Kategorie: Alltag

42 Faktoren

42 Faktoren, die den Blutzucker beeinflussen – und wie sie wirken

„Ich versteh` das nicht, ich habe doch genau das Gleiche gefrühstückt und hatte einen ähnlichen Ausgangswert – und meine Glukosekurve verläuft total anders als gestern! Das ist doch….“

Wir kennen alle solche Momente kennen, eigentlich ist doch alles wie die Tage davor und trotzdem sind die Glukosewerte heute ganz anders. Das nervt und die Frustration über solche Situationen ist mehr als verständlich. Es hilft vielleicht wenig, aber es mag euch ein bisschen trösten: es gibt ca. 42 Faktoren, die bei jeder Therapieentscheidung Ihrer Stoffwechselanpassung eine Rolle spielen.

Wichtig: Nicht jeder Faktor wirkt bei jeder Person gleich, und selbst bei ein und derselben Person kann die Wirkung an verschiedenen Tagen unterschiedlich sein.

Diabetes ist leider keine mathematische Gleichung sondern eine hormonelle Erkrankung. Die Behandlung kein Sprint sondern eine lebenslange Aufgabe. Aber es geht bei unverständlich hohen oder tiefen Werten nicht um „Schuld und Sühne“, wir haben nichts wirklich vorsätzlich falsch gemacht, sondern es ist eher zu vergleichen mit einem Krimi: Wir sind auf der Suche nach dem Täter, und – es ist nicht immer der Gärtner – oder der AID – Algorithmus. 

Deshalb ist die Datenanalyse der eigenen CGM – oder AID Daten der wichtigste Schritt zur möglichen Lösung, denn es kommen ja schließlich 42 Täter= 42 factors, als Ursache in Frage. Kein normales menschliches Hirn kann bei einer Therapieentscheidung:Wieviel spritze ich jetzt für dieses Essen? Wie stark und wann reduziere ich mein Insulin für den Sport?“ + alle 42 Faktoren in einem einzigen Gedankengang gleichzeitig berücksichtigen. Deswegen ist die retrospektive Analyse Ihrer CGM Daten – zuerst alleine, danach im Gespräch mit Ihrem betreuenden Diabetesteam meist der Schlüssel zur „kriminalistischen Lösung“. 

Der Hauptverdächtige ist oft, aber nicht immer,  die Mahlzeit: Wie war die Zusammensetzung und der glykämische Index? Welchen Spritz – Ess Abstand und welche Bolusvariante habe ich gewählt? Stimmte meine KE und FPE Schätzung? Wie hoch war mein aktives Insulin? usw. Gerade beim Mahlzeitenmanagement gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen in Form von Literatur oder auch Apps, hier findet ihr ganz aktuell einen Artikel zu:

https://www.diabetiker.info/mahlzeitenschaetzung-mit-ki-wie-verlaesslich-ist-das/

Aber ein jahrzehntelanges Leben mit einem Begleiter braucht manchmal, wie in jeder anderen „Beziehung“ auch, etwas frischen Wind. Wie lange liegt deine letzte Diabetesschulung zurück? Brauchst du vielleicht noch mehr Informationen zur Funktionsweise deines Algorithmus, oder Informationen zu speziellen Lebenssituationen wie Urlaub, Sport, Katheterproblemen etc. Scheu dich nicht, dein Diabetesteam diesbezüglich anzusprechen oder auf diashop.digital bietet DIASHOP ganz viele kostenfreie Online-Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten an:

https://www.diashop.de/technik-zum-anfassen

Von Hautschutz bis zum Familienalltag mit Diabetes, Umgang mit CGM Systemen oder AID – Algorithmen bis hin zur Therapieanpassung beim Sport oder im Urlaub, auf Festivals, mehrmals im Monat erwarten euch informative Online-Veranstaltungen, Tipps und Hilfestellungen, um euren Tätern besser auf die Spur zu kommen und die Herausforderung der 42 Faktoren entspannter zu bestehen.

