Kategorie: Rund um die Therapie

Diabetes Report 2018

Glooko’s Diabetes Report 2018

Auf dem ATTD in Berlin hat mir am Stand von Glooko® (+ diasend®)  jemand den Diabetes Report 2018 zugespielt, eine umfangreiche Auswertung von international gesammelten Diabetes-Daten. Schon spannend zu erfahren, in welchem Land die häufigsten Unterzuckerungen auftraten oder an welchem Tag im Jahr Diabetiker im Schnitt die schlechtesten Blutzuckerwerte hatten. Das hat mich gleich dazu veranlasst, neugierig wie ich bin, in meine eigenen Aufzeichnungen zu schauen, inwieweit sie mit dem Report übereinstimmen. Tatsächlich kann ich bestätigen, dass etwa Neujahr 2018 auch bei mir ein Tag mit schlechteren Werten war. Und bei euch ;)? Hier möchten wir heute die interessantesten Daten aus dem Report von Glooko® (+ diasend®) mit euch teilen und euch den Report zur Verfügung stellen.

Glooko® (+ diasend®)

Zur Erklärung: Glooko® ist eine Plattform für Diabetes-Management und Analyse. Damit ist es möglich, Daten von unterschiedlichen Geräten zu sammeln – darunter Blutzuckermessgeräte, Insulinpumpen, CGM-Systeme und Activity Tracker. So hat man Zugriff auf alle Diabetesdaten – alles über eine einzige benutzerfreundliche Plattform. Man kann sich die Diabetesdaten auf dem Smartphone oder am PC anzeigen lassen und analysieren, etwa die Zusammenhänge zwischen Aktivitäten und dem Blutzucker. Die Daten können auch mit dem medizinischen Diabetes-Betreuer geteilt werden. In viele Praxen kommt Glooko® + diasend® bereits erfolgreich zum Einsatz. Mehr darüber erfahrt ihr hier: Glooko-Webseite

Glooko’s Diabetes Report 2018

Aus den unendlich vielen Daten (anonym, versteht sich) von uns Diabetikern hat Glooko® nun einen Report erstellt, der Diabetes-Trends in der ganzen Welt aufzeigt.

Wie häufig treten Hypoglykämien (Blutzuckerwerte unter 70 mg/dl) auf?

Neidisch kann man hier auf die Belgier schauen, die absoluter Spitzenreiter sind. Nur an 5,8 % aller Tage des Jahres wurden bei ihnen Hypos gemessen. Vielleicht liegt es ja an den leckeren belgischen Waffeln, die es einem sicherlich schwer machen, den Blutzucker abfallen zu lassen ;).

Tage mit den besten und schlechtesten Blutzuckerwerten

Der Tag an dem die meisten Diabetiker die besten Blutzuckerwerte in 2018 verzeichneten, war der 20. September. Der Tag mit den schlechtesten Blutzuckerwerten der 1. Januar 2018. Dass die Werte Neujahr besonders schlecht sind, verwundert mich jetzt nicht ;).

Durchschnittlicher Bolus, der zu den Mahlzeiten abgegeben wurde

  • Frühstück: 3,8 U
  • Mittagessen: 4,2 U
  • Abendessen: 4,8 U

In welchen Ländern liegen die Durchschnittsblutzuckerwerte am höchsten und am niedrigsten?

Belgien liegt mit Blutzucker-Durchschnittswerten von 156 mg/dl am niedrigsten, Deutschland liegt auf Platz 4 mit 167 mg/dl und der höchste Durchschnittswertwert konnte mit 198 mg/dl in Neuseeland verzeichnet werden.

Blutzuckerwerte an Feiertagen?

Wie erwartet haben die meisten Menschen mit Diabetes Weihnachten durchschnittlich die höchsten Blutzuckerwerte, dicht gefolgt von Neujahr, Valentinstag und Halloween.

Den gesamten Diabetes Report könnt ihr hier einsehen: Glooko’s Annual Diabetes Report 2018

Zuzahlungsbefreiung

Warum es sich lohnt die Zuzahlungsbefreiung jetzt zu beantragen!

