„Schwerbehindertenausweis“ hat für einige Diabetiker zunächst erst einmal einen bitteren Beigeschmack. Fühle ich mich als Typ-1-Diabetiker denn schwerbehindert? Nun ja, ich persönlich störe mich eher weniger an diesem Ausdruck. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst schon in der Situation war, auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Meine Eltern etwa, haben mir schon zweimal das Leben gerettet, da ich mir bei einer schweren Unterzuckerung nachts nicht mehr alleine helfen konnte. Aber ich habe dennoch sehr lange drüber nachgedacht, ob ich tatsächlich einen Schwerbehindertenausweis beantragen soll, oder nicht. So habe ich zunächst einmal die Vor- und Nachteile gegenübergestellt…

Vor- und Nachteile eines Schwerbehindertenausweises

Vor- und Nachteile eines Schwerbehindertenausweises: ist sinnvoll, als Diabetiker einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen?

Die Vor- und Nachteile eines Schwerbehindertenausweises

Was spricht aus Diabetiker-Sicht für einen Schwerbehindertenausweis?

  • Bis zu 5 Tage Zusatzurlaub im Jahr
  • Erhebliche Steuervorteile
  • Zahlreiche Vorteile im Alltag: Je nach Grad und Art der Behinderung, können diese beispielsweise von Ermäßigung in Schwimmbädern oder Museen über gesonderte Parkplätze bis hin zur unentgeltlichen Beförderung im Nahverkehr reichen.

Was spricht aus Arbeitgeber-Sicht für einen Schwerbehindertenausweis?

Bei all den Vorteilen für einen selbst stellt sich natürlich auch die Frage, wie Arbeitnehmer mit Schwerbehindertenhinweis von Arbeitgebern angenommen werden.

Wenn ein Unternehmen einen Schwerbehinderten einstellt, hat das folgende Vorteile:

  • Schwerbehinderte sind meist loyal und motivierter (nicht zuletzt aus Dankbarkeit).
  • Kunden honorieren es, wenn ein Unternehmen mit der Einstellung von schwerbehinderten Bewerber soziale Verantwortung übernimmt.
  • Dem Unternehmen werden Fördermittel zur Verfügung gestellt.
  • Unternehmen müssen Ausgleichsabgaben zahlen, wenn ein bestimmter Anteil schwerbehinderter Angestellter, abhängig von der Größe des Unternehmens, nicht erreicht wird.
  • Schwerbehinderte sind oft vollwertige Arbeitskräfte.
  • Während der Probezeit können auch Schwerbehinderte gekündigt werden.
  • Speziell auf viele Typ1er bezogen: Der Diabetes treibt zu mehr Eigenverantwortung, Disziplin, Ehrgeiz und Motivation.

Was spricht aus Arbeitgeber-Sicht gegen einen Schwerbehindertenausweis?

Damit leite ich zu den Punkten über, die ein Unternehmen dazu veranlassen könnte, Schwerbehinderte nicht einzustellen:

  • Schwerbehinderter kann Überstunden ablehnen
  • hat Kündigungsschutz und
  • die fünf zusätzlichen Urlaubstage, die Schwerbehinderten zustehen, können Unternehmen zögern lassen, jemanden mit einem Schwerbehindertenausweis einzustellen.

Die Vorteile überwiegen dennoch klar. Es gibt sogar zahlreiche Unternehmen, die Menschen mit Schwerbehinderung bevorzugt einstellen (achtet darauf mal in den Stellenausschreibungen, falls es euch noch nicht schon aufgefallen ist).

Viele Diabetiker fühlen sich nicht „schwerbehindert“. Ich persönlich sehe das so: Es kann passieren, dass ich einmal auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen bin, beispielsweise bei einer schweren Unterzuckerung. Die fünf zusätzlichen Urlaubstage, die mir durch den Schwerbehindertenausweis zustehen, finde ich gerechtfertigt. Schließlich muss ich auch viel Zeit bei Ärzten verbringen und auch im Alltag raubt mir der Diabetes kostbare Zeit. Die Steuervorteile, die ich durch den Schwerbehindertenausweis habe, gehen für Medikamente und Therapiehilfsmittel locker wieder drauf.

Die nächste Frage, die sich mir dann stellte, nachdem mein Antrag mit 50 Prozent durch war, ob man mit offenen Karten spielen, auf seinen Diabetes und den Schwerbehindertenausweis, etwa bei Vorstellungsgesprächen eingehen sollte. Wenn man etwa die zusätzlichen Urlaubstage, Kündigungsschutz und Steuervorteile bekommen möchte, dann muss man den Schwerbehindertenausweis auch dem Arbeitgeber vorlegen! Dessen sollte man sich bewusst sein.

Es bleibt einem selbst überlassen, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Bei mir hat es 11 Jahre gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe. Ich bereue meine Entscheidung jedoch nicht! Bisher hat er mir nur Vorteile gebracht.