Kategorie: Wissen

fixierungstipps omnipod sensor

Fixierungstipps für Sensor und Pod: So halten sie besser

Wir haben heute Fixierungstipps für euch zusammengestellt. Denn eigentlich sollen CGM-Sensoren und der Pod des Omnipod-Systems mehrere Tage bzw. sogar ein bis zwei Wochen auf der Haut kleben, aber das funktioniert oft nicht so, wie man es sich wünscht. Wenn man schwitzt oder Sport treibt, kann es passieren, dass sich das Pflaster teilweise löst oder sogar ganz abfällt. Das ist ärgerlich, auch im Hinblick auf die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Regelmäßiger Mehrbedarf muss erklärt, verordnet und beantragt werden. 

Um das zu vermeiden hilft am besten eine zusätzliche Fixierung. Möglich ist das z. B. mit Tragebändern, Pflastern oder Tapes. 

Fixierungstipps

Wir haben heute ein paar wichtige Tipps zur Fixierung für euch zusammengefasst.

Die Haut vorbereiten 

Wie gut Pod und Sensoren kleben, hängt auch von der Vorbereitung ab. Die Haare an der vorgesehenen Einführungsstelle sollten rasiert und die Haut mit einem geeignete Mittel auf Alkoholbasis, z. B. Cutasept, eingesprüht werden. Das desinfiziert und entfettet die Haut. Anschließend trocknen lassen (kein Pusten und Wedeln der Hände, da sonst wieder Keime und Bakterien in die desinfizierte Stelle gelangen können). Dann kann der Pod bzw. Sensor aufgeklebt werden. 

Fixiermöglichkeiten

Wie man nun fixiert, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Sicheren Halt bietet z. B ein Trageband oder auch Fixierband genannt, das speziell für den Sensor oder Pod hergestellt wurde. Hier könnt ihr die Fixierbänder in verschiedenen Farben und Varianten bestellen: Zu den Fixierbändern

Alternativ können vorgestanzte Pflaster verwendet werden, die es für FreeStyle Libre (2+3), Dexcom, Guardian und Omnipod gibt. Hier könnt ihr die Fixierungspflaster in verschiedenen Farben und Varianten bestellen: Zu den Fixierungspflastern

Auch Pflaster wie Fixomull oder Kinesiotapes von der Rolle, passend zugeschnitten, sind geeignet. Hier könnt ihr die Tapes in verschiedenen Farben und Varianten bestellen: Zu den Tapes

Wie es gemacht wird, zeigen die Praxistipps „Hautschutz und Fixierung“ von DIASHOPDIASHOP hat sich auf das Thema Hautschutz und Fixierung spezialisiert und bietet eine große Auswahl passender Produkte: www.diashop.de/fixierung

Capteur: Unterklebe- und Fixierpflaster für Sensoren

Endlich exklusiv in Deutschland auf den Markt gekommen und bei DIASHOP erhältlich: Capteur Protect! Das sind Fixierpflaster und hypoallergene Unterklebepflaster für CGM-Sensoren. Die Pflaster sind latexfrei und besonders hautfreundlich, da sie ohne IBOA (Isobornyl Acrylate) auskommen, die häufig für Allergien verantwortlich sind! 

Auf dem ein oder anderen Diabetes-Kongress waren sie bereits zu sehen und in den sozialen Netzwerken ist die Nachfrage danach riesig. Nun auch bei DIASHOP erhältlich. Ich durfte sie bereits selbst testen. Die Pflaster sind richtig angenehm zu tragen, ultra soft und flexibel und lassen sich auch einfach wieder entfernen. Besonders für Allergiker ein Gamechanger. Das Unterklebepflaster habe ich unter meinem Dexcom G6 getestet. Es wirkt wie eine Barriere zwischen der Haut und dem Sensor und verhindert Allergien oder Hautreaktionen. Man entfernt dazu einfach den Teil, der den Kleber des Sensorpflaster schützt und klebt den Gewebeteil des Capteur Pflasters auf den Klebeteil des Sensors. Dabei muss man nur auf die Position der Sensoröffnung achten. 

Die Fixierpflaster von Capteur Protect sind passend für den Dexcom G6, G7 und Freestyle Libre 3, die Unterklebepflaster sind für den Dexcom G6 geeignet. Das Fixierpflaster hält auch bei intensiven Trainingseinheiten oder Wassersportaktivitäten bis zu 10 Tage. Am besten hält es auf rasierter bzw. enthaarter, gereinigter und getrockneter Haut. Versteht sich von selbst, dass die Haut frei von Cremes, Lotionen und Ölen sein sollte. Das Pflaster dann einfach sorgfältig und komplett aufkleben und 45 bis 60 Minuten warten, bevor man schwimmt, duscht oder Sport treibt. 

