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Ketoazidose

Die diabetische Ketoazidose – Ursachen, Symptome und Therapie 

Die wohl am häufigsten unterschätzte oder nicht diagnostizierte Stoffwechselentgleisung – die diabetische Ketoazidose – Ursachen, Symptome und Therapie von Ulrike Thurm, Diabetesberaterin DDG, Gesundheitsreferentin Diashop GmbH 

Die diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine der gefährlichsten Stoffwechselentgleisungen bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes. Sie entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit Insulin komplett fehlt. Ohne Insulin kann die Glukose nicht in die Zellen gelangen. Der Körper beginnt, Fett als Ersatzenergie zu verbrennen – dabei entstehen Ketone, die das Blut „übersäuern“. Diese Übersäuerung kann lebensbedrohlich werden. 

Typische Anzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, schnelle tiefe Atemung („Kussmaulatmung“) und ein nach Aceton (wie faule Äpfel oder Nagellackentferner) riechender Atem. Wird die Ketoazidose nicht rechtzeitig behandelt, kann sie zum Koma und im schlimmsten Fall zum Tod führen. 

Besonders gefährdet sind Menschen, die eine Insulinpumpe oder ein AID-System (automatisierte Insulinzufuhr) nutzen. Da diese Systeme nur kurzwirksames Insulin abgeben, kann schon ein kleiner technischer Defekt – z. B. ein verstopfter Katheter – innerhalb weniger Stunden einen gefährlichen Insulinmangel auslösen. Auch Infekte, Stress, falsche Bedienung der Pumpe oder schlechtes Insulin (zu heiß oder zu kalt geworden) können eine DKA auslösen. 

Um eine Ketoazidose rechtzeitig zu erkennen, ist die Blut-Ketonmessung am zuverlässigsten. Urintests zeigen diese Entgleisung meist zu spät an oder können durch andere Substanzen, wie z.B. Vitamin C ungenau oder falsche Ergebnisse liefern. Internationale Fachgesellschaften empfehlen deshalb übereinstimmend die Blutketonmessung. 

Bei hohen Glukosewerten über 250 mg/dl oder 13,9 mmol/L und Unwohlsein sollten sofort Ketone im Blut gemessen werden. Bei erhöhten Werten (≥ 1,5 mmol/L) ist es wichtig, genug zu trinken und zusätzlich Insulin mit einer Einmalspritze zu geben. Wenn Erbrechen auftritt, die Beschwerden schlimmer werden oder Unsicherheit besteht, muss sofort ärztliche Hilfe geholt werden. 

Wie wird eine Eigentherapie der Ketoazidose durchgeführt (Wichtiger Hinweis: Die Eigentherapie ist nur möglich, wenn man vom eigenen Diabetesteam darin geschult wurde, genau weiß, welche Insulindosis im Notfall gespritzt werden sollte und Zugang zu funktionierenden Blutketonmessstreifen hat.):  Die Eigentherapie ist nur für Menschen geeignet, die wach, orientiert, nicht stark erbrochen haben und in der Lage sind, zu trinken und die Anweisungen umzusetzen. Sobald Unsicherheit besteht, die Beschwerden zunehmen, starkes Erbrechen vorliegt oder man sich sehr schlecht fühlt, ist sofort ärztliche Hilfe notwendig. Oder Sie vereinbaren mit Ihrem Diabetesteam diesbezüglich pragmatische Regeln: (hier ein Zitat von Dr. Simone von Sengbusch, Oberärztin, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Campus Lübeck auf der DDG Herbsttagung in Mannheim am 07.11.2025 bezüglich der Höhe der Blutketonwerte): 

Bei Werten größer 3 – eil herbei“ 

1. Wichtiger erster Schritt: Insulin immer mit einer Einmalspritze injizieren 

Bei der Behandlung einer Ketoazidose muss Insulin immer mit einer Einmalspritze gespritzt werden, nicht über die Pumpe. Warum? 