42 Faktoren, die den Blutzucker beeinflussen – und wie sie wirken

*Quelle: https://diatribe.org/diabetes-management/42-factors-affect-blood-glucose-surprising-update

Ernährung & Getränke

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Kohlenhydratmenge Mehr Kohlenhydrate führen zu höheren Anstiegen.
Art der Kohlenhydrate Schnell verdauliche KH erhöhen stärker als ballaststoffreiche.
Ballaststoffe Verlangsamen die Glukoseaufnahme.
Fett Verzögert die Wirkung, späterer Anstieg möglich.
Protein Kann leicht erhöhen, besonders ohne KH.
Alkohol Kurzfristig ↑, später oft ↓ (Unterzucker-Risiko).
Koffein Kann Insulinempfindlichkeit senken.
Mahlzeitengröße Große Portionen → stärkere Anstiege.
Mahlzeitenzeitpunkt Späte Mahlzeiten erhöhen nächtliche Werte.
Dehydration Stresshormone steigen, Blut wird „konzentrierter“.

Medikamente & Insulin

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Insulindosis Zu wenig ↑, zu viel ↓.
Zeitpunkt der Gabe Vor dem Essen wirkt anders als danach.
Insulinart Wirkdauer beeinflusst Verlauf.
Abgelaufenes Insulin Verminderte Wirkung.
Injektionsstelle Unterschiedliche Aufnahmegeschwindigkeit.
Pumpen-/Katheterprobleme Insulin kommt verzögert oder gar nicht an.
Steroide Erhöhen Insulinresistenz.
Andere Medikamente Können Werte erhöhen oder senken.

Bewegung & Aktivität

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Leichte Bewegung Muskeln verbrauchen Glukose.
Intensive Bewegung Kurzfristig ↑ durch Stresshormone.
Trainingsdauer Längere Aktivität senkt stärker.
Trainingszeitpunkt Morgens oft andere Wirkung als abends.
Fitnesslevel Bessere Insulinempfindlichkeit.
Bewegungsmangel Glukose wird schlechter verwertet.

Körper & Hormone

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Stress Ausschüttung von Glukose aus der Leber.
Krankheit/Infekt Entzündungs- und Stresshormone steigen.
Schlafmangel Erhöht Insulinresistenz.
Pubertät Hormonell bedingte Insulinresistenz.
Menstruationszyklus Schwankende Hormonspiegel.
Schwangerschaft Veränderte Insulinbedarfe.
Frühere Unterzuckerung Erhöht Risiko weiterer Hypos.
Verdauungsgeschwindigkeit Beeinflusst Timing der Anstiege.

Umwelt & Verhalten

Faktor Wirkung Kurz erklärt
Hitze Erweiterte Gefäße, schnellere Insulinaufnahme.
Kälte Stressreaktion des Körpers.
Höhenlage Veränderter Stoffwechsel.
Reisen/Jetlag Schlaf- und Essrhythmus verschieben sich.
Rauchen Erhöht Insulinresistenz.
Sonnenbrand Stress- und Entzündungsreaktion.
Häufigkeit des Messens Bessere Entscheidungen stabilisieren Werte.
Blutzuckermessgerät Contour Next

Warum ein Blutzuckermessgerät trotz CGM weiterhin sinnvoll ist

Moderne CGM-Systeme (Continuous Glucose Monitoring) haben das Diabetes-Management revolutioniert. Sie zeigen Trends, warnen vor Unter- oder Überzuckerungen und liefern nahezu rund um die Uhr Glukosedaten.

Doch trotz dieser technologischen Fortschritte bleibt ein klassisches Blutzuckermessgerät ein wichtiger Bestandteil der Therapie – auch für Menschen mit rtCGM oder FGM.

