Tag: Blutzuckerschwankungen

42 Faktoren

42 Faktoren, die den Blutzucker beeinflussen – und wie sie wirken

„Ich versteh` das nicht, ich habe doch genau das Gleiche gefrühstückt und hatte einen ähnlichen Ausgangswert – und meine Glukosekurve verläuft total anders als gestern! Das ist doch….“

Wir kennen alle solche Momente kennen, eigentlich ist doch alles wie die Tage davor und trotzdem sind die Glukosewerte heute ganz anders. Das nervt und die Frustration über solche Situationen ist mehr als verständlich. Es hilft vielleicht wenig, aber es mag euch ein bisschen trösten: es gibt ca. 42 Faktoren, die bei jeder Therapieentscheidung Ihrer Stoffwechselanpassung eine Rolle spielen.

Wichtig: Nicht jeder Faktor wirkt bei jeder Person gleich, und selbst bei ein und derselben Person kann die Wirkung an verschiedenen Tagen unterschiedlich sein.

Diabetes ist leider keine mathematische Gleichung sondern eine hormonelle Erkrankung. Die Behandlung kein Sprint sondern eine lebenslange Aufgabe. Aber es geht bei unverständlich hohen oder tiefen Werten nicht um „Schuld und Sühne“, wir haben nichts wirklich vorsätzlich falsch gemacht, sondern es ist eher zu vergleichen mit einem Krimi: Wir sind auf der Suche nach dem Täter, und – es ist nicht immer der Gärtner – oder der AID – Algorithmus. 

Deshalb ist die Datenanalyse der eigenen CGM – oder AID Daten der wichtigste Schritt zur möglichen Lösung, denn es kommen ja schließlich 42 Täter= 42 factors, als Ursache in Frage. Kein normales menschliches Hirn kann bei einer Therapieentscheidung:Wieviel spritze ich jetzt für dieses Essen? Wie stark und wann reduziere ich mein Insulin für den Sport?“ + alle 42 Faktoren in einem einzigen Gedankengang gleichzeitig berücksichtigen. Deswegen ist die retrospektive Analyse Ihrer CGM Daten – zuerst alleine, danach im Gespräch mit Ihrem betreuenden Diabetesteam meist der Schlüssel zur „kriminalistischen Lösung“. 

Der Hauptverdächtige ist oft, aber nicht immer,  die Mahlzeit: Wie war die Zusammensetzung und der glykämische Index? Welchen Spritz – Ess Abstand und welche Bolusvariante habe ich gewählt? Stimmte meine KE und FPE Schätzung? Wie hoch war mein aktives Insulin? usw. Gerade beim Mahlzeitenmanagement gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen in Form von Literatur oder auch Apps, hier findet ihr ganz aktuell einen Artikel zu:

https://www.diabetiker.info/mahlzeitenschaetzung-mit-ki-wie-verlaesslich-ist-das/

Aber ein jahrzehntelanges Leben mit einem Begleiter braucht manchmal, wie in jeder anderen „Beziehung“ auch, etwas frischen Wind. Wie lange liegt deine letzte Diabetesschulung zurück? Brauchst du vielleicht noch mehr Informationen zur Funktionsweise deines Algorithmus, oder Informationen zu speziellen Lebenssituationen wie Urlaub, Sport, Katheterproblemen etc. Scheu dich nicht, dein Diabetesteam diesbezüglich anzusprechen oder auf diashop.digital bietet DIASHOP ganz viele kostenfreie Online-Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten an:

https://www.diashop.de/technik-zum-anfassen

Von Hautschutz bis zum Familienalltag mit Diabetes, Umgang mit CGM Systemen oder AID – Algorithmen bis hin zur Therapieanpassung beim Sport oder im Urlaub, auf Festivals, mehrmals im Monat erwarten euch informative Online-Veranstaltungen, Tipps und Hilfestellungen, um euren Tätern besser auf die Spur zu kommen und die Herausforderung der 42 Faktoren entspannter zu bestehen.

