SERIE (28): Felix Petermann plaudert aus dem Nähkästchen: Jacksonville, Florida – Meine erste Journalisten-Tagung

Es gibt seit dem Beginn meines Studiums hier in Stanford nur selten Möglichkeiten, mal raus aus der gewohnten Umgebung und auf andere Gedanken zu kommen. Am vergangenen Wochenende bot sich meinen Mitstudenten und mir solch eine Möglichkeit: In Jacksonville, Florida, fand die jährliche NICAR Conference statt, ein Event des „National Institute for Computer Assisted Reporting“. Übersetzt heißt das in etwa, dass sich hunderte von Journalisten und dutzende Vertreter diverser Apps und Softwares treffen, um vier Tage lang die neuesten Trends im Bereich der Datenanalyse und Verarbeitung zu diskutieren. Wir als Stanford University waren mit insgesamt 12 Studenten und einigen Professoren vertreten.

NICAR Conference
Bei den „Blitz-Talks“ waren fast alle der über 800 Tagungs-Teilnehmer anwesend, um sich überraschende und unterhaltsame Geschichten verschiedenster Journalisten anzuhören – in nur fünf Minuten pro Redner.

Von Donnerstag bis Sonntag drehte sich also alles um Computer und wie man diese am besten nutzen kann, um das Internet zu durchforsten, Stories zu finden und somit einen eher technischen Bereich des Journalismus abzudecken, der besonders bei langen investigativen Beiträgen eine Rolle spielt. Die Anreise per Flugzeug bedeutet für mich häufig sich auf längeres Warten an der Pass- und Sicherheitskontrolle einzustellen. Als nichtamerikanischer Staatsangehöriger werfen die Beamten am Flughafen durchaus mehrere Blicke auf meine Reisedokumente. Insulinpumpe und CGM werden in der Regel auf Sprengstoffrückstände untersucht, manchmal muss ich zur intensiveren Kontrolle mein Handgepäck ausräumen oder mich gründlich abtasten lassen.

Doch im Grunde genommen, weiß ich bereits vorher, was mich erwartet und kann mich darauf einstellen. Die „Sonderbehandlung“ dauert nicht länger als 10 bis 15 Minuten. Im Gegenzug darf ich als einer der wenigen Passagiere Getränke mit durch die Kontrollen nehmen und muss nicht für umgerechnet fünf Euro am Flughafen eine Cola kaufen. Schlechte Erfahrungen wie Diskriminierungen oder Vorverurteilungen aufgrund des Diabetes habe ich jedoch noch nie gemacht – zumindest nicht an amerikanischen Flughäfen. In Deutschland passiert mir das hingegen öfter mal, so wie im Sommer 2016, als ich vor meinem Abflug zu einer Tagestour nach Rom von einem Bundespolizisten am Flughafen Berlin-Tegel äußerst respektlos behandelt wurde.

NICAR Conference
Vom 15. Stock aus konnte ich aus meinem geöffneten Hotelzimmerfenster den Ausblick und die Lichter der – ansonsten eher langweiligen – Stadt Jacksonville genießen.

In Jacksonville selbst ereignete sich nichts Besonderes. Genauer gesagt ereignete sich dort gar nichts, abgesehen von der Konferenz selbst. Obwohl unser Tagungshotel mitten in der Innenstadt lag, war in der gesamten Umgebung überraschend wenig los. Am Sonntag konnten wir trotz stundenlanger Suche nicht ein einziges Restaurant finden, das mittags geöffnet war. Stattdessen endeten wir an der Hotel-Bar, wo uns maßlos überteuerte Sandwiches serviert wurden. Einzig der Ausblick von unserem Hotelzimmer konnte meine Enttäuschung von der Stadt schwinden lassen.

War von Euch schon mal jemand in Jacksonville? Wenn ja, erzählt mir von Euren Erfahrungen! Vielleicht hatten wir einfach einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt.

Bis nächste Woche, Euer Felix!

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