CGM misst nicht direkt im Blut

Ein entscheidender Unterschied:

CGM-Systeme messen die Glukose im Gewebe (Interstitium), nicht direkt im Blut. Zwischen Blut- und Gewebezucker besteht eine physiologische Verzögerung von etwa 5–15 Minuten – insbesondere bei schnellen Veränderungen, zum Beispiel:

  • nach dem Essen
  • bei sportlicher Aktivität
  • bei schnellen Korrekturen
  • in Hypoglykämie-Situationen

In solchen Momenten kann eine kapillare Blutzuckermessung den aktuelleren Referenzwert liefern. Wenn Symptome und Sensorwert nicht zusammenpassen

Viele Menschen mit Diabetes kennen die Situation:

Der Sensor zeigt 110 mg/dl – aber man fühlt sich eindeutig unterzuckert.

In solchen Fällen empfehlen auch Fachgesellschaften, eine blutige Kontrollmessung durchzuführen. Sie dient als Sicherheitscheck und hilft, Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Sensorabweichungen erkennen

Auch moderne Sensoren können vorübergehend ungenau sein – etwa:

  • in den ersten 24 Stunden nach dem Setzen
  • bei Druck auf die Messstelle („Compression Lows“)
  • bei Dehydrierung
  • bei technischen Problemen

Ein präzises Blutzuckermessgerät ermöglicht es, diese Abweichungen zu erkennen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Therapieentscheidungen absichern

Insulinabgaben – insbesondere größere Korrekturen – basieren auf konkreten Zahlen. In Situationen mit hohen oder sehr niedrigen Werten kann eine zusätzliche Blutmessung mehr Sicherheit geben.

Gerade bei:

  • schweren Hypoglykämien
  • stark erhöhten Werten
  • Krankheit
  • ketonverdächtigen Situationen

ist eine genaue Referenzmessung sinnvoll.

Backup für den Ernstfall

Technik kann ausfallen. Sensoren können sich lösen, Transmitter können Probleme machen, Smartphones können leer sein. Ein funktionierendes Blutzuckermessgerät bleibt daher ein essenzielles Backup – unabhängig vom verwendeten CGM-System.

Moderne Messgeräte: Mehr als nur „Fingerpieks“

Moderne Systeme wie das Contour Next bieten heute:

  • hohe Messgenauigkeit
  • Farbsignale zur schnellen Einordnung der Werte
  • Bluetooth-Übertragung an Smartphone-Apps
  • Speichermöglichkeiten für Verlaufskontrolle
  • Second-Chance® Sampling zur Vermeidung unnötiger Teststreifen

Damit ist das Blutzuckermessgerät kein Konkurrenzprodukt zum Sensor, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Fazit

CGM-Systeme liefern Trends, Alarmfunktionen und wertvolle Verlaufskurven. Die kapillare Blutzuckermessung liefert den direkten Referenzwert. Beides zusammen erhöht die Sicherheit, unterstützt fundierte Therapieentscheidungen und gibt Menschen mit Diabetes ein zusätzliches Maß an Kontrolle im Alltag.

Dialetics Xalps 2026 Alpenüberquerung

Dein größtes Abenteuer – Dialetics xAlps Alpenüberquerung

Die Dialetics xAlps findet 2026 wieder statt – eine einzigartige Alpenüberquerung für Menschen mit Diabetes. Und ja, du kannst dabei sein!

Stell dir vor, du überquerst die Alpen zu Fuß, erlebst atemberaubende Landschaften und beweist dir selbst, dass der Diabetes dich nicht aufhalten kann. Die Dialetics xAlps Alpenüberquerung macht genau das möglich und geht in die zweite Runde! 12 Menschen, die mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 in neun Tagen gemeinsam die Alpen wandernd überqueren und damit Vorbild und Motivation für viele andere Betroffene sein wollen.

Was erwartet dich bei der Dialetics xAlps Alpenüberquerung?

Vom 2 Juli bis zum 11. Juli 2026 führt die Route von Mittelberg (Österreich) über Warth, Pettneu am Arlberg und Ischgl nach Sur En (Schweiz) bis nach Mals (Italien). In neun Tagen werden 130 km und 7.000 Höhenmeter zurückgelegt, mit Tagesetappen zwischen 7 und 27 km und Aufstiegen von bis zu 1.200 m. Übernachtet wird in Berghütten in Mehrbettzimmern mit Halbpension. Ein professionelles Team aus Bergführern, einer Diabetologin und einem Videografen begleitet euch.