42 Faktoren, die den Blutzucker beeinflussen – und wie sie wirken

*Quelle: https://diatribe.org/diabetes-management/42-factors-affect-blood-glucose-surprising-update

Ernährung & Getränke

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Kohlenhydratmenge Mehr Kohlenhydrate führen zu höheren Anstiegen.
Art der Kohlenhydrate Schnell verdauliche KH erhöhen stärker als ballaststoffreiche.
Ballaststoffe Verlangsamen die Glukoseaufnahme.
Fett Verzögert die Wirkung, späterer Anstieg möglich.
Protein Kann leicht erhöhen, besonders ohne KH.
Alkohol Kurzfristig ↑, später oft ↓ (Unterzucker-Risiko).
Koffein Kann Insulinempfindlichkeit senken.
Mahlzeitengröße Große Portionen → stärkere Anstiege.
Mahlzeitenzeitpunkt Späte Mahlzeiten erhöhen nächtliche Werte.
Dehydration Stresshormone steigen, Blut wird „konzentrierter“.

Medikamente & Insulin

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Insulindosis Zu wenig ↑, zu viel ↓.
Zeitpunkt der Gabe Vor dem Essen wirkt anders als danach.
Insulinart Wirkdauer beeinflusst Verlauf.
Abgelaufenes Insulin Verminderte Wirkung.
Injektionsstelle Unterschiedliche Aufnahmegeschwindigkeit.
Pumpen-/Katheterprobleme Insulin kommt verzögert oder gar nicht an.
Steroide Erhöhen Insulinresistenz.
Andere Medikamente Können Werte erhöhen oder senken.

Bewegung & Aktivität

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Leichte Bewegung Muskeln verbrauchen Glukose.
Intensive Bewegung Kurzfristig ↑ durch Stresshormone.
Trainingsdauer Längere Aktivität senkt stärker.
Trainingszeitpunkt Morgens oft andere Wirkung als abends.
Fitnesslevel Bessere Insulinempfindlichkeit.
Bewegungsmangel Glukose wird schlechter verwertet.

Körper & Hormone

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Stress Ausschüttung von Glukose aus der Leber.
Krankheit/Infekt Entzündungs- und Stresshormone steigen.
Schlafmangel Erhöht Insulinresistenz.
Pubertät Hormonell bedingte Insulinresistenz.
Menstruationszyklus Schwankende Hormonspiegel.
Schwangerschaft Veränderte Insulinbedarfe.
Frühere Unterzuckerung Erhöht Risiko weiterer Hypos.
Verdauungsgeschwindigkeit Beeinflusst Timing der Anstiege.

Umwelt & Verhalten

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Hitze Erweiterte Gefäße, schnellere Insulinaufnahme.
Kälte Stressreaktion des Körpers.
Höhenlage Veränderter Stoffwechsel.
Reisen/Jetlag Schlaf- und Essrhythmus verschieben sich.
Rauchen Erhöht Insulinresistenz.
Sonnenbrand Stress- und Entzündungsreaktion.
Häufigkeit des Messens Bessere Entscheidungen stabilisieren Werte.

Zu hoch, zu tief: Der Blutzucker im Sommer

Der Blutzucker im Sommer stellt einige Menschen mit Diabetes vor große Herausforderungen… 

Die Sommer in Deutschland werden immer heißer. Der Körper leidet unter den hohen Temperaturen, die sich bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auch auf den Stoffwechsel auswirken können. Mit einem rtCGM-System hat man die Glukosewerte eigentlich immer im Blick. Trotzdem kann es bei Hitze zu gefährlichen Entgleisungen kommen.

Niedrige Werte – Gefahr einer Unterzuckerung

Hitze fördert die Durchblutung, dies wiederum führt dazu, dass Insulin schneller vom Körper aufgenommen wird. Wenn man dann noch aktiv unterwegs ist, beim Radfahren, Wandern oder Schwimmen zum Beispiel, kann der Blutzucker schneller in den Keller gehen als erwartet. Die Empfehlungen: Häufiger den Blutzucker messen, bzw. die Trendpfeile auf dem CGM-System im Blick behalten. Die Insulindosis vor sportlichen Ausflügen anpassen (bei der Insulinpumpe die Basalrate senken) und mit einem etwas höheren Blutzuckerwert starten.

Vor allem beim Schwimmen wird der Energieverbrauch durch Bewegung im kalten Wasser oft unterschätzt. Tipp: Auch ins Wasser kann Glukose mitgenommen werden – in flüssiger Form (z. B. Dextro Energy Liquid oder Lift Juice). Ideal beim Schwimmen oder Stand-up Paddling.