Die Pflaster von Capteur Protect werden unabhängig von den Herstellern der Glukosesensoren und Insulinpumpen entwickelt und vermarktet. Bei den Pflastern handelt es sich um ein medizinisches Hilfsmittel der Klasse I, das nicht von der Krankenversicherung erstattet wird. Nice to know: Der Hersteller empfiehlt die Aufbewahrung zwischen 5 und 30 Grad Celsius und das Verfallsdatum liegt bei 5 Jahren. 

Hier könnt ihr die Pflaster von Capteur Protect bestellen: https://www.diashop.de/markenshop/capteur

Wie kann ich das Pflaster wieder lösen?

Zum Lösen des Pflasters gibt es spezielle Produkte bei DIASHOP, z. B. Dermasol Spray. Auch Babyöl ist geeignet. Das Pflaster vom äußeren Rand nach innen vorsichtig ablösen.

 

Fully closed loop myeline

Erstes kommerzielles Fully Closed Loop: CamAPS Liberty

Eine neue Entwicklung könnte den Alltag vieler Menschen mit Typ-1-Diabetes deutlich erleichtern: Mit CamAPS Liberty stellen mylife Diabetes Care und CamDiab erstmals eine kommerziell verfügbare Fully-Closed-Loop-Option vor.

Die neue Funktion ist Teil der bekannten CamAPS FX-App und wird im automatisierten Insulinabgabesystem mylife Loop eingesetzt. Ziel ist es, die Diabetes-Therapie noch stärker zu automatisieren – und die tägliche Entscheidungsbelastung für Betroffene zu reduzieren. 

Was bedeutet „Fully Closed Loop“?

Bisherige automatisierte Insulinabgabesysteme arbeiten meist als Hybrid-Closed-Loop:

Sie regulieren die Basalinsulinabgabe automatisch, verlangen aber weiterhin manuelle Mahlzeitenboli und Kohlenhydratangaben.

Die neue Liberty-Funktion geht einen Schritt weiter.

Wenn sie aktiviert wird:

  • müssen keine Kohlenhydrate mehr gezählt werden
  • kein manueller Mahlzeitenbolus ist nötig
  • ein weiterentwickelter Algorithmus reagiert automatisch auf Glukoseveränderungen

Der Algorithmus versucht dabei, Glukoseanstiege frühzeitig zu erkennen und innerhalb festgelegter Sicherheitsgrenzen automatisch gegenzusteuern. 

Wie funktioniert das System?

Das System basiert auf drei Komponenten:

  • der Insulinpumpe mylife YpsoPump
  • der Algorithmus-App CamAPS FX
  • einem kompatiblen CGM-Sensor, etwa FreeStyle Libre 3 oder Dexcom

Der Sensor misst kontinuierlich die Glukosewerte, der Algorithmus berechnet daraus den Insulinbedarf und steuert automatisch die Insulinpumpe. 

Mehr Lebensqualität im Fokus

Nach Angaben der Hersteller soll die neue Funktion vor allem in Situationen helfen, in denen Diabetesmanagement besonders belastend sein kann – etwa bei Stress, Reisen oder unregelmäßigen Tagesabläufen. Das Ziel: weniger Therapieentscheidungen im Alltag und mehr Lebensqualität für Menschen mit Typ-1-Diabetes. 

Professor Roman Hovorka, Entwickler des Algorithmus, bezeichnete die Einführung als einen wichtigen Meilenstein für die Diabetes-Community und sprach vom Beginn einer kommerziell verfügbaren Fully-Closed-Loop-Technologie. 

Noch nicht für alle geeignet

Die neue Funktion befindet sich aktuell in der Markteinführung und ist noch nicht für alle Personengruppen freigegeben.

Laut Hersteller gilt derzeit:

  • nicht getestet für Schwangere
  • aktuell nicht empfohlen für Kinder unter 13 Jahren

Die Verfügbarkeit kann außerdem je nach Land und regulatorischer Zulassung variieren. 