Wer kann teilnehmen?

Ivo sucht acht motivierte Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2, die mindestens 18 Jahre alt sind und über Wandererfahrung sowie eine eigene Ausrüstung verfügen. Dank der Partner ist die Teilnahme für euch kostenlos. Partner der Dialetics xAlps Alpenüberquerung sind u. a. DIASHOP, mylife Loop, Insulet, Dexcom, FreeStyle Libre, Diabetes Anker, SugrSugr und diabetes.de (Deutsche Diabetes Hilfe). 

Wie bereitest du dich vor?

Vor der Tour finden digitale Info-Events statt, bei denen du alles Wichtige erfährst und deine Fragen stellen kannst. Hier findest du dazu alle Infos: dialetics xAlps 2026. Zusätzlich gibt es ein exklusives Vorbereitungsprogramm mit Online-Kursen zu Blutzuckermanagement und Fitness. 

Warum solltest du dabei sein?

Diese Alpenüberquerung ist nicht nur ein Abenteuer, sondern auch ein Statement: Gemeinsam zeigen wir, dass Diabetes uns nicht einschränken muss. Ivo, selbst seit 22 Jahren Typ-1-Diabetiker, hat diese Route bereits zweimal erfolgreich gemeistert. Jetzt möchte er dieses Erlebnis auch mit dir teilen!

Du kannst dabei sein! Unterkunft, Organisation, Betreuung – für dich komplett kostenlos.

Wie kannst du dich für die Dialetics xAlps Alpenüberquerung bewerben?

Bewirb dich bis zum 28. Februar 2026 auf einen der acht freien Plätze. Alle Informationen zur Bewerbung und zu den Info-Events findest du auf der Website: Mehr Infos zur Dialetics xAlps Alpenüberquerung 

Nutze diese Chance und sei Teil eines unvergesslichen Abenteuers! 

Die Dialetics xAlps stehen für Mut, Selbstvertrauen und die Botschaft: Diabetes hält uns nicht auf. Wenn du Lust auf eine echte Challenge hast und Teil dieser Geschichte sein willst, dann bewirb dich jetzt.

 

Ketoazidose

Die diabetische Ketoazidose – Ursachen, Symptome und Therapie 

Die wohl am häufigsten unterschätzte oder nicht diagnostizierte Stoffwechselentgleisung – die diabetische Ketoazidose – Ursachen, Symptome und Therapie von Ulrike Thurm, Diabetesberaterin DDG, Gesundheitsreferentin Diashop GmbH 

Die diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine der gefährlichsten Stoffwechselentgleisungen bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes. Sie entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit Insulin komplett fehlt. Ohne Insulin kann die Glukose nicht in die Zellen gelangen. Der Körper beginnt, Fett als Ersatzenergie zu verbrennen – dabei entstehen Ketone, die das Blut „übersäuern“. Diese Übersäuerung kann lebensbedrohlich werden. 

Typische Anzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, schnelle tiefe Atemung („Kussmaulatmung“) und ein nach Aceton (wie faule Äpfel oder Nagellackentferner) riechender Atem. Wird die Ketoazidose nicht rechtzeitig behandelt, kann sie zum Koma und im schlimmsten Fall zum Tod führen. 

Besonders gefährdet sind Menschen, die eine Insulinpumpe oder ein AID-System (automatisierte Insulinzufuhr) nutzen. Da diese Systeme nur kurzwirksames Insulin abgeben, kann schon ein kleiner technischer Defekt – z. B. ein verstopfter Katheter – innerhalb weniger Stunden einen gefährlichen Insulinmangel auslösen. Auch Infekte, Stress, falsche Bedienung der Pumpe oder schlechtes Insulin (zu heiß oder zu kalt geworden) können eine DKA auslösen. 