  • Die Pumpe könnte defekt sein. 
  • Der Katheter könnte abgeknickt, verstopft, herausgerutscht etc. sein… 

Folglich würde sich der absolute Insulinmangel und damit die Ketoazidose gar nicht oder zu langsam bessern. 

Viele Diabetesteams empfehlen in dieser Situation eine vorher vereinbarte feste Insulinmenge, meist etwa 10–15 Einheiten bei Erwachsenen oder etwa 15 – 20 % der persönlichen Tagesinsulindosis (diese Zahl sollte jeder Mensch mit Typ-1-Diabetes von seinem Diabetesteam kennen). 

2. Flüssigkeit ist entscheidend: viel trinken! 

Der Körper verliert bei einer beginnenden Ketoazidose viel Flüssigkeit, deshalb: 

  • Pro Stunde etwa 1 Liter trinken, z. B. Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe. 
  • Keine süßen Getränke und möglichst keine kohlensäurehaltigen Getränke. 

Trinken hilft, Ketone auszuspülen und den Kreislauf zu stabilisieren. 

3. Blutzucker und Blutketone engmaschig kontrollieren 

Um zu sehen, ob die Behandlung wirkt: 

  • Blutzucker alle 1–2 Stunden messen (auch wenn ein CGM genutzt wird). 
  • Blutketone alle 30 Minuten messen. 

Nur Blutketontests zeigen zuverlässig und schnell, ob die Schwere der Entgleisung abnimmt – Urintests sind hier ungeeignet. 

4. Regelmäßige Insulingaben wiederholen 

Wenn der Glukosewert weiter ansteigt oder die Ketone nicht abfallen, werden etwa alle 1–2 Stunden erneut kleine Mengen kurzwirksamen Insulins mit einer Spritze injiziert. Die genaue Dosis sollte vorher mit dem Diabetesteam festgelegt und an einem sicheren Ort notiert sein (z. B. im Smartphone) Hier die Vallet Handykarte verlinken 

5. Nicht alleine bleiben – Ruhe, aber nicht schlafen 

Eine beginnende Ketoazidose kann sich rasch verschlechtern. Deshalb ist es wichtig: 

  • Eine zweite Person zu informieren. 
  • Nicht schlafen, bis die Werte sicher fallen. 
  • Bei Unsicherheit das Diabeteszentrum telefonisch kontaktieren. 

6. Wann ist die Ketoazidose überwunden? 

Die Eigentherapie gilt erst dann als erfolgreich, wenn: 

  • der Blutzucker unter 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt 
  • die Blutketone unter 0,6 mmol/l sind 

Wenn der Glukosewert dann weiterhin stark abfällt, sollte man rechtzeitig 2–3 BE essen, um eine mögliche Unterzuckerungen zu vermeiden. Bananen sind wegen des Kaliumgehalts empfehlenswert, wenn diese zu Hause vorhanden sind. 

7. Erst jetzt, wenn das Hirn wieder voll funktionstüchtig ist und alle Symptome überwunden sind, sollte man der Ursache der Ketoazidose auf den Grund gehen und die Pumpe, das Infusionsset, den Algorithmus etc. auf mögliche Probleme hin untersuchen. Bevor die Pumpen- oder AID – Therapie fortgesetzt wird: 

  • Katheter wechseln 
  • Reservoir/Ampulle erneuern 
  • Insulin kontrollieren (Hitze? Frost?) 
  • Pumpe und AID – System kontrollieren etc. 

Erst danach die Pumpe oder das AID System wieder anschalten. Wie Sie dem Algorithmus Ihres AID – Systems jetzt das im Körper befindliche, durch die Spritze injizierte Insulin „mitteilen“, hängt vom genutzten Algorithmus ab. Bitte besprechen Sie dies auch im Vorfeld mit Ihrem Diabetesteam. 