Fazit

Mit der Einführung von CamAPS Liberty kommt die Diabetes-Technologie einen großen Schritt näher an das Ziel eines echten „künstlichen Pankreas“. Ein System, das Insulin vollständig automatisiert steuert – ohne Kohlenhydrate zählen oder Bolus abgeben zu müssen, könnte den Alltag vieler Menschen mit Typ-1-Diabetes künftig deutlich vereinfachen.

Quelle:

Pressemitteilung von mylife Diabetes Care und CamDiab, 10. März 2026

https://www.mylife-diabetescare.com

Blutzuckermessgerät Contour Next

Warum ein Blutzuckermessgerät trotz CGM weiterhin sinnvoll ist

Moderne CGM-Systeme (Continuous Glucose Monitoring) haben das Diabetes-Management revolutioniert. Sie zeigen Trends, warnen vor Unter- oder Überzuckerungen und liefern nahezu rund um die Uhr Glukosedaten.

Doch trotz dieser technologischen Fortschritte bleibt ein klassisches Blutzuckermessgerät ein wichtiger Bestandteil der Therapie – auch für Menschen mit rtCGM oder FGM.

CGM misst nicht direkt im Blut

Ein entscheidender Unterschied:

CGM-Systeme messen die Glukose im Gewebe (Interstitium), nicht direkt im Blut. Zwischen Blut- und Gewebezucker besteht eine physiologische Verzögerung von etwa 5–15 Minuten – insbesondere bei schnellen Veränderungen, zum Beispiel:

  • nach dem Essen
  • bei sportlicher Aktivität
  • bei schnellen Korrekturen
  • in Hypoglykämie-Situationen

In solchen Momenten kann eine kapillare Blutzuckermessung den aktuelleren Referenzwert liefern. Wenn Symptome und Sensorwert nicht zusammenpassen

Viele Menschen mit Diabetes kennen die Situation:

Der Sensor zeigt 110 mg/dl – aber man fühlt sich eindeutig unterzuckert.

In solchen Fällen empfehlen auch Fachgesellschaften, eine blutige Kontrollmessung durchzuführen. Sie dient als Sicherheitscheck und hilft, Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Sensorabweichungen erkennen

Auch moderne Sensoren können vorübergehend ungenau sein – etwa:

  • in den ersten 24 Stunden nach dem Setzen
  • bei Druck auf die Messstelle („Compression Lows“)
  • bei Dehydrierung
  • bei technischen Problemen

Ein präzises Blutzuckermessgerät ermöglicht es, diese Abweichungen zu erkennen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Therapieentscheidungen absichern

Insulinabgaben – insbesondere größere Korrekturen – basieren auf konkreten Zahlen. In Situationen mit hohen oder sehr niedrigen Werten kann eine zusätzliche Blutmessung mehr Sicherheit geben.

Gerade bei:

  • schweren Hypoglykämien
  • stark erhöhten Werten
  • Krankheit
  • ketonverdächtigen Situationen

ist eine genaue Referenzmessung sinnvoll.

Backup für den Ernstfall

Technik kann ausfallen. Sensoren können sich lösen, Transmitter können Probleme machen, Smartphones können leer sein. Ein funktionierendes Blutzuckermessgerät bleibt daher ein essenzielles Backup – unabhängig vom verwendeten CGM-System.

Moderne Messgeräte: Mehr als nur „Fingerpieks“

Moderne Systeme wie das Contour Next bieten heute:

  • hohe Messgenauigkeit
  • Farbsignale zur schnellen Einordnung der Werte
  • Bluetooth-Übertragung an Smartphone-Apps
  • Speichermöglichkeiten für Verlaufskontrolle
  • Second-Chance® Sampling zur Vermeidung unnötiger Teststreifen

Damit ist das Blutzuckermessgerät kein Konkurrenzprodukt zum Sensor, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Fazit

CGM-Systeme liefern Trends, Alarmfunktionen und wertvolle Verlaufskurven. Die kapillare Blutzuckermessung liefert den direkten Referenzwert. Beides zusammen erhöht die Sicherheit, unterstützt fundierte Therapieentscheidungen und gibt Menschen mit Diabetes ein zusätzliches Maß an Kontrolle im Alltag.

Ketoazidose

Die diabetische Ketoazidose – Ursachen, Symptome und Therapie 

Die wohl am häufigsten unterschätzte oder nicht diagnostizierte Stoffwechselentgleisung – die diabetische Ketoazidose – Ursachen, Symptome und Therapie von Ulrike Thurm, Diabetesberaterin DDG, Gesundheitsreferentin Diashop GmbH 

Die diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine der gefährlichsten Stoffwechselentgleisungen bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes. Sie entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit Insulin komplett fehlt. Ohne Insulin kann die Glukose nicht in die Zellen gelangen. Der Körper beginnt, Fett als Ersatzenergie zu verbrennen – dabei entstehen Ketone, die das Blut „übersäuern“. Diese Übersäuerung kann lebensbedrohlich werden. 