Um eine Ketoazidose rechtzeitig zu erkennen, ist die Blut-Ketonmessung am zuverlässigsten. Urintests zeigen diese Entgleisung meist zu spät an oder können durch andere Substanzen, wie z.B. Vitamin C ungenau oder falsche Ergebnisse liefern. Internationale Fachgesellschaften empfehlen deshalb übereinstimmend die Blutketonmessung. 

Bei hohen Glukosewerten über 250 mg/dl oder 13,9 mmol/L und Unwohlsein sollten sofort Ketone im Blut gemessen werden. Bei erhöhten Werten (≥ 1,5 mmol/L) ist es wichtig, genug zu trinken und zusätzlich Insulin mit einer Einmalspritze zu geben. Wenn Erbrechen auftritt, die Beschwerden schlimmer werden oder Unsicherheit besteht, muss sofort ärztliche Hilfe geholt werden. 

Wie wird eine Eigentherapie der Ketoazidose durchgeführt (Wichtiger Hinweis: Die Eigentherapie ist nur möglich, wenn man vom eigenen Diabetesteam darin geschult wurde, genau weiß, welche Insulindosis im Notfall gespritzt werden sollte und Zugang zu funktionierenden Blutketonmessstreifen hat.):  Die Eigentherapie ist nur für Menschen geeignet, die wach, orientiert, nicht stark erbrochen haben und in der Lage sind, zu trinken und die Anweisungen umzusetzen. Sobald Unsicherheit besteht, die Beschwerden zunehmen, starkes Erbrechen vorliegt oder man sich sehr schlecht fühlt, ist sofort ärztliche Hilfe notwendig. Oder Sie vereinbaren mit Ihrem Diabetesteam diesbezüglich pragmatische Regeln: (hier ein Zitat von Dr. Simone von Sengbusch, Oberärztin, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Campus Lübeck auf der DDG Herbsttagung in Mannheim am 07.11.2025 bezüglich der Höhe der Blutketonwerte): 

Bei Werten größer 3 – eil herbei“ 

1. Wichtiger erster Schritt: Insulin immer mit einer Einmalspritze injizieren 

Bei der Behandlung einer Ketoazidose muss Insulin immer mit einer Einmalspritze gespritzt werden, nicht über die Pumpe. Warum? 

  • Die Pumpe könnte defekt sein. 
  • Der Katheter könnte abgeknickt, verstopft, herausgerutscht etc. sein… 

Folglich würde sich der absolute Insulinmangel und damit die Ketoazidose gar nicht oder zu langsam bessern. 

Viele Diabetesteams empfehlen in dieser Situation eine vorher vereinbarte feste Insulinmenge, meist etwa 10–15 Einheiten bei Erwachsenen oder etwa 15 – 20 % der persönlichen Tagesinsulindosis (diese Zahl sollte jeder Mensch mit Typ-1-Diabetes von seinem Diabetesteam kennen). 

2. Flüssigkeit ist entscheidend: viel trinken! 

Der Körper verliert bei einer beginnenden Ketoazidose viel Flüssigkeit, deshalb: 

  • Pro Stunde etwa 1 Liter trinken, z. B. Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe. 
  • Keine süßen Getränke und möglichst keine kohlensäurehaltigen Getränke. 

Trinken hilft, Ketone auszuspülen und den Kreislauf zu stabilisieren. 

3. Blutzucker und Blutketone engmaschig kontrollieren 

Um zu sehen, ob die Behandlung wirkt: 

  • Blutzucker alle 1–2 Stunden messen (auch wenn ein CGM genutzt wird). 
  • Blutketone alle 30 Minuten messen. 

Nur Blutketontests zeigen zuverlässig und schnell, ob die Schwere der Entgleisung abnimmt – Urintests sind hier ungeeignet. 

