, dass meine Posts/Bilder auch einen Mehrwert für andere haben.

Etwa zeigen die Fotos, dass ich meinen Traubenzucker zu Hause vergessen habe und wie ärgerlich das sein kann, ich mir aber dennoch helfen konnte, wie ich Insulin mische, was ich Blutzuckerfreundliches backe oder wie ich meinen OmniPod oder Sensor fixiere. Letztendlich hat das auch alles einen Mehrwert für andere Diabetiker. Jedenfalls meistens.

Nun ja, wenn es mir persönlich zu mehr Gesundheit und Lebensqualität verhilft oder gar anderen, ist das sicherlich eine gute Sache, aber… wenn wir uns ständig miteinander vergleichen, messen, bewerten und nicht mehr der Spaß zählt, sondern nur noch der Erfolg, Bestzeiten, Körpermaße, die gemessenen Werte auf den Uhren oder oder oder, um gut darzustehen, dann wird es bedenklich.

Manch einer postet täglich seine Gewichtsabnahme, seinen Erfolg, seine Trainingszeiten oder die perfekten Blutzuckerwerte…

Warum immer besser, eher schlechter ist…

Manchmal frage ich mich, ob uns die heutigen Selbstvermesseungstechnologien das Zufriedensein verlernen lassen. Natürlich geht es immer besser und schneller und jeder möchte Likes für seine neue Bestzeit. Darauf kann man sicher auch stolz sein. Vielleicht motiviert es auch diejenigen, die mit dem inneren Schweinehund etwas mehr zu kämpfen haben aktiver zu werden? Vielleicht aber auch nur diejenigen, die eh schon nicht zu bremsen sind, sich überfordern, mehr und mehr leisten zu müssen? Mich wundert es somit nicht, dass immer mehr Menschen völlig ausbrennen. Wo liegt die Grenze zwischen gesunder Verbesserung und ungesunden Optimierungswahn? Schwierig… Ich selbst erwische mich dabei, wie ich manchmal denke, dass ich ein solches perfektes Leben wie andere es präsentieren, auch gerne hätte. Sind die alle glücklich, gesund, haben die immer gute Blutzuckerwerte? Was mache ich falsch?

Perfekte Glukosekurven: Blutzuckerwerte sind Informationen, keine Schulnoten!

Viele Diabetes-Seiten im Netz auf Facebook, Instagram und Co. zeigen perfekte Glukoskurven (komplett gerade Linien ;)) und extrem niedrige HbA1c-Werte mit Blümchen und Herzchen versehen…Dazu teils Kommentare wie: „Ich hätte gerne mal einen HbA1c-Wert unter 5“. Blutzuckerwerte sind Informationen, keine Schulnoten!

Das führt dazu, dass man sich selbst und sein Diabetesmanagemant in Frage stellt, wenn es mal nicht so läuft. Es kann zum Einen natürlich motivieren, zum Anderen aber auch Leute zur Verzweiflung bringen.

Unterscheiden zwischen echtem Glück und reiner Zuschaustellung

Ich denke, es ist wichtig, dass man echtes Glück von reiner Zuschaustellung wieder voeneinander zu unterscheiden lernt. Mittlerweile kenne ich meine Pappenheimer in den Sozialen Netzwerken, die das perfekte Ich tagtäglich demonstrieren, hinter denen sich aber nur die perfekte Illusion verbirgt. Von solchen Leuten habe ich mich getrost verabschiedet. In den Sozialen Netzwerken kann ich sie ausblenden, folge ihnen nicht mehr. Ich suche mir Menschen die mich positiv beeinflussen, mir Mut machen und mich nicht runterziehen… Ich gebe der „Quantified-Self-Bewegung“ (Selbstvermessung) zumindest eine Teilschuld daran, dass immer mehr Menschen das perfekte Ich der Welt präsentieren „müssen“. Man bemerkt aber auch zunehmend, dass einige sich wieder von reiner Zuschaustellung verabschieden und neue Wege gehen, lernen wieder zwischen echtem Glück und reiner Zuschaustellung zu unterscheiden.

Wie erlebt ihr das? Hinterlasst gerne eure Meinung in den Kommentaren…

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