Typische Anzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, schnelle tiefe Atemung („Kussmaulatmung“) und ein nach Aceton (wie faule Äpfel oder Nagellackentferner) riechender Atem. Wird die Ketoazidose nicht rechtzeitig behandelt, kann sie zum Koma und im schlimmsten Fall zum Tod führen. 

Besonders gefährdet sind Menschen, die eine Insulinpumpe oder ein AID-System (automatisierte Insulinzufuhr) nutzen. Da diese Systeme nur kurzwirksames Insulin abgeben, kann schon ein kleiner technischer Defekt – z. B. ein verstopfter Katheter – innerhalb weniger Stunden einen gefährlichen Insulinmangel auslösen. Auch Infekte, Stress, falsche Bedienung der Pumpe oder schlechtes Insulin (zu heiß oder zu kalt geworden) können eine DKA auslösen. 

Um eine Ketoazidose rechtzeitig zu erkennen, ist die Blut-Ketonmessung am zuverlässigsten. Urintests zeigen diese Entgleisung meist zu spät an oder können durch andere Substanzen, wie z.B. Vitamin C ungenau oder falsche Ergebnisse liefern. Internationale Fachgesellschaften empfehlen deshalb übereinstimmend die Blutketonmessung. 

Bei hohen Glukosewerten über 250 mg/dl oder 13,9 mmol/L und Unwohlsein sollten sofort Ketone im Blut gemessen werden. Bei erhöhten Werten (≥ 1,5 mmol/L) ist es wichtig, genug zu trinken und zusätzlich Insulin mit einer Einmalspritze zu geben. Wenn Erbrechen auftritt, die Beschwerden schlimmer werden oder Unsicherheit besteht, muss sofort ärztliche Hilfe geholt werden. 

Wie wird eine Eigentherapie der Ketoazidose durchgeführt (Wichtiger Hinweis: Die Eigentherapie ist nur möglich, wenn man vom eigenen Diabetesteam darin geschult wurde, genau weiß, welche Insulindosis im Notfall gespritzt werden sollte und Zugang zu funktionierenden Blutketonmessstreifen hat.):  Die Eigentherapie ist nur für Menschen geeignet, die wach, orientiert, nicht stark erbrochen haben und in der Lage sind, zu trinken und die Anweisungen umzusetzen. Sobald Unsicherheit besteht, die Beschwerden zunehmen, starkes Erbrechen vorliegt oder man sich sehr schlecht fühlt, ist sofort ärztliche Hilfe notwendig. Oder Sie vereinbaren mit Ihrem Diabetesteam diesbezüglich pragmatische Regeln: (hier ein Zitat von Dr. Simone von Sengbusch, Oberärztin, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Campus Lübeck auf der DDG Herbsttagung in Mannheim am 07.11.2025 bezüglich der Höhe der Blutketonwerte): 

Bei Werten größer 3 – eil herbei“ 

1. Wichtiger erster Schritt: Insulin immer mit einer Einmalspritze injizieren 

Bei der Behandlung einer Ketoazidose muss Insulin immer mit einer Einmalspritze gespritzt werden, nicht über die Pumpe. Warum? 

  • Die Pumpe könnte defekt sein. 
  • Der Katheter könnte abgeknickt, verstopft, herausgerutscht etc. sein… 

Folglich würde sich der absolute Insulinmangel und damit die Ketoazidose gar nicht oder zu langsam bessern. 

Viele Diabetesteams empfehlen in dieser Situation eine vorher vereinbarte feste Insulinmenge, meist etwa 10–15 Einheiten bei Erwachsenen oder etwa 15 – 20 % der persönlichen Tagesinsulindosis (diese Zahl sollte jeder Mensch mit Typ-1-Diabetes von seinem Diabetesteam kennen). 

2. Flüssigkeit ist entscheidend: viel trinken! 

Der Körper verliert bei einer beginnenden Ketoazidose viel Flüssigkeit, deshalb: 

  • Pro Stunde etwa 1 Liter trinken, z. B. Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe. 
  • Keine süßen Getränke und möglichst keine kohlensäurehaltigen Getränke. 

