SERIE (5): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Diabetes und Fliegen

Es war einmal, an einem sommerlichen Dienstagmorgen, irgendwo in Berlin. An einem Flughafen, der hoffentlich doch noch irgendwann fertig wird. Ich war auf dem Weg nach Rom zu einer Tagestour mit meiner Schwester. Abgesehen vom Aufstehen um 3 Uhr nachts hatte ich bis dahin noch gute Laune. Durch meine Zeit als College-Sportler in den USA und das viele Reisen innerhalb des Landes habe ich mittlerweile eine Menge Flüge mitgemacht, mich an die Strapazen gewöhnt. Die Sicherheitskontrolle war für mich bereits zur Routine geworden. Und doch gab es an diesem Tag etwas, das mich verwunderte und meine gute Laune schwinden lies: die Sicherheitsbestimmungen für Flugreisen in oder aus Deutschland.

Diabetes und Fliegen
Diabetes und Fliegen: Auch mit einem ärztlichen Attest sind kohlenhydrathaltige Getränke im Handgepäck laut Sicherheitsbestimmungen an deutschen Flughäfen verboten.

Noch nie hatte ich Probleme, mit meinem Diabeteszubehör – Sensor, Pumpe oder Pen, Messgerät, Lanzetten, Einmalspritzen und Pen-Nadeln – durch die Kontrolle zu kommen, weder hier noch in den USA. Ich musste meist nicht einmal mein ärztliches Attest vorzeigen. Vor etwa einem Jahr begann ich dann, in Amerika selbst Getränke mit zur Sicherheitskontrolle zu nehmen. Ich dachte mir: „Möglicherweise reicht ja mein ärztliches Attest aus?!“ Und tatsächlich durfte ich, nach einer kurzen Untersuchung der Flüssigkeiten, meine Wasser- und Cola-Flasche behalten. Ich war überrascht, dass sowas in den USA, dem Land mit den wohl strengsten Sicherheitsbestimmungen im Flugverkehr, erlaubt war.

Dann, an diesem Dienstagmorgen, an besagtem Berliner Flughafen, hieß es plötzlich: „Nein, Flüssigkeit bleibt Flüssigkeit. Die sind verboten.“ Durch die Sicherheitskontrolle kam ich sogar noch durch; erst der Bundespolizist dahinter bäumte sich auf und verweigerte mir die Mitnahme der Flaschen. Wenn ich ein gesuchter Verbrecher wäre und irgendwo anders in Europa untertauchen wollte, wäre das kein Problem. Erst beim Einstig am Gate musste ich meinen Ausweis vorzeigen. Wahrscheinlich hätte ich auch meine Essenskarte aus der 10. Klasse hinhalten können. Die Dame schaute kurz ob der Name auf Flugticket und Ausweis der gleiche war, dann konnte ich weitergehen. Aber eine Cola-Flasche, die mir in einer Notsituation das Leben retten könnte, darf nicht mit?

Diabetes und Fliegen
Diabetes und Fliegen: Diabeteszubehör wie Sensor, Pumpe, Pen oder Messgerät dürfen mit einem ärztlichen Attest ins Handgepäck.

Natürlich werden jetzt einige von Euch sagen: „Man weiß doch, dass Getränke verboten sind.“ Stimmt, da habt Ihr recht. Aber ist es nicht ungerecht, dass man als Diabetiker gewissermaßen dazu gezwungen wird, sich für „viel“ Geld am Flughafen ein kohlenhydrathaltiges Getränk zu kaufen? Der Polizist sagte mir dann beim Weitergehen sogar noch folgendes: „Also eine Cola Light hätten Sie ja mitnehmen dürfen, aber das hier ist ja ganz normale Cola.“ Wäre meine Schwester nicht dabei gewesen, hätte ich spätestens nach dieser Aussage wohl meine Beherrschung verloren. Was denkt Ihr? Wenn es in Amerika erlaubt ist, könnte es dann nicht hier auch erlaubt sein, mit einer ärztlichen Bescheinigung Getränke mitzuführen? Welche Erfahrungen habt Ihr bei Flugreisen gemacht?

Bis bald, Euer Felix!

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11 comments

  1. Es ist verboten, Getränke mitzuführen, Punkt – also nehme ich meine Notfall-KH in fester Form, sprich Gummibärchen o.ä. mit. Und das schon allein aus dem Grund, weil ich einfach keinen Bock habe, mit irgendeinem Sicherheitsfuzzi rumzudiskutieren, was eventuell medizinisch notwendig werden könnte oder auch nicht. Ob irgendwas in den USA erlaubt ist, gleichgültig ob mit medizinischem Attest oder ohne, ist irrelevant – übrigens habe ich für mein gesamtes „Zubehör“ (Pumpe bzw. Pen und auch Einmalspritzen) noch nie ein Attest gehabt und bin weder in Deutschland noch in GB, USA, AUT oder GR jemals aufgehalten worden…

    1. Hallo Christoph,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Natürlich hast du prinzipiell Recht – so steht es in den Sicherheitsbestimmungen geschrieben. Meine Frage ist jedoch, ob man nicht vielleicht mal den Dialog mit dem Gesetzgeber suchen sollte. Ich finde, im Notfall wirken flüssige KH einfach schneller. Und für mich selbst ist es bei regelmäßigen Auslandsreisen und häufigem Reisen innerhalb der USA lediglich überraschend gewesen, dass das Mitführen von Getränken mit Attest erlaubt war. Wie du bereits angemerkt hast, musste auch ich mein Attest noch nie vorzeigen, wenn es um Diabetes-Zubehör ging. Dennoch halte ich es für eine sinnvolle Sache, immer ein Attest mit dabei zu haben – da bin ich auf der sicheren Seite, falls doch mal ein Beamter eine Bescheinigung sehen will.

      Alles Gute,

      Felix Petermann

      1. Hallo Felix,

        wenn es dir in der Hauptsache darum geht, schnell wirkende KH dabei zu haben, würde ich gerade fürs Flugzeug am ehesten eine Tube Jubin o.ä. empfehlen, das ist mit ziemlicher Sicherheit nochmal ne Stufe schneller als Cola – auch wenn es zugegebenermaßen schmeckt wie eingeschlafene Füße. Mittlerweile gibt es auch von Dextro Energy kleine Trinkpäckchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Die enthalten 50 bzw- 60 ml Flüssigkeit bei 2 – 2,5 BE, sollten damit flugzeugtauglich sein und sind wahrscheinlich etwas schmackhafter als „purer“ Flüssigzucker.

        LG
        Christoph

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