Tag: Hypoglykämie

Hypo

Die Hypo im Wandel der Zeit (+Tipps für Angehörige)

Ach nö, ausgerechnet jetzt: Hypo! Immer dann, wenn man sie überhaupt gar nicht gebrauchen kann. Klar, eigentlich kommt sie immer ungelegen. Ich bin vermutlich nicht die einzige, die sich während der Arbeit, während des Sports oder in Situationen, in denen man gerade voll im Flow ist, äußerst ungerne durch so’ne nervige Hypo stören lässt. Früher dachte ich immer, „Ach komm, nur noch schnell den einen Absatz zu Ende schreiben.“ (da kam nix mehr bei rum) oder „…noch den letzten Kilometer laufen.“ (wohl eher stolpern), mittlerweile bin ich jedoch längst vernünftiger geworden, handle sofort und lasse alles stehen und liegen! Man lernt, nicht zuletzt, aus seinen Fehlern!

Behandlung einer Hypo, dank rtCGM-Systemen heute anders als früher

Es hat sich zum Glück durch die rtCGM-Systeme auch einiges zum Positiven verändert. Hypos sind seltener geworden. Ich lasse mich bereits bei einem Wert von 80 mg dl/4,4 mmol/l (im Alltag) warnen, so dass ich schnell gegensteuern kann, bevor die Hypo kommt. Früher waren es die ersten für mich eindeutigen Warnzeichen wie Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, Heißhunger, … die mich veranslasst haben, etwas zu essen und dann zu messen. Ich habe erst dann handeln können, wenn ich bereits unterzuckert war. Ich habe zuerst gegessen und dann gemessen. Heute habe ich durch mein rtCGM-System die Werte ja ständig im Blick, muss nicht erst in den Finger piksen und noch auf das Messergebnis warten. Na und dank der Trendpfeile meines rtCGM-Systems weiß ich auch besser, wie viele schnellwirksame Kohlenhydrate für mich sinnvoll sind, um einer Hypo vorzubeugen. Bei einem gemessenen Wert von 80 mg dl/4,4 mmol/l mit Trendpfeil nach oben, brauche ich keine Kohlenhydrate essen, mit Trendpfeil nach unten  schon. Ich schaue also erst auf den Wert und Trendpfeil meines rtCGM-Systems und handele dann entsprechend.

Blutzuckermessung bleibt trotzdem wichtig

Ich verlasse mich allerdings nicht 100-prozentig auf mein CGM-System, sondern messe nicht selten mit dem Blutzuckermessgerät gegen, auch wenn mein rtCGM-System keine Kalibrierungen erfordert. In der Regel passen die Werte, doch Abweichungen insbesondere im Sport, bei sehr niedrigen oder zu hohen Werten, habe ich schon öfters erlebt.

Symptome erkannt, Gefahr verbannt? Hast du ein gutes Körpergespür?

Im Sport (in welchen ich durch meinen Job als Trainer wirklich keine Hypos gebrauchen kann) erlebe ich völlig andere Symptome bei einer Hypo als im Alltag. Hinzu kommt, dass diese oft erst sehr spät spürbar werden. Beim Laufen fange ich etwa an zu stolpern, beim Schwimmen bekomme ich Krämpfe in den Waden und beim Krafttraining fehlt mir dann wortwörtlich die Kraft und ich fange an zu zittern. Nun man musste schon genau in sich hineinhorchen um sicher zu sein, ob das nun Anzeichen einer Hypo sind, oder etwa nur körperliche Schwäche durch den Sport. 

Aber auch im Laufe meiner Diabetes-Karriere haben sich die Symptome über die Jahre hin sehr verändert. Heute erzähle ich unterzuckert noch mehr „lustige“ Geschichten als eh schon 😉 oder reagiere verängstigt. So etwas hatte ich früher nur sehr selten erlebt. Wie ist das bei euch? Schreibt das gerne in die Kommentare.

Und auch wenn ich weiß, welche Symptome bei mir in welcher Reihenfolge im Verlauf einer Hypo auftreten, kann man sich darauf nicht immer verlassen. Ich kenne einige Menschen mit Diabetes, für die Hypos schwer wahrnehmbar sind, weshalb die Mithilfe von Angehörigen gefragt ist. Man spricht von einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung oder auch „Unawareness“. 

Was können Angehörige und Außenstehende im Notfall tun?

Nun, ich bin in der glücklichen Situation, dass mein Mann mir eine Hypo an der Nasenspitze ansieht und an meinem Verhalten oft schon eher als ich bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Meinen Mann trage ich jedoch in der Regel nicht in der Hosentasche bei mir ;). Er hat mit mir schon viele Hypos „durchgestanden“ darunter auch zwei schwere Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit, die aber auch schon fast 15 Jahre zurückliegen. Er ist bei den Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit sehr vorbildlich vorgegangen:

  • Notarzt anrufen!
  • Insulinzufuhr der Insulinpumpe des Betroffenen stoppen.
  • Den Betroffenen in die stabile Seitenlage mit Kopf nach hinten bringen.
  • Keinen Saft oder Traubenzucker geben (Erstickungsgefahr).

Eine Glukagon-Spritze hatte ich nicht dabei. Glukagon ist ein Hormon, das den Blutzucker sofort erhöht, in dem es für eine Zuckerfreisetzung aus der Leber sorgt und somit lebensrettend sein kann. Glukagon ist nun auch als Nasenspray in Europa zugelassen und wird schon bald hier in Deutschland erhältlich sein.

Aber ACHTUNG: Glukagon ist wirkungslos, wenn die Unterzuckerung auf starken Alkoholkonsum zurückzuführen ist, weil die Leber erst den Alkohol abbaut, bevor sie sich anderen Aufgaben widmet.  

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Besonders insulinpflichtige Diabetiker sollten dabei im Hinterkopf behalten, dass Alkohol den Blutzucker senkt, und somit das Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ansteigt. Die Zuckerfreisetzung aus der Leber ist bereits  ab einem Blutalkoholspiegel von 0,45 Promille gestört. Es empfiehlt sich deshalb, zusammen mit Alkohol auch Kohlenhydrate zu konsumieren. Außerdem bitte nicht auf nüchternen Magen zu Wein, Bier oder Sekt greifen! Zudem bedenken, dass ausgelassenes Tanzen ebenfalls den Blutzuckerspiegel in den Keller rauschen lassen kann.

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Karneval mit Diabetes? Ja! Genießen? Natürlich! Alkohol? Darf sein! Aber bitte das Messen nicht vergessen! © Christian Schwier / Fotolia

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