4. Regelmäßige Insulingaben wiederholen 

Wenn der Glukosewert weiter ansteigt oder die Ketone nicht abfallen, werden etwa alle 1–2 Stunden erneut kleine Mengen kurzwirksamen Insulins mit einer Spritze injiziert. Die genaue Dosis sollte vorher mit dem Diabetesteam festgelegt und an einem sicheren Ort notiert sein (z. B. im Smartphone) Hier die Vallet Handykarte verlinken 

5. Nicht alleine bleiben – Ruhe, aber nicht schlafen 

Eine beginnende Ketoazidose kann sich rasch verschlechtern. Deshalb ist es wichtig: 

  • Eine zweite Person zu informieren. 
  • Nicht schlafen, bis die Werte sicher fallen. 
  • Bei Unsicherheit das Diabeteszentrum telefonisch kontaktieren. 

6. Wann ist die Ketoazidose überwunden? 

Die Eigentherapie gilt erst dann als erfolgreich, wenn: 

  • der Blutzucker unter 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt 
  • die Blutketone unter 0,6 mmol/l sind 

Wenn der Glukosewert dann weiterhin stark abfällt, sollte man rechtzeitig 2–3 BE essen, um eine mögliche Unterzuckerungen zu vermeiden. Bananen sind wegen des Kaliumgehalts empfehlenswert, wenn diese zu Hause vorhanden sind. 

7. Erst jetzt, wenn das Hirn wieder voll funktionstüchtig ist und alle Symptome überwunden sind, sollte man der Ursache der Ketoazidose auf den Grund gehen und die Pumpe, das Infusionsset, den Algorithmus etc. auf mögliche Probleme hin untersuchen. Bevor die Pumpen- oder AID – Therapie fortgesetzt wird: 

  • Katheter wechseln 
  • Reservoir/Ampulle erneuern 
  • Insulin kontrollieren (Hitze? Frost?) 
  • Pumpe und AID – System kontrollieren etc. 

Erst danach die Pumpe oder das AID System wieder anschalten. Wie Sie dem Algorithmus Ihres AID – Systems jetzt das im Körper befindliche, durch die Spritze injizierte Insulin „mitteilen“, hängt vom genutzten Algorithmus ab. Bitte besprechen Sie dies auch im Vorfeld mit Ihrem Diabetesteam. 

Eine Ketoazidose lässt sich sehr gut verhindern: durch regelmäßiges Messen, aktivierte CGM-Alarme, funktionierende Technik und das Wissen über Warnzeichen. Wiederholte Schulungen helfen, im Alltag sicher zu bleiben. In Zukunft könnten Sensoren, die gleichzeitig Zucker und Ketone messen, die Sicherheit weiter erhöhen. 

In Anlehnung an: CGM – und Insulinpumpenfibel: https://www.diashop.de/cgm-und-insulinpumpenfibel-4-auflage-2023-1-buch.html, Autoren: Ulrike Thurm & Bernhard Gehr oder: AID – Fibel, Grundlagen https://www.diashop.de/aid-fibel-grundlagen-grundlagen-der-automatisierten-insulindosierung-1-buch.html Autorenteam: Bernhard Gehr, Ulrike Thurm, Sarah Biester, Stefan Gölz, Jens Kröger, Simone von Sengbusch, Karin Lange

KetoazidosehilfefürBrieftasche (hier runterladen)

Von der Pumpe zurück zum Pen – was ihr bei der Umstellung beachten solltet

Viele Menschen mit Diabetes überlegen, für eine Zeit auf ihre Insulinpumpe zu verzichten – zum Beispiel im Urlaub. Wir haben mit unserer DIASHOP Gesundheitsreferentin und Diabetesberaterin Ulrike Thurm darüber gesprochen, worauf es beim Wechsel zurück auf ICT/Pen ankommt. 

Redaktion: Viele nehmen die Umstellung von der Insulinpumpe zum Pen gerade im Urlaub vor oder wünschen sich einfach mal eine Pumpenpause. Warum kann es sinnvoll sein, für eine Zeit oder dauerhaft zurück auf Pen/ICT zu wechseln?

Ulrike Thurm: Eine Pause kann geplant sein – oder plötzlich nötig werden, etwa durch einen technischen Defekt. Fällt die Pumpe unerwartet aus, ist schnelles Handeln gefragt. Praktische Tipps dazu finden Sie in der AID-Fibel (Kapitel 7 – erhältlich bei DIASHOP).