Eine Ketoazidose lässt sich sehr gut verhindern: durch regelmäßiges Messen, aktivierte CGM-Alarme, funktionierende Technik und das Wissen über Warnzeichen. Wiederholte Schulungen helfen, im Alltag sicher zu bleiben. In Zukunft könnten Sensoren, die gleichzeitig Zucker und Ketone messen, die Sicherheit weiter erhöhen. 

In Anlehnung an: CGM – und Insulinpumpenfibel: https://www.diashop.de/cgm-und-insulinpumpenfibel-4-auflage-2023-1-buch.html, Autoren: Ulrike Thurm & Bernhard Gehr oder: AID – Fibel, Grundlagen https://www.diashop.de/aid-fibel-grundlagen-grundlagen-der-automatisierten-insulindosierung-1-buch.html Autorenteam: Bernhard Gehr, Ulrike Thurm, Sarah Biester, Stefan Gölz, Jens Kröger, Simone von Sengbusch, Karin Lange

KetoazidosehilfefürBrieftasche (hier runterladen)

Zu hoch, zu tief: Der Blutzucker im Sommer

Der Blutzucker im Sommer stellt einige Menschen mit Diabetes vor große Herausforderungen… 

Die Sommer in Deutschland werden immer heißer. Der Körper leidet unter den hohen Temperaturen, die sich bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auch auf den Stoffwechsel auswirken können. Mit einem rtCGM-System hat man die Glukosewerte eigentlich immer im Blick. Trotzdem kann es bei Hitze zu gefährlichen Entgleisungen kommen.

Niedrige Werte – Gefahr einer Unterzuckerung

Hitze fördert die Durchblutung, dies wiederum führt dazu, dass Insulin schneller vom Körper aufgenommen wird. Wenn man dann noch aktiv unterwegs ist, beim Radfahren, Wandern oder Schwimmen zum Beispiel, kann der Blutzucker schneller in den Keller gehen als erwartet. Die Empfehlungen: Häufiger den Blutzucker messen, bzw. die Trendpfeile auf dem CGM-System im Blick behalten. Die Insulindosis vor sportlichen Ausflügen anpassen (bei der Insulinpumpe die Basalrate senken) und mit einem etwas höheren Blutzuckerwert starten.

Vor allem beim Schwimmen wird der Energieverbrauch durch Bewegung im kalten Wasser oft unterschätzt. Tipp: Auch ins Wasser kann Glukose mitgenommen werden – in flüssiger Form (z. B. Dextro Energy Liquid oder Lift Juice). Ideal beim Schwimmen oder Stand-up Paddling.

Hohe Werte – Gefahr einer Ketoazidose

Häufig unterschätzt wird die Gefahr, die im Sommer von erhöhten Blutzuckerwerten ausgeht. Dass die Werte nach einer Mahlzeit vorübergehend über 200 mg/ dl (11,1 mmol/l) ansteigen, passiert. Problematisch wird es jedoch, wenn sich keine Tendenz nach unten zeigt und Symptome wie starker Durst, Übelkeit, Harndrang und Müdigkeit hinzukommen. Dann bahnt sich möglicherweise eine Blutzuckerentgleisung (Ketoazidose) an.

Gewissheit gibt ein Ketontest, den vor allem Insulinpumpenträger ab einem Wert von 240 mg/dl (13,3 mmol/l) oder bei Symptomen einer Ketoazidose unbedingt durchführen sollten. Ein positiver Test (+++ im Urin bzw. ab 1,1 mmol/l im Blut) erfordert schnelles Handeln. Die Regeln: Ruhe bewahren, sich körperlich nicht anstrengen und nach den Empfehlungen des Diabetesteams aus der Schulung vorgehen.

Wer sich nicht sicher ist, wie die Behandlung einer Ketoazidose durchgeführt wird, sollte die individuelle Vorgehensweise und Therapieanpassung mit seinem Diabetesteam besprechen. Gute Informationen bieten auch die Kurzvideos von Ulrike Thurm in der Blood Sugar Lounge.