Auf Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, Krankenhausbehandlungen, Fahrtkosten und noch einige Leistungen mehr verlangen die Krankenkassen eine gesetzliche Zuzahlung. Sie liegt meist zwischen 5 und 10 Euro. Hier kommt schnell eine größere Summe zusammen und es lohnt sich zu prüfen, ob eine Begrenzung der Zuzahlung möglich ist. Wenn ihr die Zuzahlungsbefreiung für Diabetesbedarf gleich im Januar beantragt, spart ihr euch das Sammeln der Belege. Ihr zahlt dann nur einmalig den zumutbaren Betrag – und seid den Rest des Jahres befreit.

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Insulinpumpentherapie

Studienergebnisse belegen die Vorteile der Insulinpumpentherapie

In Deutschland nutzt mittlerweile über die Hälfte aller jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Insulinpumpe. Ein Grund ist vor allem die komfortable, sichere und erfolgreiche Therapie. Insbesondere bei Kindern konnten die Vorteile der Insulinpumpentherapie gegenüber einer Injektionstherapie mit Pen oder Spritze in etlichen Studien und durch Erfahrungen der Patienten und ihren Angehörigen selbst beschrieben werden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) verweist darüber hinaus auf eine aktuelle hochrangige Publikation im JAMA (Journal of the American Medical Association), die den positiven Therapieeffekt unterstreicht. Eine weitere kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt außerdem, dass auch die Lebensqualität der Betroffenen durch eine Behandlung mit Insulinpumpen steigt. Das gilt insbesondere für Kinder mit Typ 1 Diabetes.

CSII-Therapie: Wie viele Diabetiker nutzen bereits eine Insulinpumpe?

So genannte CSII-Systeme („continous subcutaneous insulin infussion“) wie die Insulinpumpe sind in Deutschland immer mehr verbreitet. 1995 haben knapp ein Prozent der Patienten mit Diabetes Typ 1 Insulinpumpen genutzt, heute sind es bereits über die Hälfte aller Betroffenen unter 20 Jahren und bei Kindern unter sechs Jahren sogar über 90 Prozent.

„Nach aktuellem internationalem Kenntnisstand in der Diabetologie sind Insulinpumpen bei Patienten mit stark schwankenden Blutzuckerwerten derzeit die sicherste Methode, den Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c niedrig zu halten sowie Unterzuckerungen oder einen akuten Insulinmangel (Ketoazidose) – eine lebensgefährliche Komplikation – zu verhindern“, erklärt DDG Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland.

Studienergebnisse belegen: Weniger schwere Unterzuckerungen und diabetische Ketoazidosen dank Insulinpumpe

Auch die Ergebnisse einer kürzlich erschienenen Publikation im „Journal of the American Medical Association (JAMA)“ zeigen, dass Patienten von einer Insulinpumpe profitieren. Die Autoren dieser Studie untersuchten über fünf Jahre hinweg bei über 30 500 Patienten mit Diabetes Typ 1 den Mehrwert einer Insulinpumpentherapie, indem sie die jeweiligen Therapieergebnisse von Insulinpumpen-Trägern mit der klassischen Insulininjektion verglichen. Dabei bezogen sie ihre Informationen aus der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), an der sich über 400 Einrichtungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz beteiligen. Dieses System deckt etwa 80 Prozent aller Patienten mit Diabetes Typ 1 aus diesen Ländern ab.

„Die Ergebnisse sind eindeutig: Patienten mit Insulinpumpe weisen weniger schwere Unterzuckerungen sowie seltener eine diabetische Ketoazidose auf und hatten insgesamt bessere Glukosewerte als Patienten, die eine herkömmliche Injektionstherapie erhielten“, führt DDG-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Andreas Neu aus.