Oft geht es aber auch um mehr Freiheit im Alltag, gerade im Urlaub: Ohne Pumpe lässt es sich unbeschwerter Beachvolleyball spielen, am Strand sonnen oder ins Wasser springen – ohne sich Gedanken über Sonnenhitze, Wasserfestigkeit oder einen möglichen Geräteverlust machen zu müssen. Letzterer ist übrigens nicht versichert – eine entsprechende Absicherung ist daher sehr empfehlenswert.

Redaktion: Welche Punkte sollte man unbedingt mit dem Diabetesteam klären, bevor man die Pumpe ablegt und auf ICT umstellt?

Ulrike Thurm: Wichtig ist, rechtzeitig zu planen – idealerweise zwei bis drei Wochen vor dem Urlaub. Viele Nutzer:innen einer AID-Therapie haben inzwischen vergessen, warum sie ursprünglich von der ICT zur Pumpe gewechselt sind: etwa wegen des Dawn-Phänomens bzw. ständig hoher Morgenwerte.

Auch Alltagssituationen können wieder zur Herausforderung werden: ein Eis an der Strandpromenade, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wo und wie man unauffällig spritzt. Oder das Fünf-Gänge-Menü im Hotel – soll man wirklich zu jedem Gang separat spritzen, ohne genau zu wissen, wann und wie viele Kohlenhydrate serviert werden? Und wie geht man bei ICT mit Fett-Protein-Effekten um?

Ein zentraler Punkt ist zudem die Auswahl des passenden Basalinsulins in der richtigen Dosis. Dafür braucht es Planung und Absprache mit dem Diabetesteam.

Redaktion: Wie findet man die richtige Basaldosis, wenn man bisher mit flexibler Basalrate an der Pumpe gearbeitet hat?

Ulrike Thurm: Das dauert – meist etwa eine Woche unter Alltagsbedingungen. Im Urlaub können klimatische Veränderungen, mehr Bewegung oder andere Essgewohnheiten die Werte zusätzlich beeinflussen. Ob man einmal oder zweimal täglich spritzt und welches Insulin am besten passt ist sehr individuell.

Redaktion:  Welche Unterschiede spürt man sofort im Alltag – etwa beim Sport, auf Reisen oder beim Essen?

Ohne AID-System fehlt vor allem die nächtliche Sicherheit. Der Algorithmus stabilisiert normalerweise die Werte im Schlaf und schützt zuverlässig vor Hypo- oder Hyperglykämien.

Auch beim späten Abendessen hilft das System, indem es auf verzögert aufgenommene Kohlenhydrate mit zusätzlichem Insulin reagiert. Im Urlaub zeigt sich die Stärke der AID-Technologie besonders: Sie passt sich automatisch an – ob mehr Insulin an entspannten Tagen in der Hängematte oder weniger bei viel Bewegung wie beim Sightseeing oder Wandern.

(Informationen zur Anpassung der AID – Systeme bei wechselnder Insulinempfindlichkeit: Diabetes und Sportfibel)

Redaktion:  Was sind die wichtigsten Tipps, damit die Umstellung reibungslos klappt?

Ulrike Thurm: Gute Vorbereitung ist das A und O. Klären Sie im Vorfeld gemeinsam mit Ihrem Diabetesteam, welches Insulin Sie wann und in welcher Menge spritzen und testen Sie es ausreichend vorher im Alltag. Entscheiden Sie dann, ob Sie einen kompletten Umstieg wollen oder ggf. tagsüber Basalinsulin spritzen und ab dem späten Nachmittag dann wieder Ihr AID-System mit allen Vorzügen besonders in der Nacht nutzen wollen. Kurz gesagt: Eine komplette Umstellung kann viel mehr Aufwand bedeuten, als die „Belastung“ durch ein AID-System und will gut überlegt sein. Einen „Urlaub vom Diabetesmanagement“ gibt es sowieso nicht – denn den Diabetes kann man auch im Urlaub nicht zu Hause lassen.