Bei Hitze kann Insulin ausflocken…

Bei Hitze kann Insulin ausflocken und verliert seine Wirkung. Insulin ist ein Eiweiß, das bei Temperaturen über 40 °C zerfällt und unbrauchbar wird. Dies kann bei Hitze schnell und vor allem unbemerkt passieren – im Sommer eine häufige Ursache für gefährliche Blutzuckerentgleisungen.

Insulin ausgeflockt

Wie ich mich von hohen Blutzuckerwerten nach dem Aufstehen verabschieden konnte…

Wer kennt das auch, dass die Blutzuckerwerte immer nach dem Aufstehen extrem ansteigen? Hohe Blutzuckerwerte nach dem Aufstehen nerven! Ständig musste ich deshalb korrigieren. Ich möchte aber, dass die Blutzuckerwerte erst gar nicht so hoch ansteigen und schlechten Blutzuckerwerten vorbeugen.

Wie kann ich zu hohe Blutzuckerwerte nach dem Aufstehen verhindern?

Ich handhabe das deshalb seit geraumer Zeit nach Absprache mit meiner Diabetologin anders. Noch bevor ich aufstehe, gebe ich einen Insulin-Bolus mit meiner Insulinpumpe ab, damit es erst gar nicht zu diesen Anstiegen kommt. Zahlreiche Versuche, etwa dieses Aufsteh-Blutzuckeranstieg-Phänomen mit der Basalrate irgendwie abzudecken, sind gescheitert.

Hohe Blutzuckerwerte nach dem Aufstehen
Hohe Blutzuckerwerte nach dem Aufstehen, wer kennt das auch? Mit einer kleinen Therapieänderung passiert mir das nun nicht mehr.

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Diabetes & Silvester – Prosit Neujahr! Auch mit Diabetes mellitus gut ins neue Jahr rutschen

Diabetes & Silvester: Egal, ob eine durchtanzte Nacht auf der Partymeile, ein Mehrgänge-Menü in gepflegtem Ambiente oder ein Fondue- oder Raclette-Abend mit Familie oder Freunden in den eigenen vier Wänden: Als große Herausforderung für alle „Zuckersüßen“ entpuppt sich Silvester. Wenig Schlaf trifft auf gutes Essen sowie auf Alkohol. Aus diesem Grund lauert in dieser Nacht der Nächte besonders die Gefahr, von einer Über- (Hyperglykämie) oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) heimgesucht zu werden. Selbstverständlich müssen Diabetiker an Silvester kein abstinentes Dasein fristen. Wer sich an ein paar Spielregeln hält, darf mit Vollgas ins neue Jahr rutschen.

Diabetes & Silvester
Diabetes & Silvester: Das Team von Diabetiker.Info wünscht allen „Zuckersüßen“ einen guten Rutsch ins neue Jahr. © kiono / Fotolia

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BGStar: Ein intelligentes Blutzuckermessgerät, das keine Altersgrenzen kennt

 Das BGStar von Sanofi! Quelle: Blides
Das BG Star von Sanofi – intelligent und formschön!

Diabetiker sollten ihren Blutzuckerspiegel stets im Auge behalten. Wer seine Blutzuckerwerte mehrmals täglich misst, hat jederzeit einen Überblick über seinen Stoffwechsel. Nur so können Insulineinheiten korrekt berechnet werden und mögliche Hypoglykämien (Unterzuckerungen) sowie Hyperglykämien (Überzuckerungen) rechtzeitig erkannt werden.

Wie gut, dass es intelligente Blutzuckermessgeräte gibt, die Diabetikern ihren Alltag erleichtern: Ein kompakter Begleiter durch alle Lebenslagen ist das BGStar aus dem Hause Sanofi-Aventis. Es ist einfach zu bedienen und liefert jederzeit zuverlässige Messergebnisse. Dabei besticht es mit seinen leicht steuerbaren Funktionen und der Technologie der Dynamischen Elektrochemie.

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