Weitere Vorteile der CSII-Therapie

Über den positiven metabolischen Effekt hinaus hat die Verwendung von Insulinpumpen zudem einen günstigen psychosozialen Effekt bei Kindern mit Diabetes und ihren Eltern. Dies zeigt eine Studie von Esther Müller-Godeffroy, Lübeck, et al.: „Die Lebensqualität der Betroffenen steigt erheblich, da Eltern bei der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle und Insulin-Versorgung entlastet werden und deutlich mehr Sicherheit im Alltag haben“, erklärt Neu, der Oberarzt in der Diabetes-Ambulanz in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Tübingen ist. „Denn der Blutzuckerspiegel bei Kindern ist besonders häufigen Schwankungen ausgesetzt. Unregelmäßige Bewegung und Nahrungsaufnahme sowie Wachstumsschübe der jungen Patienten wirken sich erheblich auf den Zuckerstoffwechsel aus. Dies bedarf häufig schneller Insulinanpassungen, um schweren Nebenwirkungen vorzubeugen.“

Wichtige Voraussetzung für eine Insulinpumpentherapie

Auch in der S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes empfehlen die Experten insbesondere bei häufigen Unterzuckerungen, sehr schwankenden Blutzuckerwerten und unzureichender glykämischer Kontrolle eine Therapie mit Insulinpumpe. „Wichtige Voraussetzung, eine Insulinpumpen-Therapie erfolgreich umzusetzen, ist, dass der Patient und die Eltern die intensivierte Insulintherapie beherrschen – also gut geschult sind“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes Klinik am Diabetes Zentrum Mergentheim und Koordinator der S3-Leitlinie. Auch sollte der behandelnde Arzt umfangreiche Erfahrungen mit dieser Therapie haben und dem Patienten eine umfassende Schulung anbieten können.

Quelle:

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

www.ddg.info

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

philipp lahm beitragsbild Eversense XL

Infoveranstaltung zum Eversense XL: Hersteller, Arzt und Patient an einem Tisch

Rund 100 Leute mit Diabetes nahmen an der Infoveranstaltung zum Eversense XL teil, die am 17. Oktober 2018 im Freizeitheim Vahrenwald in Hannover stattfand. Roche Diabetes Care hatte eingeladen, um über das Langzeit-CGM-System Eversense XL zu informieren. Darüber hinaus gab es Erfahrungsberichte aus der Praxis, sowohl aus der Sicht eines Mediziners als auch aus der Sicht einer Patientin zu hören. Die Patientin war übrigens ich (Steff 😉). Für das leibliche Wohl wurde auch gesorgt.

Allgemeine Infos zum Eversense XL

Zunächst informierte eine Mitarbeiterin von Roche allgemein über das Langzeit-CGM-System Eversense XL. Was ist das? Wie funktioniert es? Was leistet das es? Bereits hier beteiligte sich das Publikum fleißig mit Fragen, die prompt durch die Vortragende beantwortet wurden. Hier findet ihr weitere Infos zum Eversense XL System. Scheut euch auch nicht die Hotline bei allgemeinen Fragen zum System anzurufen.

Infos aus Hand eines erfahrenen Diabetologen

Dann übernahm Dr. med. Biester das Wort und legte Zahlen, Daten, Fakten vor. Er hat schon viele Erfahrungen mit seinen Patienten sammeln können, ist zertifiziert zum Einsetzen und Wechseln des Sensors. Folgende Fragen fanden im Vortrag ihre Antworten:

  • Wie genau misst das Eversense XL (MARD = Mean Absolute Relative Difference = Abweichung vom tatsächlichen Blutzucker)? Mit einer MARD von 8,8 Prozent führt es zusammen mit einem Mitbewerber die Riege der Sensorgenauigkeit aller bisher auf dem Markt erhältlichen CGM-Systeme an.
  • Haben sich die Blutzuckerwerte der Patienten durch das System gebessert?
    Ja, das zeigte Dr. Biester mit Hilfe eines Diagramms an der Leinwand auf. Auch was passierte, als der Sensor nicht mehr unter der Haut lag, das Eversense-System nicht mehr genutzt wurde, weil sich die Krankenkasse geweigert hatte die Kosten nach der testphase weiterhin zu erstatten.
  • Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Einzelfallentscheidung und abhängig von Krankenkasse.
  • Wie verläuft das Einsetzten des Sensors?
    Dazu zeigte er uns ein Video. Auf YouTube findet ihr auch einige dazu. Es ist wirklich kein großer Akt und tut auch nicht weh.
  • Was tun bei Pflasterallergie?
    Tatsächlich wechseln viele zum Eversense XL System, da sie bei anderen CGM-/FGM-Systemen allergisch auf das Pflaster reagiert haben. Mit dem Eversense-XL-System ist das dank Silikonkleber Schnee von gestern.

