Fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund. Laut Schätzungen sind etwa 600.000 davon an Diabetes mellitus erkrankt. Experten vermuten, dass die Dunkelziffer noch höher ist, unter anderem durch die Zuwanderung in den letzten Jahren. Aufgrund von kulturellen, sprachlichen und häufig auch bildungsbedingten Barrieren lässt sich die tatsächliche gesundheitliche Lage von Menschen mit Migrationshintergrund nur schwer erfassen. Die Versorgung dieser Gruppe ist jedoch schlechter als die der Gesamtbevölkerung. Darauf weisen diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) hin.

Diabetiker mit Migrationshintergrund

Diabetiker mit Migrationshintergrund: Da deren medizinische Versorgung viel zu wünschen übrig lässt, haben Diabetes-Organisationen eine Aufklärungsoffensive gestartet. ©Dieter Schütz / PIXELIO


Um eine bessere Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund in das Gesundheitssystem zu fördern, hat diabetesDE zusammen mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) 2014 das Spendenprojekt „Diabetesberatung auf Rädern“ aus der Taufe gehoben, das unter anderem vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt wird. Das Unterfangen, das unter Mitwirkung des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) gestemmt wird, setzt sehr erfolgreich ein Diabetes-Info-Mobil ein – eine mobile Diabetesberatungsstelle mit Sofort-Diagnostik und mehrsprachigen Diabetesberaterinnen. 2016 war das Info-Mobil in 16 Einsätzen unterwegs, um Menschen mit türkischstämmigem Migrationshintergrund über Diabetes aufzuklären. Dabei stellten sich knapp 700 Menschen dem Diabetes-Risiko-Test. Mehr als ein Viertel der Personen wies ein erhöhtes Risiko auf und wurde weitergehend untersucht.

Allein von den knapp zwei Millionen Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, leiden fast 300.000 an Diabetes. Das sind prozentual fast doppelt so viele wie in der deutschen Bevölkerung. Für Menschen mit Migrationshintergrund aus anderen Ländern liegen noch keine Zahlen vor. Immer noch verhindern bei vielen Betroffenen Sprachbarrieren und kulturelle Besonderheiten, wie Ernährungsgewohnheiten, Geschlechterrollen und Familienstrukturen, notwendige, regelmäßige Arztbesuche.

Der gleichberechtigte Zugang zur gesundheitlichen Versorgung ist ein Grundrecht für alle Bürger in Deutschland und sollte auch für alle Menschen mit Migrationshintergrund unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit selbstverständlich sein. Daher hat diabetesDE gemeinsam mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem VDBD einen „Gesundheitspass Diabetes“ in deutsch-türkischer Sprache herausgegeben. diabetesDE bietet außerdem kostenlos den Diabetes-Dolmetscher an.