Trinken hilft, Ketone auszuspülen und den Kreislauf zu stabilisieren. 

3. Blutzucker und Blutketone engmaschig kontrollieren 

Um zu sehen, ob die Behandlung wirkt: 

  • Blutzucker alle 1–2 Stunden messen (auch wenn ein CGM genutzt wird). 
  • Blutketone alle 30 Minuten messen. 

Nur Blutketontests zeigen zuverlässig und schnell, ob die Schwere der Entgleisung abnimmt – Urintests sind hier ungeeignet. 

4. Regelmäßige Insulingaben wiederholen 

Wenn der Glukosewert weiter ansteigt oder die Ketone nicht abfallen, werden etwa alle 1–2 Stunden erneut kleine Mengen kurzwirksamen Insulins mit einer Spritze injiziert. Die genaue Dosis sollte vorher mit dem Diabetesteam festgelegt und an einem sicheren Ort notiert sein (z. B. im Smartphone) Hier die Vallet Handykarte verlinken 

5. Nicht alleine bleiben – Ruhe, aber nicht schlafen 

Eine beginnende Ketoazidose kann sich rasch verschlechtern. Deshalb ist es wichtig: 

  • Eine zweite Person zu informieren. 
  • Nicht schlafen, bis die Werte sicher fallen. 
  • Bei Unsicherheit das Diabeteszentrum telefonisch kontaktieren. 

6. Wann ist die Ketoazidose überwunden? 

Die Eigentherapie gilt erst dann als erfolgreich, wenn: 

  • der Blutzucker unter 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt 
  • die Blutketone unter 0,6 mmol/l sind 

Wenn der Glukosewert dann weiterhin stark abfällt, sollte man rechtzeitig 2–3 BE essen, um eine mögliche Unterzuckerungen zu vermeiden. Bananen sind wegen des Kaliumgehalts empfehlenswert, wenn diese zu Hause vorhanden sind. 

7. Erst jetzt, wenn das Hirn wieder voll funktionstüchtig ist und alle Symptome überwunden sind, sollte man der Ursache der Ketoazidose auf den Grund gehen und die Pumpe, das Infusionsset, den Algorithmus etc. auf mögliche Probleme hin untersuchen. Bevor die Pumpen- oder AID – Therapie fortgesetzt wird: 

  • Katheter wechseln 
  • Reservoir/Ampulle erneuern 
  • Insulin kontrollieren (Hitze? Frost?) 
  • Pumpe und AID – System kontrollieren etc. 

Erst danach die Pumpe oder das AID System wieder anschalten. Wie Sie dem Algorithmus Ihres AID – Systems jetzt das im Körper befindliche, durch die Spritze injizierte Insulin „mitteilen“, hängt vom genutzten Algorithmus ab. Bitte besprechen Sie dies auch im Vorfeld mit Ihrem Diabetesteam. 

Eine Ketoazidose lässt sich sehr gut verhindern: durch regelmäßiges Messen, aktivierte CGM-Alarme, funktionierende Technik und das Wissen über Warnzeichen. Wiederholte Schulungen helfen, im Alltag sicher zu bleiben. In Zukunft könnten Sensoren, die gleichzeitig Zucker und Ketone messen, die Sicherheit weiter erhöhen. 

In Anlehnung an: CGM – und Insulinpumpenfibel: https://www.diashop.de/cgm-und-insulinpumpenfibel-4-auflage-2023-1-buch.html, Autoren: Ulrike Thurm & Bernhard Gehr oder: AID – Fibel, Grundlagen https://www.diashop.de/aid-fibel-grundlagen-grundlagen-der-automatisierten-insulindosierung-1-buch.html Autorenteam: Bernhard Gehr, Ulrike Thurm, Sarah Biester, Stefan Gölz, Jens Kröger, Simone von Sengbusch, Karin Lange

KetoazidosehilfefürBrieftasche (hier runterladen)

Von der Pumpe zurück zum Pen – was ihr bei der Umstellung beachten solltet

Viele Menschen mit Diabetes überlegen, für eine Zeit auf ihre Insulinpumpe zu verzichten – zum Beispiel im Urlaub. Wir haben mit unserer DIASHOP Gesundheitsreferentin und Diabetesberaterin Ulrike Thurm darüber gesprochen, worauf es beim Wechsel zurück auf ICT/Pen ankommt. 

