Diabetiker auf Jobsuche: Schweigen ist (meistens) Gold

Über ihre Stoffwechselerkrankung sollten Diabetiker während des Vorstellungsgespräches kein Wort verlieren. Foto: djd/Stefan Verra
Über ihre Stoffwechselerkrankung sollten Diabetiker während des Vorstellungsgespräches kein Wort verlieren. Foto: djd/Stefan Verra

Selbstverständlich sollten Diabetiker offen mit ihrer Stoffwechselerkrankung umgehen. Doch in Sachen Vorstellungsgespräch gilt es, den Diabetes zu verschweigen und im Notfall auch zu verleugnen. Denn: Leider glauben noch viele Arbeitgeber, dass „zuckersüße“ Menschen weniger leistungsfähig sowie risikobehaftet sind – das ist die traurige Wahrheit.

Fakt ist, dass Diabetiker im Grunde genommen jeden Beruf ausüben können. Ausnahmen bilden allenfalls Tätigkeiten, bei denen man einen Vollkörperschutzanzug tragen muss, der im Notfall nicht schnell genug ausgezogen werden kann (z.B. Berufsfelder in Sicherheitslabors, Atomkraftwerken sowie Tiefseetaucher). Grundsätzlich sollte klar sein: Diabetes ist keine ansteckende Krankheit und beeinträchtigt keinesfalls die Arbeitsfähigkeit.

Aus diesen Gründen ist es Arbeitsgebern in der Regel auch nicht gestattet, im Verlauf des Vorstellungsgesprächs danach zu fragen. Gleiches gilt in puncto Schwangerschaft, Kinderwunsch, sexuelle Neigung und Religion. Denn: Laut Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) ist eine allgemein gehaltene Gesundheitsfrage ohne konkreten Anlass nicht zulässig. Fragen nach dem Gesundheitszustand können höchstens gestellt werden, wenn eine Erkrankung die Eignung des Bewerbers „entweder erheblich beeinträchtigt oder aufhebt“ (Az.: BAG, 2 AZR 279/83).

Großen Bammel vor ihrem Vorstellungsgespräch hatte auch Christiane. „Meine Diabetesberaterin hat mir eingebläut, meine Stoffwechselerkrankung auf keinen Fall zu erwähnen“, erzählt sie. „Jedoch war alle Aufregung umsonst: Mein jetziger Chef und ich waren uns von Anfang an sympathisch, von Krankheiten war gar nicht erst die Rede.“ Im ersten halben Jahr nach Beginn ihrer Ausbildung habe sie darauf Wert gelegt, dass weder ihre Kollegen noch ihr Chef etwas von ihrem Typ-1-Diabetes mitbekommen. „Gemessen und gespritzt habe ich immer auf der Toilette, und gebetet, dass direkt nach dem Injizieren des Insulins kein Telefon klingelt oder ein spontanes Meeting anberaumt wird“, erläutert die gelernte Bürokauffrau. „Später, als ich Vertrauen zu meinen Kollegen gefasst hatte, bin ich offen mit dem Diabetes umgegangen. So reichten sie mir bereits nach kurzer Zeit ein Glas Saft oder Traubenzucker, wenn ich begann, Unsinn zu erzählen. Berührungsängste mir gegenüber waren für sie tabu.“

Irgendwann bekam Christianes Chef Wind von ihrer Diabeteserkrankung. „Er hat das ganz locker gesehen – und bezeichnet mich manchmal scherzhaft als ‚unsere zuckersüße Chrissie‘. Schließlich gab es für ihn auch keinen Grund zur Beschwerde: Ich war während meiner Ausbildung kaum krank und habe meine Aufgaben immer erfüllt.“ Deshalb war es für Christiane auch keine große Überraschung, dass sie nach bestandener Abschlussprüfung weiterhin für ihren Arbeitgeber tätig ist.

„Wir Zuckersüßen sind eben leicht zu handeln und extrem liebenswert“, lacht sie.

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