SERIE (15): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Polarisierend – Die Präsidentschaftswahlen in Amerika

Ich weiß, das hier ist eine Plattform, in der es hauptsächlich um den Diabetes und seine verschiedenen Facetten geht: Ernährung, Integration, Umgang mit Problemen und der Krankheit im Allgemeinen. Dennoch, als jemand, der seit über vier Jahren in Amerika lebt und bereits die Präsidentschaftswahlen in 2012 mitbekommen hat, muss ich mich kurz zu dem Thema äußern. Auch in Bezug auf das Gesundheitssystem in den USA.

Präsidentschaftswahlen
Die Präsidentschaftswahlen in Amerika: Stellt Trump „Obamacare“ ein, könnte das auch Auswirkungen auf die Diabetesversorgung in Amerika haben.

Donald Trump wird – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Es gibt lediglich noch eine theoretische Chance für Hillary Clinton, sollten sich die Wahlmänner zu großen Teilen gegen die Stimmen des Volkes stellen. Aber das wäre kompliziert, hier alles zu erklären. Deshalb erzähle ich euch lieber, wie ich den Wahlabend erlebt habe…

Im Prinzip fing alles gut an. Ich hatte nach dem Ende meiner Vorlesungen am Dienstag noch an einer meiner Stories für die Website unseres Journalismus-Masterprogrammes hier in Stanford gearbeitet. Als ich gegen 19 Uhr in mein Apartment kam, waren bereits die ersten Stimmauszählungen erfolgt, denn wegen der Zeitverschiebung zwischen verschiedenen Staaten hatten einige Regionen bereits die Wahllokale geschlossen. Mit zunehmender Zeit füllte sich die Wahlkarte. Mehr und mehr Staaten berichteten die vorläufigen Wahlergebnisse. Meist waren es nur Bruchteile von Prozenten, die Trump und Clinton trennten. Kurz vor Mitternacht zeichnete sich langsam ab, dass Trump, entgegen nahezu aller Voraussagen, die Nase überraschend weit vorn hatte. Als dann etwa eine Stunde später auch Pennsylvania, ein Bundesstaat mit vergleichsweise vielen Wahlmännern, für Trump gestimmt hatte, war die Überraschung perfekt. Und das Entsetzen in vielen Städten Kaliforniens nahm seinen Lauf. An meiner alten Uni, der San Jose State University, nur etwa 30 Minuten entfernt von meinem Apartment, brachen Proteste und vereinzelte Krawalle zwischen Trump- und Clinton-Unterstützern aus. Ich selbst war ebenfalls überrascht, allerdings nicht so bestürzt wie viele meiner Nachbarn und Mitstudenten.

Am nächsten Morgen dann, als ich in unseren Seminarraum kam, sah ich einige meiner Kommilitonen weinend, mit dem Kopf auf ihre Schultern gestützt, an ihren Plätzen sitzend. Da wurde mir klar, dass sich in der vergangenen Nacht weit mehr getan hatte, als nur der bevorstehende Wechsel von Präsident Barack Obama zu Donald Trump. Ich studiere Journalismus, mit Fokus auf Datenanalyse und deren Interpretation. Genau das Feld, in dem so viele Journalisten, Politik-Wissenschaftler und andere Experten komplett daneben lagen mit ihren Prognosen. Trump hatte bereits während seiner Kampagne mehrfach Journalisten und Medien-Unternehmen verbal angegriffen, das Vertrauen in die Medien hatte einen historischen Tiefpunkt erreicht – schon vor den Fehlprognosen in der Wahlnacht.

Doch Trumps Sieg bedeutet auch, dass sich einiges in der Polit-Landschaft in den nächsten Jahren verändern wird. In einem Statement Ende Oktober versprach Trump, „Obamacare,“ eine Art Pflicht-Krankenversicherung für Familien und Haushalte mit geringem Einkommen, einzustellen, sofern er gewählt werde. Dies könnte nun bedeuten, dass bis zu 20 Millionen Amerikaner, besonders aus sozialschwachen Gesellschaftsgruppen, eine Krankenversicherung nicht mehr bezahlen könnten. Das hat wiederum Einfluss auf die Diabetesversorgung – denn in Amerika ist Typ 2 Diabetes besonders unter ärmeren Menschen weit verbreitet.

Momentan weiß ich noch nicht, wo das alles hinführen wird. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weise Trump Amerika verändern könnte. Ob zum positiven oder negativen. Aber vor allem, ob er der gespaltenen Bevölkerung, gerade den Minderheiten und Frauen im Land, das Vertrauen geben kann, welches er während seiner Kampagne mehrfach verloren hat. Ich hoffe, Ihr habt Verständnis für diesen Beitrag und ich verspreche euch, nächste Woche gibt es wieder interessante Einblicke in meine Diabeteswelt!

Bis bald, Euer Felix

 

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