Redaktion: Viele nehmen die Umstellung von der Insulinpumpe zum Pen gerade im Urlaub vor oder wünschen sich einfach mal eine Pumpenpause. Warum kann es sinnvoll sein, für eine Zeit oder dauerhaft zurück auf Pen/ICT zu wechseln?

Ulrike Thurm: Eine Pause kann geplant sein – oder plötzlich nötig werden, etwa durch einen technischen Defekt. Fällt die Pumpe unerwartet aus, ist schnelles Handeln gefragt. Praktische Tipps dazu finden Sie in der AID-Fibel (Kapitel 7 – erhältlich bei DIASHOP).

Oft geht es aber auch um mehr Freiheit im Alltag, gerade im Urlaub: Ohne Pumpe lässt es sich unbeschwerter Beachvolleyball spielen, am Strand sonnen oder ins Wasser springen – ohne sich Gedanken über Sonnenhitze, Wasserfestigkeit oder einen möglichen Geräteverlust machen zu müssen. Letzterer ist übrigens nicht versichert – eine entsprechende Absicherung ist daher sehr empfehlenswert.

Redaktion: Welche Punkte sollte man unbedingt mit dem Diabetesteam klären, bevor man die Pumpe ablegt und auf ICT umstellt?

Ulrike Thurm: Wichtig ist, rechtzeitig zu planen – idealerweise zwei bis drei Wochen vor dem Urlaub. Viele Nutzer:innen einer AID-Therapie haben inzwischen vergessen, warum sie ursprünglich von der ICT zur Pumpe gewechselt sind: etwa wegen des Dawn-Phänomens bzw. ständig hoher Morgenwerte.

Auch Alltagssituationen können wieder zur Herausforderung werden: ein Eis an der Strandpromenade, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wo und wie man unauffällig spritzt. Oder das Fünf-Gänge-Menü im Hotel – soll man wirklich zu jedem Gang separat spritzen, ohne genau zu wissen, wann und wie viele Kohlenhydrate serviert werden? Und wie geht man bei ICT mit Fett-Protein-Effekten um?

Ein zentraler Punkt ist zudem die Auswahl des passenden Basalinsulins in der richtigen Dosis. Dafür braucht es Planung und Absprache mit dem Diabetesteam.

Redaktion: Wie findet man die richtige Basaldosis, wenn man bisher mit flexibler Basalrate an der Pumpe gearbeitet hat?

Ulrike Thurm: Das dauert – meist etwa eine Woche unter Alltagsbedingungen. Im Urlaub können klimatische Veränderungen, mehr Bewegung oder andere Essgewohnheiten die Werte zusätzlich beeinflussen. Ob man einmal oder zweimal täglich spritzt und welches Insulin am besten passt ist sehr individuell.

Redaktion:  Welche Unterschiede spürt man sofort im Alltag – etwa beim Sport, auf Reisen oder beim Essen?

Ohne AID-System fehlt vor allem die nächtliche Sicherheit. Der Algorithmus stabilisiert normalerweise die Werte im Schlaf und schützt zuverlässig vor Hypo- oder Hyperglykämien.

Auch beim späten Abendessen hilft das System, indem es auf verzögert aufgenommene Kohlenhydrate mit zusätzlichem Insulin reagiert. Im Urlaub zeigt sich die Stärke der AID-Technologie besonders: Sie passt sich automatisch an – ob mehr Insulin an entspannten Tagen in der Hängematte oder weniger bei viel Bewegung wie beim Sightseeing oder Wandern.

(Informationen zur Anpassung der AID – Systeme bei wechselnder Insulinempfindlichkeit: Diabetes und Sportfibel)

Redaktion:  Was sind die wichtigsten Tipps, damit die Umstellung reibungslos klappt?

Ulrike Thurm: Gute Vorbereitung ist das A und O. Klären Sie im Vorfeld gemeinsam mit Ihrem Diabetesteam, welches Insulin Sie wann und in welcher Menge spritzen und testen Sie es ausreichend vorher im Alltag. Entscheiden Sie dann, ob Sie einen kompletten Umstieg wollen oder ggf. tagsüber Basalinsulin spritzen und ab dem späten Nachmittag dann wieder Ihr AID-System mit allen Vorzügen besonders in der Nacht nutzen wollen. Kurz gesagt: Eine komplette Umstellung kann viel mehr Aufwand bedeuten, als die „Belastung“ durch ein AID-System und will gut überlegt sein. Einen „Urlaub vom Diabetesmanagement“ gibt es sowieso nicht – denn den Diabetes kann man auch im Urlaub nicht zu Hause lassen.