Infos aus Hand einer Eversense-XL-Nutzerin

Danach war ich an der Reihe. Ich habe aus meinem Alltag berichtet. Darüber, wie ich das Eversense XL in diesen integriert habe und wie es sich bewährt. Den Teilnehmern der Info-Veranstaltung habe ich etwa vorgeführt, wie ich den Transmitter platziere, wann und wie ich kalibriere, damit mir das System auch genaue Werte anzeigt (siehe dazu: Wie man richtig kalibriert). Außerdem habe ich erzählt, wie sich das System im Sport verhält, ob und wie ich es fixiere. Etwa mit Autsch&Go, ein Fixiertape, dass nur auf sich selbst klebt, so dass keine Kliebereste auf dem Transmitter verbleiben.

Das Eversense XL ist auf großes Interesse gestoßen…

  • … etwa aufgrund des Vibrationsalarms (etwa bei Hypo/Hyper), den man direkt am Arm spürt, man nicht zwingend auf das Smartphone schauen muss. Das leistet bisher kein anderes CGM-System.
  • Aber auch weil man im Vergleich zu anderen CGM-Systemen nicht alle 5 Tage den Sensor wechseln muss. Damit neben dem geringeren Aufwand auch nur vergleichsweise sehr wenig Müll produziert (nur die Abziehfolie vom Pflaster).
  • Zudem hat man mit dem Eversense XL gleich viel weniger „Diabetes-Gepäck“ (auf Reisen benötigt man nur das Ladekabel und Pflaster).
  • Sollte der Transmitter vom Arm rutschen, kann er jederzeit wieder neu platziert werden.  Fällt hingegen bei anderen Systemen der Sensor samt Transmitter ab, bleibt mir nichts Anderes übrig, als einen neuen zu setzen.

Aber auch Kritik gab es…

Denn natürlich hat jedes System seine Vor- und Nachteile… Die kamen auch zur Sprache:

  • Die Entwicklung der Eversense-App schreitet zu langsam voran. So ist etwa die Apple Watch 4 noch nicht kompatibel mit dem Eversense-System.
  • Der Vibrationsalarm kann nerven und man sollte ihn auch mal (komplett) ausschalten können.
  • Eine Blinde würde das System gerne nutzen, jedoch ermöglicht die App (noch) keine Bedienung per Sprachausgabe.
  • Der Transmitter muss sehr genau platziert werden. Trotz Platzierungshilfe kann es im Alltag passieren, dass Sensor und Transmitter sich „verlieren“.
  • Es kommt vor, dass das System unbemerkt eine vom Patienten durchgeführte Kalibrierung nicht annimmt und somit in die unangenehme Initialisierungsphase rutscht.

Es wurden sehr sehr viele Fragen gestellt, kaum eine blieb offen. Das Interesse war wirklich riesig. Es war keine reine Werbeveranstaltung, sondern eine Informationsveranstaltung. Es kam deutlich zur Sprache, dass nur jeder für sich individuell das passende System finden kann, selbst für sich die Vor- und Nachteile abwägen muss.

Einige haben mich gefragt, ob sie ihr Rezept auch direkt bei mir 😉 einreichen können. Haha, bei mit nicht, aber bei DIASHOP ja – dem Fach- und Versandhändler für Diabetesbedarf. So war das natürlich auch gemeint ;). Ich hatte ja anfangs darauf hingewiesen, dass ich dort arbeite.

Nach der Veranstaltung kamen sehr viele auf mich zu, wollten weitere Fragen zum Eversense XL beantwortet wissen, da sie sich noch nicht ganz sicher waren, ob das System das richtige für sie ist. Da es jedoch schon sehr spät war, haben wir „Betroffenen“ (furchtbares Wort) beschlossen, uns in Kürze noch mal zu treffen :).

* Hinweis: Der Eversense XL Sensor wurde mir von Roche Diabetes Care Deutschland GmbH unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Dies hindert mich nicht daran, meine freie und ehrliche Meinung zu äußern. Alle Meinungsäußerungen sind meine eigenen und repräsentieren nicht notwendigerweise die Meinung von Roche.