Hohe Werte – Gefahr einer Ketoazidose

Häufig unterschätzt wird die Gefahr, die im Sommer von erhöhten Blutzuckerwerten ausgeht. Dass die Werte nach einer Mahlzeit vorübergehend über 200 mg/ dl (11,1 mmol/l) ansteigen, passiert. Problematisch wird es jedoch, wenn sich keine Tendenz nach unten zeigt und Symptome wie starker Durst, Übelkeit, Harndrang und Müdigkeit hinzukommen. Dann bahnt sich möglicherweise eine Blutzuckerentgleisung (Ketoazidose) an.

Gewissheit gibt ein Ketontest, den vor allem Insulinpumpenträger ab einem Wert von 240 mg/dl (13,3 mmol/l) oder bei Symptomen einer Ketoazidose unbedingt durchführen sollten. Ein positiver Test (+++ im Urin bzw. ab 1,1 mmol/l im Blut) erfordert schnelles Handeln. Die Regeln: Ruhe bewahren, sich körperlich nicht anstrengen und nach den Empfehlungen des Diabetesteams aus der Schulung vorgehen.

Wer sich nicht sicher ist, wie die Behandlung einer Ketoazidose durchgeführt wird, sollte die individuelle Vorgehensweise und Therapieanpassung mit seinem Diabetesteam besprechen. Gute Informationen bieten auch die Kurzvideos von Ulrike Thurm in der Blood Sugar Lounge.

Bei Hitze kann Insulin ausflocken…

Bei Hitze kann Insulin ausflocken und verliert seine Wirkung. Insulin ist ein Eiweiß, das bei Temperaturen über 40 °C zerfällt und unbrauchbar wird. Dies kann bei Hitze schnell und vor allem unbemerkt passieren – im Sommer eine häufige Ursache für gefährliche Blutzuckerentgleisungen.

Insulin ausgeflockt

Wie aussagekräftig ist der HbA1c-Wert?

Jedes Quartal wird der HbA1c-Wert (der „Langzeitblutzuckerwert“) von Diabetikern beim Arzt gemessen und jedes Mal frage ich mich: warum eigentlich? Okay, er verrät mir wie hoch der Blutzucker im Schnitt in den vergangenen acht bis zwölf Wochen war, mehr aber auch nicht. Wir hatten den HbA1c-Wert bereits hier und hier thematisiert. Aber ist er wirklich so aussagekräftig?

HbA1c-Wert
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Blutzuckerwertechaos: Nur so bekommst du es in den Griff!

Stress, Erkältung, Wetter, Sport, Essen, Alkohol, Sauna, Party, Kaffee, … All das und noch viel mehr erhöht oder senkt deinen Blutzucker. Nun könnte man meinen, dass man im Laufe der Zeit doch wissen müsste, wie viel und welchen Einfluss die unterschiedlichen Parameter nehmen und wie man ein Blutzuckerwertechaos vermeiden kann, oder? NEIN! Deren genauer Einfluss ist leider nicht kalkulierbar. Wie kann man es dann aber schaffen, immer perfekte Werte vorzuweisen? Geht das überhaupt?

Blutzuckerwertechaos
Um das Blutzuckerwertechaos also in den Griff zu bekommen, sind CGMS-Und FGM-Systeme für viele Typ-1-Diabetiker sehr hilfreich.

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Zu viel Arbeit, schlaflose Nächte, ständig unter Zeitdruck, immer in Eile? Sieben Strategien gegen Stress

Welcher Diabetiker kennt das nicht: Wenn es hektisch und aufregend wird, schnellt der Blutzuckerspiegel gewaltig in die Höhe. Hintergrund ist, dass unser Körper in diesen Situationen Stresshormone, wie Adrenalin und Cortisol, ausschüttet. Und diese Hormone kann der Blutzucker gar nicht leiden. Fakt ist, dass Stress mittlerweile für viele Menschen zum Alltag gehört: die häufigen Überstunden im Job, der ständige Spagat zwischen Familie und Beruf, die vielen unerledigten Aufgaben, die wir seit Wochen vor uns herschieben…

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Kurze Auszeit: Bereits kleine Erholungsmomente bilden ein Gegengewicht zum oft hektischen und nervenaufreibenden Alltag. © Trueffelpix/Fotolia

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